Arabische Halbinsel — Ölemirate — Golfkooperationsrat (Einführung)

Fläche: 2.673.106 km²

Bevölkerung: > 32.000.000 Ein­wohn­er

BIP: > 343 Mio. US-$

Logo des GCC
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Die ölpro­duzieren­den ara­bis­chen Golf­s­taat­en sind ein Machtzen­trum der Weltwirtschaft gewor­den. Ihre Staats­fonds nehmen jedes Jahr die Hälfte der amerikanis­chen Staat­san­lei­hen in die Büch­er, sie ret­ten angeschla­gene west­liche Unternehmen und finanzieren Investi­tio­nen in Asien. Zu Hause leg­en sie den Grund­stein für eine Zukun­ft nach dem Öl.”

(FAZ, 29.07.2010)

Kurz nach Grün­dung des Golfko­op­er­a­tionsrates (GKR) 1981 sprach Kuwaits Finanzmin­is­ter Abd al-Latif al-Hamad davon, dass sich die ara­bis­chen Golf­monar­chien in der gle­ichen Sit­u­a­tion befän­den wie Deutsch­land, Frankre­ich, Ital­ien und die Benelux-Staat­en am Beginn der europäis­chen Inte­gra­tion. Mag dieser Euphemis­mus damals wie heute stark über­trieben sein, so han­delt es sich bei dem GKR doch um eins der weni­gen erfol­gre­ichen Inte­gra­tionspro­jek­te in der ara­bis­chen Welt.”

(Eura­sis­ches Mag­a­zin, 04.08.2010)

 

Die sechs Staat­en des am 25. Mai 1981 in Abu Dhabi gegrün­de­ten Golfko­op­er­a­tionsrates (GCC von engl. Gulf Coop­er­a­tion Coun­cil — ara­bisch: مجلس التعاون لدول الخليج العربية) — Bahrain, Katar, Kuwait, Oman, Sau­di Ara­bi­en und die Vere­inigte Ara­bis­che Emi­rate (VAE) sind eigentlich mehr als nur die “Ölemi­rate”. Wer die Infor­ma­tio­nen über die “Ölemi­rate im engeren Sinne” sucht, kann sich auf unsere Seite zu den Vere­inigten Ara­bis­chen Emi­rat­en beschränken. Das Kön­i­gre­ich Sau­di-Ara­bi­en und die Repub­lik Jemen (die Auf­nahme in den GCC ist beantragt) sind Staat­en, die nicht als “Ölemi­rate” beze­ich­net wer­den kön­nen. Tat­säch­lich wird der GCC nach Auf­nahme des Jemen die gesamte ara­bis­che Hal­binsel umfassen.

Derzeit (Dezem­ber 2007) addiert sich die Wirtschaft­sleis­tung der sechs Mit­gliedsstaat­en (ohne Hemen) auf knapp 750 Mrd. $, die von 35 Mio. Ein­wohn­ern — davon rund 60 % Staats­bürg­ern der sechs Mit­gliedsstaat­en — erwirtschaftet wer­den.

Hier — auf diesem Ein­führungs­dossier — wollen wir deshalb auch etwas weit­er aus­holen: wir meinen, alle Län­der des GCC kön­nen in ihrer poli­tis­chen und wirtschaftlichen Entwick­lung, in der Form ihrer Zusam­me­nar­beit — auch was die mil­itärische Koop­er­a­tion bet­rifft — in einem gemein­samen Ein­führungs­dossier gewürdigt wer­den. Der GCC ist näm­lich in vie­len sein­er Ziele mit einem europäis­chen “Pen­dant”, der EU — ver­gle­ich­bar.

Ziel der 1981 gegrün­de­ten Organ­i­sa­tion ist die Zusam­me­nar­beit in der Außen- und Sicher­heit­spoli­tik sowie die Förderung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Beziehun­gen zwis­chen den Mit­gliedern. Hierzu wurde 1983 eine Frei­han­del­szone und 2003 eine Zol­lu­nion zwis­chen den Mit­gliedsstaat­en vere­in­bart. Am 1. Jan­u­ar 2008 ist als näch­ster Schritt ein “Gemein­samer Markt” (Com­mon Mar­ket) der GCC-Staat­en in Kraft getreten, der unge­hin­derten Kap­i­talverkehr unter den Mit­gliedsstaat­en und ein freies Nieder­las­sungsrecht für alle Staats­bürg­er in jedem Mit­glied­s­land sowie eine unbe­gren­zte Arbeit­ser­laub­nis aller Staats­bürg­er in jedem Mit­glied­s­land — auch bei der öffentlichen Ver­wal­tung — ein­schließt. Die Staats­bürg­er kön­nen über­all Immo­bilien erwer­ben und verkaufen, das eigene Kap­i­tal beliebig trans­ferieren und die jew­eili­gen staatlichen Dien­stleis­tun­gen im Gesund­heits- und Erziehungs- und Bil­dungs­bere­ich beanspruchen.

Früh­estens ab 2010 soll eine gemein­same Währung fol­gen.

Für die Europäis­che Union (EU) ist die GCC-Region von emi­nen­ter Bedeu­tung. In den GCC-Mit­gliedsstaat­en konzen­tri­ert sich über die Hälfte der Ölre­ser­ven aller Opec-Staat­en. Der GCC ist der wichtig­ste Han­delspart­ner der Union in der ara­bis­chen Welt. Auf ihn ent­fall­en etwa die Hälfte des gesamten Han­dels mit den ara­bis­chen Staat­en und etwa 4 Prozent der Gesam­taus­fuhr der EU in Drit­tlän­der. Die Gol­fre­gion ist Dreh- und Angelpunkt zen­traler Fra­gen der inter­na­tionalen Poli­tik und trägt daher eine beson­dere Ver­ant­wor­tung, nicht nur für die Region, son­dern auch darüber hin­aus. Die Koop­er­a­tion ist dementsprechend eng. So find­en regelmäßig Min­is­tertr­e­f­fen der EU und des Golfko­op­er­a­tionsrates statt.

Saud Al-Faisal, Ursula Plassnik
Saud Al-Faisal, Ursu­la Plass­nik (Öster­re­ich)

Bild-Quelle: www.eu2006.at

Die EU und der GCC haben 1989 ein Koop­er­a­tions­abkom­men geschlossen, um ihre Beziehun­gen durch die Schaf­fung eines insti­tu­tionellen und ver­traglichen Rah­mens zu stärken.

Die Zusam­me­nar­beit erstreckt sich auf die Bere­iche:

  • wirtschaftliche und tech­nis­che Koop­er­a­tion,
  • Energie,
  • Indus­trie,
  • Han­del,
  • Dien­stleis­tun­gen,
  • Land­wirtschaft,
  • Fis­cherei,
  • Investi­tio­nen,
  • Wis­senschaft,
  • Tech­nik und
  • Umweltschutz.

Externe Links:
Der Golf-Koop­er­a­tionsrat — offzielle Inter­net-Seite — (www.gcc-sg.org)
Sta­tis­tiken der DIHKAHK — ara­bia (pdf-Datei)

 

Organe:
Sitz des GCC ist die Saud­is­che Haupt­stadt Riad, wobei sich Sau­di Ara­bi­en auch als Führungs­macht des Golfko­op­er­a­tionsrates ver­ste­ht.

Als ober­stes Gremi­um der Organ­i­sa­tion tagt zweimal jährlich der Ober­ste Rat (Supreme Coun­cil), in dem die Staats- und Regierungschefs der Mit­glied­staat­en vertreten sind.

Darüber hin­aus gibt es ein Komi­tee zur wirtschaftlichen Koop­er­a­tion (Eco­nom­ic Coop­er­a­tion Com­mit­tee), in dem sich regelmäßig die Finanzmin­is­ter der Mit­glied­staat­en tre­f­fen.

 

 

Geschichte:

Im 18. und 19. Jahrhun­dert war ganz Ara­bi­en von den Osma­n­en beset­zt — ganz Ara­bi­en? Nein, einige kleine Fürsten­tümer im Osten sowie klein­er Oasen im Herzen der Hal­binsel hat­ten sich ihre Unab­hängigkeit bewahrt.

Aber die Geschichte dieser Region ist viel älter. Schon zu Zeit­en der Sumer­er bestand wohl eine See­verbindung, ein Schif­fahrtsweg vom Nor­den bis zur Indus-Kul­tur im heuti­gen Pak­istan. Entsprechende Funde deuten jeden­falls auf einen Aus­tausch über das Meer hin.

Dann allerd­ings stand die wüsten­hafte ara­bis­che Hal­binsel immer im Schat­ten der benach­barten, dicht besiedel­ten Regio­nen. Alexan­der der Große beschränk­te seine Eroberungszüge auf den Osten des Golfes, das per­sis­che Reich. Die Römer gelangten allen­falls als Händler in die Region,  in der sich so ungestört eine eigene, ara­bis­che Kul­tur entwick­eln kon­nte.

Mit der islamis­chen Expan­sion gelangte diese Kul­tur zur höch­sten Blüte. Ara­bis­che Händler nutzten die See­verbindun­gen bis nach Afri­ka und Chi­na (“Sei­den­straße des Meeres”), um ein weit ver­streutes Han­del­snetz aufzubauen und den Islam zu ver­bre­it­en.

Mit der Eroberung Indi­ens durch die Briten wurde dieser See­han­del als Quelle des Wohl­standes empfind­lich gestört. Die ara­bis­chen Händler benötigten eine andere Ein­nah­me­quelle, nach­dem ihnen die indis­chen Häfen versper­rt wur­den. Die britis­che Ostin­di­enkom­panie  führte im Jahr 1797 eine mas­sive Beschw­erde über Pirat­en, die vom Stammesver­bund der Qua­si­mi (Mehrzahl: Qua­sim) von der “Piratenküste” aus auf die britis­che und osman­is­che Schiff­fahrt verübt wor­den waren. Über den Jahreswech­sel 1809 bis 1810 führte eine britis­che Flotte eine Straf­ex­pe­di­tion an die “Piratenküste” durch, beschoss fünf Hafen­städte und ver­nichtete knapp 100 Schiffe, die aber inner­halb weniger Jahren erset­zt wer­den kon­nten.

Im Jahr 1819 fol­gte die zweite britis­che “Straf­ex­pe­di­tion”. Diese Expe­di­tion mün­dete in einen Ver­trag mit den Sche­ichs von Abu Dhabi, Dubai, Ajman, Um al-Quai­wain und Bahrain sowie den Qua­si­mi-Emiren von Shar­ja und Ra al-Khaima. Darin wurde den ara­bis­chen Händlern der Han­del in allen britis­chen Hafen­städten am Golf und am indis­chen Ozean zuge­sagt — im Gegen­zug für den Verzicht auf die Über­fälle auf britis­che Schiffe. Im Jahr 1853 fol­gte eine weit­ere Vere­in­barung, der “Ewige Waf­fen­still­stand”, der allen Staat­en am Golf verpflichtete, gegen­seit­ige feindliche Akte “auf ewig” zu unter­lassen.

Hier­aus entwick­elte sich im 19. Jahrhun­dert eine völ­lige Über­ma­cht der britis­chen Flotte am Golf, durch die die kleinen Stadt­staat­en fak­tisch zu britis­chen Pro­tek­torat­en wur­den. Mit Bahrain (1880) und anderen Emi­rat­en wur­den bilat­erale Abkom­men geschlossen, durch die den Briten fak­tisch die auswär­ti­gen Beziehun­gen der Emi­rate über­tra­gen wur­den. Wenig später wurde den Briten zudem zuge­sagt, dass lediglich die britis­che Regierung ges­tat­tete, Besitz an den Ter­ri­to­rien der Emi­rate zu erwer­ben.

Um sich vor osman­is­chen Expan­sion­s­gelüsten zu sich­ern, trat­en Kuwait (1899) und Katar (1916) diesen “Pro­tek­torats-Abkom­men” bei. Schon 1915 wurde auch ein saud­isch-britis­ches Pro­tek­toratsabkom­men geschlossen, wom­it der britis­che Schutz auf die von Ibn Saud kon­trol­lierten Ter­ri­to­rien im Zen­trum und im Osten der Hal­binsel aus­gedehnt wurde. Ibn Saud trat im Gegen­zug eben­so die Regelung sein­er “auswär­ti­gen Beziehun­gen” an die Briten ab und verpflichtete sich, keine Gebi­ete an eine andere Macht (gemeint war das osman­is­che Reich) abzugeben oder aggre­sive Akte gegen die anderen Golf­s­taat­en vorzunehmen.

Nur wenige Jahre später wur­den die Ölvorkom­men am Golf gefun­den — und damit das britis­che Inter­esse an der Vor­ma­cht­stel­lung im Golf gestärkt.