Arabisches Niltal — Äthiopien

 

Äthiopien Ethiopia

Die wichtig­sten Infor­ma­tio­nen im Überblick:

Regierungs­form (Gov­ern­ment Type): Bun­desre­pub­lik (Fed­er­al Repub­lic)

Karte Äthiopien Ethiopia

Haupt­stadt (Cap­i­tal): Adis Abe­ba (Addis Abe­ba)
Ein­wohn­er (Pop­u­la­tion): 68,613 Mio.
Fläche (qkm) (Area sq.km): 1.133.380
Wehre­tat (Defence Bud­get): 301 Mio. US-$ (2005)
BSP/Einwohner (GNP/Capita): 90US-$

zum Ver­größern anklick­en (jpg-Datei, 260 kB)

Dat­en außer Wehre­tat dem Fis­ch­er Weltal­manach 2005 ent­nom­men

 

Äthiopi­en — eine süd­semi­tis­che Sprache und christliche Reli­gion:
Extern­er Link: Sprachenkarte Äthiopi­ens — (www.ethnologue.com)

Die Sprech­er der äthiosemi­tis­chen Sprachen wan­derten wohl im 1. Jt. v.Ch. — zur Zeit der “Köni­gin von Saba” — aus Ara­bi­en (Jemen) nach Äthiopi­en aus, ver­mis­cht­en sich mit den dort bere­its wohnen­den Kus­chiten, die großen­teils die äthiosemi­tis­che Sprache annah­men. Ge’ez ist als lebende Sprache aus­gestor­ben, aber — ähn­lich dem Latein der katholis­chen Kirche — noch die litur­gis­che Sprache der äthiopis­chen kop­tis­chen Kirche. Amharisch ist die Nation­al­sprache Äthiopi­ens. Die Äthiopi­er kön­nen also als “Vet­tern” der Südaraber aus dem Jemen beze­ich­net wer­den. Dies spiegelt sich auch im Selb­st­be­wusst­sein der Äthiopi­er wieder: Aus einem Besuch der leg­endären Köni­gin von Saba soll um das Jahr 1000 v. Chr. mit König Mene­lik I. der Ahn­herr der äthiopis­chen Dynas­tien  ent­standen sein — und die äthiopis­chen Juden führen ihre Exis­tenz auf die Beziehun­gen zurück, die Salomon mit dem sabäis­chen Kön­i­gre­ich aufge­baut haben soll.

Über das Nil­tal beste­hen enge kul­turelle Beziehun­gen nach Ägypten. Dies zeigt sich vor allem in der Chris­tian­isierung des Lan­des, das sprach­lich zur semi­tis­chen und damit zur ara­bis­chen Sprach­fam­i­lie zählt.

Die äthiopis­che kop­tisch-ortho­doxe Kirche, deren Heimat Ägypten ist, hat dem Islam und damit der Ara­bisierung des Lan­des entsch­iede­nen Wider­stand ent­ge­gen geset­zt. Diese Kirche führt ihre Anfänge auf den Apos­tel Markus zurück Die äthiopis­che Kirche blieb frei von der Hel­lenisierung (die schon durch Paulus ein­geleit­et wurde) und weist daher viele Ele­mente jüdis­chen Glaubens auf. Beson­ders auf­fal­l­end ist auf ihren Altären die Bun­deslade, die nach äthiopis­ch­er Über­liefer­ung in Aksum ver­bor­gen sein soll. Neben der Heili­gung des Son­ntags wird auch der Sab­bat gefeiert. Auch Äthiopi­en wäre (beina­he) unter ara­bis­che Herrschaft gelangt. Im Jahr 1542 warf eine vere­inte por­tugiesisch-äthiopis­che Armee die islamisch-ara­bis­chen Ein­drin­glinge zurück. Nach Glaubensstre­it­igkeit­en zwis­chen kop­tis­chen Kirchen­gelehrten und por­tugiesis­chen Jesuit­en wur­den die Por­tugiesen jedoch im Jahr 1632 aus­gewiesen, und Äthiopi­en wurde poli­tisch isoliert. 

Äthiopi­en ist nach wie vor über­wiegend durch Land­wirtschaft — Acker­bau und Viehwirtschaft — geprägt. Gut 90 % der Wälder des äthiopis­chen Hochlandes sind inzwis­chen abge­holzt und haben trock­e­nen Wei­den Platz gemacht.  

Nach wech­selvoller Geschichte erlangte Äthiopi­en im let­zten Jahrhun­dert die Unab­hängigkeit — nur, um nach weni­gen Jahren große Teile seines Staats­ge­bi­etes zu ver­lieren.

Mit Eritrea — an der neuen Gren­ze flack­ern immer wieder Span­nun­gen auf — hat Äthiopi­en nach 30jährigrem Befreiungskampf 1993 seine eige­nen Küsten­prov­inzen ver­loren, Äthiopi­en ist (wieder) ein Bin­nen­staat und fast nur noch über Dschibu­ti oder den Luftweg zu erre­ichen. Diese Gebi­ete waren bere­its früher von Ital­ien abge­tren­nt und erst 1962 wieder dem äthiopis­chen Staat zugeschla­gen wor­den.

Während die ehe­ma­lige äthiopis­che Flotte in einem frem­den Hafen ros­tend vor sich hin düm­pelt war Äthiopi­en zunächst wieder in die Iso­la­tion ver­fall­en, die diesen Staat im Hochland zwis­chen Nil und Rotem Meer immer wieder geprägt hat.

Im Süden Äthip­i­ens sind große Flächen von soma­lis­chen Stäm­men bewohnt — ein “Befreiungskrieg Soma­lias” (1977/78) endete mit ein­er ver­lus­tre­ichen Nieder­lage der Nach­barn — so dass die soma­lis­chen Häfen für Äthip­i­en ver­schlossen sind. Allerd­ings erre­ichen im Dezem­ber 2006 wieder beun­ruhi­gende Nachricht­en die Welt. Das in Anar­chie ver­fal­l­ende Soma­lia hat­te im Som­mer des Jahres den Auf­schwung ein­er “Union islamis­ch­er Gerichte” erlebt, der es gelang, die von der UNO anerkan­nte Regierung — ein Kon­glom­er­at von Mil­itär­führeren ver­schieden­ster Inter­essen — auf ein eng begren­ztes Gebi­et an der äthiopis­chen Gren­ze zurück zu drän­gen. Nach der ulti­ma­tiv­en Auf­forderung dieser Union, Äthiopi­en solle die Unter­stützung der offiziellen Regierung ein­stellen, kam es in den Wei­h­nachts­feierta­gen zu mas­siv­en Gefecht­en, in denen vor allem äthiopis­che Panz­er und Kampf­flugzeuge beteiligt waren (siehe unser Län­der­bericht zu Soma­lia).  Vor allem die Sorge vor ein­er neuen Tal­iban-Herrschaft in Soma­lia hat Äthiopi­en inzwis­chen zu einem machtvollen Ver­bün­de­ten ver­holfen.

Äthiopen hat sich im “Kampf gegen den Ter­ror” zu einem engen Ver­bün­de­ten der USA erk­lärt. So soll es — wie der SPIEGEL in sein­er Aus­gabe Nr. 172007 meldet — in der Ortschaft Jiji­ga südlich von Dschibu­ti “von amerikanis­chen Sol­dat­en wim­meln”, die “wie selb­stver­ständlich in Uni­form herum­laufen und die äthiopis­che Armee berat­en”. 

Externe Links:
Weit­ere Län­der­berichte:
Län­der­lexikon — (www.spiegel.de)
Horn of Africa a major front in war on ter­ror — (www.kuwaittimes.net

Insti­tut für Strate­gie-, Poli­tik-, Sicher­heits- und Wirtschafts­ber­atung Berlin:
Anmerkun­gen zur poli­tis­chen Lage am Horn von Afri­ka

Bun­deszen­trale für poli­tis­che Bil­dung: Poli­tis­che Entwick­lungslin­ien

Der Welt­spiegel: Aus­lands­berichte der ARD
· Äthiopi­en: Opfer eines fer­nen Krieges (WDR, 11.05.2003)
· Äthiopi­en: Part­ner der Anti-Ter­ror-Allianz (WDR, 27.01.2002)