Kulturen im Detail

II. Islamis­che Kul­turen
1. Hami­to-Semi­tis­che Staat­en (Ara­bis­che Liga, Ostafrikas Küste bis Tansa­nia)

    Ara­bi­en – Felix Ara­bia

    1.0. Nordafrikas ‘Ara­bis­che’ Staat­en

    • Die ara­bis­chen Staat­en Nordafrikas kön­nen in drei Grup­pen aufgeteilt wer­den
      die Staat­en zwis­chen Atlantik und der Mit­telmeerküsten der “Syrte”, die Staat­en des MAGHREB (Mau­re­tanien, Marokko, Alge­rien, Tune­sien und Libyen) also, die erst in geschichtlich­er Zeit “ara­bisiert” wur­den und noch mehr oder weniger starke Tra­di­tio­nen und Stämme mit Hami­tis­ch­er Bevölkerung (Berber, Tuareg) aufweisen.

    • Daneben gibt es die Staat­en am Nil, die durch die jährlichen Über­schwem­mungen des Nils eine — auf der Antike wurzel­nden — Acker­bau­tra­di­tion her­vorge­bracht habe, vor allem Ägypten, aber auch den Sudan.

    • Eine dritte Gruppe bilden die Staat­en am “Horn von Afri­ka” um Soma­lia und Äthiopi­en, mit Eritrea und Dschibu­ti, die bere­its seit früh­ester Zeit über inten­sive Verbindun­gen nach Südara­bi­en — vor allem zu heuti­gen Jemen — ver­fügten.

    1.1. der Maghreb

    1.2. Ägypten und der Sudan — das Nil­tal
    Die Rinder­hirten am Nil, die schon in frühgeschichtlich­er Zeit den Kon­takt zu gle­ichar­ti­gen europäisch-vorderasi­atis­chen Kul­turen (uralte Rem­i­niszen­zen find­en wir in Kre­ta, der Geschichte von Europa und dem Sti­er und den Stierkämpfen der iberischen Hal­binsel) ver­loren haben, sind seit der Antike durch andere Kul­turen (Ägypten, Römis­ches Imperi­um) vom Mit­telmeer getren­nt und damit aus dem “Bekan­ntheit­shor­i­zont” Europas ver­schwun­den.
    Dabei war diese Tren­nung geo­graphisch nie von beson­der­er “Tiefe”. Die Katarak­te des Nils im Süden Ägyptens verdeut­licht­en schon in der Antike die Gren­zen des Herrschafts­ge­bi­etes der Pharao­nen, und auch die Römer haben lediglich das ptolmäisch-altä­gyp­tis­che Herrschafts­ge­bi­et über­nom­men, ohne eine weit­ere Expan­sion nach Süden vorzunehmen.
    Noch bis ins 9. Jahrhun­dert umfasste das Herrschafts­ge­bi­et der Kalifen von Bag­dad in Nordafri­ka lediglich das nördliche Nil­tal — also das klas­sis­che altä­gyp­tis­che Reich, das später ptolmäisch und dann römis­che und dann byzan­ti­nis­che Prov­inz gewor­den war.
    Nach West­en begren­zten die libysche Wüste, nach Süden die (schon aus der Antike bekan­nten, inzwis­chen christlich ori­en­tierten) nubis­chen Völk­er den Herrschafts­bere­ich. Und auch der Herrschafts­bere­ich der Osma­n­en dün­nte in den Weit­en der Wüste und im Süden an den Ufern des Nils immer mehr aus.
    Nur langsam kon­nten Händler, islamis­che Mis­sion­are und — nicht zulet­zt — ara­bisierte Beduinen­stämme das Nil­tal aufwärts nach Süden vor­drin­gen.

    Diese “Expan­sion” ist noch nicht abgeschlossen. Heute ver­läuft die eth­nis­che Gren­ze quer durch den Sudan, in dessen südlich­er Lan­desteil von hami­tisch-nilo­tis­chen Völk­ern der fortschre­i­t­en­den Ara­bisierung ein erbit­tert­er Wider­stand ent­ge­genset­zt wird.

    1.3. Das “Horn von Afri­ka” und die West­küste des Indis­chen Ozeans

    Obwohl Soma­lia- soweit man über­haupt noch von einem Staat sprechen kann — zur Ara­bis­chen LIGA gehört(e) und in Äthiopi­en und Eritrea südara­bis­che Sprachen oder Dialek­te ana­log dem — nur durch eine schmale Meere­sen­ge getren­nten — Jemen und Oman gesprochen wer­den, han­delt es sich beim “Horn von Afri­ka” um die am wenig­sten ara­bisierten Gebi­ete Nordafrikas.
    Dabei ver­fügten die Län­der am Horn von Afri­ka über Jahrtausende über beste Han­dels­beziehun­gen mit der ara­bis­chen Welt, sie waren in eine Han­dels­kette einge­bun­den, die von Ägypten bis zum Horn von Afri­ka und von hier weit­er bis nach Indi­en und ent­lang der afrikanis­chen Küste wohl bis in die Höhe von Mada­gaskar und Zim­bab­we führte.
    Es kann wohl keinen Zweifel geben, dass bere­its in der Antike (Köni­gin von Saba) über die Zeit­en­wende (Funde römis­ch­er Münzen in Südin­di­en) bis in die heutige Zeit hinein ein reger See­han­del ent­lang der Nord- und West­küste des Indis­chen Ozeans betrieben wurde.

    Und auch an der Ostküste Afrikas ist — nach der europäis­chen Kolo­nial­isierung — der Ein­fluss Ara­bi­ens zurückge­drängt wor­den.
    Die ersten konkreten Berichte über die ostafrikanis­che Geschichte tauchen in der Periplus maris Ery­thraei (100 n.Chr.) auf. Dies war ein Reise­führer für die Seefahrt auf dem Indis­chen Ozean zwis­chen Äthiopi­en und der Süd­spitze von Vorderin­di­en.
    Ara­bis­che Siedler ließen sich an der Küste nieder und errichteten Han­delsstädte. Elfen­bein, Gold und Sklaven waren die Haup­taus­fuhrgüter. Bis zum 13.Jahrhundert wur­den eine Rei­he bedeu­ten­der Stadt­staat­en gegrün­det. Zu diesen Zenj-Staat­en gehörten Mogadishu, Malin­di, Lamu, Mom­basa, Kil­wa, Pate und Sofala. Die städtis­che Swahili-Kul­tur entwick­elte sich durch Angle­ichun­gen von ban­tu- und ara­bis­chsprachi­gen Völk­ern. Die herrschen­den Klassen waren von gemis­chter, ara­bisch-afrikanis­ch­er Abstam­mung. Diese Han­delsstädte richteten ihr Leben auf das Meer aus; auf die Bewohn­er im Lan­desin­nern hat­ten sie bis ins 19.Jahrhundert kaum poli­tis­chen Ein­fluss.
    Als die Por­tugiesen ostafrikanis­che Küste erre­icht­en, ver­sucht­en die Por­tugiesen, den Han­del dieses Gebi­ets mit der islamis­chen Welt zu unterbinden. Dabei wur­den eine Rei­he von Stadt­staat­en zer­stört, andere wur­den beset­zt, bevor die gesamte Region schließlich wirtschaftlich ver­fiel. Nach­dem die Por­tugiesen dann 1698 aus Mom­basa ver­trieben wur­den, gelangte die Küste wieder unter die Kon­trolle der ein­heimis­chen Herrsch­er. Im Ver­lauf des 18.Jahrhunderts über­nah­men die Herrsch­er Omans zumin­d­est nach außen hin die Kon­trolle. Zu Beginn des 19.Jahrhunderts trans­ferierte Sul­tan Sayyid Said, Herrsch­er Omans, sein Kap­i­tal nach San­si­bar. San­si­bar diente ihm dann als Stützpunkt, um seine Kon­trolle über die Küste zu stärken und ins Inland vorzu­drin­gen. Dort trieb er mit den Staat­en, deren Herrschafts­ge­bi­et zwis­chen den ostafrikanis­chen Seen lag, Han­del.
    Und auch heute noch fahren Dhaus — die ara­bis­chen Segler des Mit­te­lal­ters — ent­lang der Ostküste Afrikas bis zum Oman, und vom Oman bis nach Indi­en.

      1.4. Die ara­bis­che Hal­binsel und der frucht­bare Halb­mond — von Syrien bis zum Jemen

      Die ara­bis­che Hal­binsel ist das eigentliche Kern­land der ara­bis­chen Stämme. Von hier stießen semi­tis­che Beduinen, wan­dernde Hirten­stämme, in das von Sumer­ern besiedelte Zweistrom­land (Irak) und den “frucht­baren Halb­mond” (Abra­ham — arab. Ibrahim) vor, eine grüne mit Wei­den und Gärten durch­set­zte Land­schaft, die sich wie ein “auf dem Bauch liegen­der Mond” von Israel ent­lang der Mit­telmeerküste bis zu Euphrat und Tigris erstreckt — und die von den Bergket­ten im Süden der Türkei und im West­en des Iran beschränkt wird.
      Diese Bergre­gio­nen boten dem Vor­drin­gen der Semi­ten auch Ein­halt, hier set­zten indoger­man­is­che Völk­er — die Het­hiter der heuti­gen ana­tolis­chen Türkei und die Pers­er des Iran — dem Vordin­gen semi­tisch ara­bis­ch­er Völk­er entsch­iede­nen Wider­stand ent­ge­gen, und auch heute noch ist das Gebi­et östlich Ana­toliens von indoger­man­is­chen Völk­ern, den Kur­den und Arme­niern besiedelt, deren Sprache auf Ver­wandtschaft zu iranis­chen Völk­ern ver­weist.
      Während sich im Zweistrom­land dank der bei­den Flüsse Euphrat und Tigris eigene, hochste­hende Kul­turen entwick­eln kon­nte fand sich das west­liche Ende in einem Span­nungs­feld zwis­chen kul­turell hoch ste­hen­den Staat­en. Das Altä­gyp­tis­che Reich, Assyr­er und Baby­lonier aus dem heuti­gen Irak (baby­lonis­che Gefan­gen­schaft) aber auch die Het­hiter aus Ana­tolien sandten begehrliche ihre Heere aus und ver­sucht­en, das Gebi­et östlich des Mit­telmeeres der eige­nen Herrschaft einzu­ver­leiben (Baby­lonis­che Gefan­gen­schaft).
      An den Küsten des Libanon bilde­ten sich kleine, teil­weise durch Insel­lage geschützte Stadt­staat­en, die sich bald (dank der holzre­ichen Wälder im Lan­desin­neren — Libanonzed­er -) zu seefahren­den Han­del­sim­pe­rien entwick­el­ten, die Stadt­staat­en der Phönizier. Ihnen gelang mit der Kolonie Kartha­go, die bald das west­liche Mit­telmeer und die Län­dereien zwis­chen Tune­sien und Marokko beherrschen sollte, der erste Vorstoß semi­tis­ch­er Stämme in das von Hamiten — Berbern — besiedel­ten nördliche Afri­ka.
      Das Gebi­et um das heutige Israel war dage­gen den Feldzü­gen der benach­barten Staat­en aus­geliefert. Ägypter (Pharao Thut­mo­sis III), Het­hiter (die das Reich der Mitan­ni im heuti­gen Syrien erobert hat­ten) und Baby­lonier strit­ten um die Vorherrschaft.
      Erst in der ersten bekan­nten Schlacht der Geschichte, der Schlacht von Meg­gi­do (dem bib­lis­chen Armaged­don) im heuti­gen Israel wur­den die Kräftev­er­hält­nisse zwis­chen Het­hitern und Ägyptern (Thut­mo­sis III) gek­lärt — der nach­fol­gende Friedensver­trag (inzwis­chen wieder aufge­fun­den und im Dien­st­ge­bäude der UNO in New York ange­bracht) wurde nie gebrochen.

      In der Gegend des “frucht­baren Halb­monds”, der im Wesentlichen von den Staats­ge­bi­eten von Palästi­na, Israel, Libanon, Syrien und dem Irak ein­genom­men wird, prall­ten Acker­bau- und Hirtenkul­tur aufeinan­der, was in der alt­bib­lis­chen Geschichte von Kain und Abel verdeut­licht wird. Abra­ham, der mit seinen Her­den vom Zweistrom­land bis nach dem heuti­gen Israel wan­derte, gilt als Stam­m­vater der Juden und Araber — und als Begrün­der ein­er mono­li­tis­chen Reli­gion, die in den weit­en, ein­samen Wüsten und Step­pen Ara­bi­ens mit ihren stern­klaren Nächt­en ent­standen sein muss. Die Hebräer — die eine wie die Aramäer eine nord­west­semi­tis­che Sprache sprechen — und die Araber, die sich eines süd­semi­tis­chen Idioms bedi­enen, führen ihren Ursprung auf Abra­ham zurück.
      Hier fand ein reger Kul­tur­aus­tausch zwis­chen Ägyptern, Het­hitern und dem Zweistrom­land statt. Hier war römis­che Zivil­i­sa­tion zu Hause — und hier haben sich die ersten islamis­chen Herrsch­er, die Kalifen von Damaskus und Bag­dad — in Kon­takt mit “Ostrom”, Byzanz mit der klas­sis­chen Philoso­phie und Wis­senschaft der Antike und den tech­nis­chen Errun­gen­schaften der römis­chen Zivil­i­sa­tion ver­traut gemacht.

      Schon früh fan­den sich Seefahrer, die — ent­lang der Küsten des ara­bisch-per­sis­chen Golfes — das Zweistrom­land über Han­delsstützpunk­te in Bahrain und den Emi­rat­en bis nach Oman und über den indis­chen Ozean bis nach Indi­en ver­ban­den.
      Mit Weihrauch und Kupfer ver­fügte das heutige Oman über heiss begehrte Han­del­swaren, die per Schiff ent­lang des indis­chen Ozeans uns sein­er Neben­meere und auch mit Kamelka­rawa­nen bis an die Mit­telmeerküste trans­portiert wur­den.
      Der heutige Oman kann über Jahrhun­derte als Drehscheibe des Han­dels beze­ich­net wer­den. Hier stießen die Han­del­srouten ent­lang des per­sis­chen Golfes, ent­lang der Süd­küste Ara­bi­ens und weit­er nach Indi­en aufeinan­der. Begün­stigt durch den Mon­sun gelang es ein Han­del­snetz aufzubauen, das bis nach Ostasien und Mada­gaskar die gesamten Küsten des indis­chen Ozeans — mit Aus­nahme Aus­traliens — umfasste, und das erst mit dem Ein­drin­gen europäis­ch­er Kolo­nialmächte und deren über­legen­er Tech­nik — Kanonen, let­z­tendlich der Dampf­schiff­fahrt — zusam­men brach. San­si­bar — die kleine Insel vor der Küste Tansa­nias — war über Jahrhun­derte hin Bestandteil des oman­is­chen Reich­es.

      Eine andere Kul­tur find­en sich in Südara­bi­en. Im Jemen — an der südlichen Ein­fahrt zum Roten Meer — gelang es südara­bis­chen Stäm­men (das südara­bisch ist eine eigen­ständi­ge Sprach­gruppe inner­halb der semi­tis­chen Sprach­fam­i­lie) eine hochste­hende Bewässerungskul­tur zu erricht­en, deren Reich­tum bis nach Israel und dem alten Ägypten berühmt war (Köni­gin von Saba).
      Schon früh set­zten diese südara­bis­chen Stämme auf das gegenüber­liegende, afrikanis­che Ufer des Roten Meeres über — ein Kon­takt, der über Jahrtausende aufrecht erhal­ten wurde. Äthiopi­en führt seine Urgeschichte auf die leg­endäre Köni­gin von Saba zurück — und äthiopisch ist eben­falls — wie Hebräisch und Ara­bisch — ein Zweig der semi­tis­chen Sprach­fam­i­lie, genauer — es gehört wie ara­bisch der süd­semi­tis­chen Sprach­gruppe an.
      Allerd­ings blieb das “Horn von Afri­ka” immer auch seinen hami­tis­chen Wurzeln ver­bun­den. Auch in Eritrea — dem jüng­sten Staat der Region — find­et sich ein Kon­glom­er­at von semi­tis­chen und has­chemi­tis­chen Bevölkerung­steilen, so dass Ara­bisch — neben Tigrinya, das mit dem alten äthiopisch nahe ver­wandt ist — zur Verkehrssprache des Lan­des wurde.

      1.5. Ara­bis­che Hal­binsel

      • Golfko­op­er­a­tionsrat

        Die ara­bis­chen Fürsten­tümer am Golf — ins­beson­dere Dubai, Katar und Oman stellen mit lux­u­riösen Hotel- und Touris­tik-Pro­jek­ten immer neue Reko­rde auf. Strate­gisch gün­stig an den Fluglin­ien zwis­chen Europa, Indi­en, Südostasien und Aus­tralien gele­gen, bieten sich die Län­der als “Zwis­chen­stop” oder auch als Ferien­ziele an.
        Das meinen zumin­d­est die ara­bis­chen Herrsch­er — und weil Geld derzeit keine Rolle zu spie­len scheint, tun sich vor allem die Regen­ten der kleinen ara­bis­chen Emi­rate im Wet­t­lauf um ein gesichertes Einkom­men “nach dem Erdölzeital­ter” darin her­vor, sich in einem gigan­toman­is­chen Wet­t­lauf um die größten und lux­u­riös­es­ten Edel-Unterkün­fte am Golf zu über­bi­eten.

    2. Turk­staat­en (Türkei, Aser­baid­schan, Zen­tralasi­atis­che Türk­staat­en, Hsinkiang)

    3. Iranis­che Staat­en (Iran, Afghanistan, Pak­istan ca. bis zum Sied­lungs­ge­bi­et der Paschtunen und Tad­schik­istan)