Vietnam


Vietnam

Nach lan­gen Kriegen hat sich Viet­nam zu ein­er der offen­sten Wirtschaften der Welt gemausert. Es glänzt mit Wach­s­tum­srat­en, die an Chi­na und Indi­en erin­nern. Doch Män­gel in der Infra­struk­tur brem­sen.”

(Aus der FTD vom 22.01.2008)

Steigende Kosten, Prob­leme mit Pla­giat­en und zunehmender Pro­tek­tion­is­mus lässt manch­es aus­ländis­che Unternehmen über einen Umzug von Chi­na nach Viet­nam nach­denken.”

(Wirtschaftswoche vom

Chi­na war gestern, Asiens neue Boom­re­gion heißt Viet­nam. Hier wächst die Wirtschaft schneller als in den meis­ten anderen Staat­en, Bil­liglöhne lock­en Inve­storen aus aller Welt. Auch die deutsche Fir­ma Bosch engagiert sich in dem kom­mu­nis­tis­chen Land — Indi­en wird ihr zu teuer.”

(SPIEGEL vom 15.08.2010)


 

Wieder­auf­bau — Prob­leme und Erfolge
Noch heute fehlt eine aus­ge­wo­ge­nen, mod­erne Infra­struk­tur. Die bei­den vor Vital­ität strotzen­den „Bal­lungszen­tren“ — das Mekong-Mün­dungs­delta um Ho Chi Minh Stadt mit etwa 18 Mil­lio­nen Ein­wohn­ern und das poli­tis­che Zen­trum Hanoi sind über eine einzige Straße — die „Nation­al­straße Num­mer Eins“ — und eine aus der Kolo­nialzeit stam­mende Bahn­lin­ie miteinan­der ver­bun­den. 
Für ein Land, das sowohl von der Fläche wie auch der Bevölkerungszahl her mit Deutsch­land ver­gle­ich­bar ist (und im Zuge sein­er Wiedervere­ini­gung vielfach auch ähn­liche Prob­leme bewälti­gen muss) ist das eine denkbar schlechte Aus­gangslage. 70 % der über 80 Mio. Viet­name­sen sind zudem unter 35 Jahre alt, bis 2015 wer­den rund 100 Mil­lio­nen Ein­wohn­er ernährt und mit Arbeit ver­sorgt wer­den müssen. Ein guter Teil der Jugend sucht sein Fortkom­men in den bei­den Bal­lungszen­tren des Lan­des.
Viet­nams KP erkan­nte, dass sich das Land nur entwick­eln lässt, wenn auch Aus­län­der dabei „Geld machen“ kön­nen. Daher wurde seit 1986 (Beginn der „Doi-Moi-Poli­tik“ der wirtschaftlichen Reform und Erneuerung, schon 1988 Gesetz über aus­ländis­che Investi­tio­nen) zunehmend eine Öff­nung vol­l­zo­gen, die 1995 mit der Auf­nahme Viet­nams als Vollmit­glied in das ASEAN-Bünd­nis einen Höhep­unkt erre­ichte. Seit Novem­ber 2006 gehört Viet­nam als 150. Mit­glied der Welthandel­sor­gan­i­sa­tion (WTO) an. 

Ein weit­er­er Motor für Viet­nams Entwick­lung ist die Umstruk­turierung in Chi­nas Küsten­prov­inzen. Chi­na möchte dort zunehmend “High tech” pro­duzieren. Die Tex­til- und Led­erindus­trie soll — so das Kalkül der chi­ne­sis­chen Regierung — in die Bin­nen­prov­inzen Chi­nas ziehen, in das Hin­ter­land, und dort erneut den Auf­bau der Wirtschaft voran brin­gen. Die Arbeit­skräfte in den Küsten­prov­inzen wer­den rar und damit auch selb­st­be­wusster und kon­flik­t­fähiger. Erste Streiks — aber auch Selb­st­morde unter den Arbeit­ern — haben vor allem die aus­ländis­chen Fir­men zu teil­weise deut­lichen Lohn­er­höhun­gen gezwun­gen. Chi­nas Küsten­prov­inzen sind nicht mehr das “Bil­liglohnge­bi­et” der Welt. Die Unternehmen der “ersten Gen­er­a­tion” ziehen ab — auch nach Viet­nam. Puma koor­diniert die Aktiv­itäten sein­er rund 40 Liefer­an­ten in Viet­nam  von Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon) aus und hat dort ein eigenes Entwick­lungszen­trum eröffnet. Mehr als 30 Prozent sein­er Sports­chuhe bezog Adi­das im Jahr 2009 aus Viet­nam. 2006 lag der Anteil noch bei 25 Prozent.

Südostasien hat sei­ther ein „neues Wirtschaftswun­der“. Das Land ist für aus­ländis­che Inve­storen geöffnet, und um das ehe­ma­lige Saigon sowie die Haup­stadt Hanoi entwick­elt sich eine boomende Wirtschaft­sre­gion, die den Ver­gle­ich mit der Entwick­lung in den Son­der­wirtschaft­szo­nen Chi­nas nicht zu scheuen braucht. Ho Chi Minh Stadt und die umliegen­den Prov­inzen erwirtschaften etwa ein Drit­tel des Brut­tosozial­pro­duk­ts. Viet­nam prof­i­tiert darüber hin­aus von der Geschäft­stüchtigkeit und Zuver­läs­sigkeit sein­er Bewohn­er — und den im weltweit­en Ver­gle­ich niedri­gen Löh­nen.

Viet­nam gilt als Muster­schüler der Region. Es ist inzwis­chen der zweit­größte Reis- und Kaf­fee­ex­por­teur der Welt, die Städte — nicht nur des Südens son­dern auch des Nor­dens — sind wie zu Zeit­en des US-Engage­ments mit Moped-Armeen ver­stopft.
Viet­nam ist 2002 mit 7 % Wirtschaftswach­s­tum gegenüber dem Vor­jahr nach Chi­na auf einem Spitzen­platz der Entwick­lung in Asien. Zum Ver­gle­ich: das Wirtschaftswach­s­tum der anderen ASEAN-Staat­en war im Schnitt zwis­chen 5 und 6 % anzuset­zen.
Die Exporte Viet­nams stiegen von 1995 (5,2 Mrd. US-Dol­lar) bis 2002 auf über 16.4 Mrd. US-Dol­lar und hat 2006 bere­its di 40 Mrd. $-Gren­ze erre­icht. Das Brut­tosozial­pro­dukt wuchs im gle­ichen Zeitraum von 280 US-Dol­lar auf 440 US-Dol­lar (2002) pro Kopf der Bevölkerung, was bei 78,5 Mio. Ein­wohn­ern einem BSP von ins­ge­samt rd. 33 Mio. US-Dol­lar entspricht — und hat 2005 eine Größenord­nung von 724,- $ pro Kopf erre­icht. Der Dol­lar ist auch die heim­liche Zweitwährung des Lan­des geblieben. Viet­nams größter europäis­ch­er Han­delspart­ner ist Deutsch­land. Im Wesentlichen exportiert wer­den Pfef­fer, Kaf­fee, und Tex­tilien.

Noch 1991 lebten 51 Prozent der dama­li­gen 80 Mil­lio­nen-Bevölkerung von einem Einkom­men von weniger als 1 US-Dol­lar täglich, im Jahr 2003 lebten fast 15 Prozent der Bevölkerung in Armut, 2006 ist diese Marge auf 8 % der Beölkerung gesunken. Die Mehrheit der Stadt­bevölkerung Saigons, der Wirtschaf­s­metro­pole des Lands, lebte auch im Jahre 2005 noch von durch­schnit­tlich 50 Dol­lar im Monat.

Bis zum Jahr 2011 ist das BIP pro Kopf allerd­ings schon auf 1.000,- $ angestiegen — eine Ver­dop­pelung, die inner­halb weniger Jahre erre­icht wurde. Damit hat Viet­nam zu den asi­atis­chen Tiger­staat­en aufge­holt — es fol­gt seinem großen Nach­barn Chi­na mit weni­gen Jahren Abstand. Dabei hat Viet­nam den Vorteil der “Klein­heit”. Der Staat mit der Größe der Bun­desre­pub­lik kann den Stand der chi­ne­sis­chen Küsten­prov­inzen erre­ichen, ohne mit dem Bal­last eines riesi­gen, ver­armten Hin­ter­lan­des belastet zu sein.

Viet­nam braucht Investi­tio­nen, um jährlich 750.000 Jugendlichen eine beru­fliche und wirtschaftliche Zukun­ft bieten zu kön­nen. Und die Inve­storen ste­hen “Schlange”. Alleine 2004 und 2005 wur­den fast 50.000 neue Pri­vat­fir­men gegrün­det. Vor allem die Flüchtlinge aus den Kriegszeit­en und die späteren Elends­flüchtlinge (Boat­peo­ple) engagieren sich heute als Inve­storen. Sie alleine haben von 2002 bi2 2005 rund 12 Mrd. $ in Viet­nam investiert. Aber auch die Weltkonz­erne haben den her­anwach­senden _Tiger ent­deckt. Der Chipher­steller Intel hat 2006 Gesamt­in­vesti­tio­nen von 1 Mrd. $ angekündigt.

Rohstoffe sind ein Teil des neuen Auf­schwungs. In der Prov­inz Ha Tinh wartet ein Lager von etwa eine Mil­liarde Ton­nen Eisen­erz darauf, abge­baut zu wer­den. Der tai­wanis­che Konz­ern For­mosa-Steel erschließt das Gebi­et bere­its.

Die Kraft­fahrzeug­in­dus­trie hat enorme Umsatzsteigerun­gen, Auto­mo­bilschauen auch unter Beteili­gung US-amerikanis­ch­er Fir­men (Ford Viet­nam, Daim­ler-Chrysler) sind selb­st im Nor­den keine Sel­tenheit mehr. Im Jahre 2005 wur­den täglich 450 neue Mope­ds und 100 neue Autos in Saigon zuge­lassen — die zusät­zliche Verkehrs­be­las­tung, so errech­net die FAZ (10.11.2005) würde täglich genau 1.723 Quadrat­meter neuer Straßen erfordern. Der Verkehrsin­farkt sei nur noch eine Frage der Zeit. Über 15 Mio. Mope­ds und Motor­roller ver­stopfen im Jahr 2006 — 20 Jahre nach Beginn der Öff­nungspoli­tik — die Straßen der Städte. Dazu kom­men bere­its 500.000 pri­vate PKWs, bere­its, denn namhafte Auto­her­steller wie Mer­cedes pro­duzieren inzwis­chen im Land, und die KFZ-Händler nehmen bei ein­er ständig wohlhaben­der wer­den­den Mit­tel- und Ober­schicht enorm zu. Einkauf­szen­tren für die bre­ite Bevölkerung und Luxusvillen für die “oberen Zehn­tausen” schießen gle­icher­maßen aus dem Boden. 

Auch Touris­ten wer­den inzwis­chen nach Viet­nam ein­ge­laden — das Inter­net ist voll von Bericht­en und Reiseange­boten zu den schön­sten Küsten und Inseln des seit 1995 geöffneten Lan­des. Die Hotels, die in Saigon zum Teil seit der franzö­sis­chen Kolo­nialzeit an der “Straße der Volk­ser­he­bung” (Dong Khoi, in US-Zeit­en “To Do” und davor unter franzö­sis­ch­er Kolo­nial­herrschaft “Rue Cati­nat” genan­nt) ste­hen, sind frisch ren­oviert. Über 3,5 Mio. Touris­ten sollen 2006 das Land besucht haben — Kul­tur­touris­ten, die Hue und Hoi An (Weltkul­turerbe) besuchen, Stran­durlauber bei Nha Trang oder Da Nang oder auch Erleb­nis- (und Erin­ngerungs-) Touris­ten, die sich mit schaud­ern in die Tun­nelan­la­gen des Viet­cong zwän­gen. Großin­ve­storen wollen an der Küste für 4 Mrd. $ ein  touris­tis­ches Vergnü­gungszen­trum  mit einem 1200 Zim­mer Luxu­shotel und Spiel­casi­no erricht­en — “zock­en” ist nicht nur eine Lei­den­schaft der Chi­ne­sen. Die inter­na­tionalen Hotel-Ket­ten bauen in Saigon und Hanoi, nicht nur für Touris­ten, son­dern auch für inter­na­tion­al tätige Geschäft­sleute.

Aber auch die vie­len “Ich-AGs” in Viet­nam prof­i­tieren von der Öff­nung. An den Stän­den der Buch­händler an der Oper und der Kathe­drale wer­den Raubkopi­en der west­lichen Viet­nam-Pub­lizis­tik und Reise­führer für Asiens Län­der ange­boten. Von den Reise­führern (5 $) über in Massen nachgemachte “Kriegs­de­vo­tion­alien” wie Ben­z­in­feuerzeuge, Schlüs­se­lan­hänger aus Patro­nen­hülsen und US-Erken­nungs­marken bis hin zu den Arm­ban­duhren in den exk­lu­siv­en Bou­tiqen an der Dong Khoi (selb­stver­ständlich mit­samt gefälschtem Echtheit­sz­er­ti­fikat) — das Ange­bot lässt auf die vielfältige Nach­frage durch eine steigende Zahl von Touris­ten schließen. Eines der Höhep­unk­te der Touris­ten ist ein Besuch von Cu Chi, eine Autostunde nordöstlich der “Boom-Town” gele­gen. Sol­dat­en aus dem Nor­den hat­ten dort gemein­sam mit Ein­heimis­chen ein bis zu 20 Meter tief führen­des, mehrstöck­iges Labyrinth von Tun­nelan­la­gen mit getarn­ten und ver­steck­ten Eingän­gen gegraben, aus dem die Angriffe auf Saigon erfol­gten. Den Amerikan­ern gelang es — trotz mas­siv­er Bom­bardierun­gen — nie, diese Anla­gen zu zer­stören. Die Region ver­mark­tet die Ereignisse des vor 20 Jahren been­de­ten Viet­namkrieges, von der mehr als 1/3 der Bevölkerung nur noch aus Erzäh­lun­gen Ken­nt­nis hat.

Die KP Viet­nams — die an ihrem Macht­monopol eben­so wenig rüt­teln lässt wie die KP Chi­nas — erlaubt die freie wirtschaftliche Betä­ti­gung, freilich ohne eine Aus­beu­tung zuzu­lassen, wie sie in der Frühzeit der Indus­tri­al­isierung viel­er Staat­en aufge­treten ist (Kap­i­tal­is­mus). Die über 80 Mil­lio­nen Viet­name­sen scheinen sich vielmehr alle selb­st als Unternehmer zu ver­ste­hen. 70 % der Viet­name­sen sind jünger als 35 Jahre, und heiß darauf, sich aus dem Elend der Nachkriegs­jahre her­auszuar­beit­en. Unab­hängige Gew­erkschaften — zur Jahreswende 2005/2006 demon­stri­erten mehrere Belegschaften der neu pri­vatisierten Betriebe gegen die damit ein­herge­hen­den Arbeits­be­din­gun­gen — sind allerd­ings langsam im Entste­hen.

In Viet­nam spiegelt sich damit eine ostasi­atis­che Tra­di­tion wieder, die auf chi­ne­sis­chen Wurzeln fußt.
Ver­lässlichkeit und Zuver­läs­sigkeit sind ele­mentare Grund­la­gen ein­er wirtschaftlichen Pros­per­ität. Im West­en ist — his­torisch gese­hen erst seit kurz­er Zeit — die Demokratie die Grund­lage für diese Eigen­schaften. In Chi­na und Viet­nam sieht man dage­gen die Per­son­al­ität — also Kon­ti­nu­ität in der Per­son der Führungskräfte — als Grund­lage für eine ver­lässliche Geset­zge­bung. Dementsprechend wird das Macht­monopol der Partei und der geord­neten Nach­fol­geregelung inner­halb der Partei eine große Bedeu­tung auch für die wirtschaftliche Pros­per­ität zugeschrieben. Die kul­turellen, his­torischen und poli­tis­chen Werte Asiens sind anders als die des West­ens.
Auch west­liche Inve­storen sehen die Vorteile dieses Sys­tems dur­chaus. Während die Philip­pinen und Indone­sien unter läh­menden Ter­ro­ran­schlä­gen lei­den wird Viet­nam als sich­er­stes Land Asiens beze­ich­net — was aus­ländis­che Investi­tio­nen in Höhe von knapp 5 Mil­liar­den US-Doller in den ersten Jahren dieses Jahrhun­derts erk­lärt. Für Inve­storen wird Viet­nam immer inter­es­san­ter — vor allem auch als “Gegen­pol” zu Chi­na, dessen bürokratis­ch­er Staat­sap­pa­rat bisweilen abschreck­end wirkt. Die Aus­landsin­vesti­tio­nen stiegen  von 4,2 Mrd. $ im Jahr 2004 über 10,2 Mrd. $ im Jahre 2006 und für das Jahr 2007 wurde die 12 Mrd. Gren­ze angepeilt. Tat­säch­lich wur­den in den ersten elf Monat­en 2007 bere­its 15 Mrd. $ aus dem Aus­land wur­den investiert. West­liche Unternehmen, die sich Prod­ku­tion­s­stan­dorte in Viet­nam gesichert haben, sind durch­wegs zufrieden — auch mit den Export­möglichkeit­en. Die Aus­fuhren machen 67 Prozent des Brut­toin­land­spro­duk­ts (BIP — Stand 2007) aus. Zugle­ich haben die Devisen­re­ser­ven von Viet­nam im Dezem­ber 2006 bere­its den Stand zwölf Mil­liar­den Dol­lar erre­icht, gegenüber 8,6 Mil­liar­den Ende 2005.

Dabei gibt es dur­chaus auch Wider­stände: der Plan­wirtschaft ver­haftete Kad­er aus den unteren und mit­tleren Ver­wal­tungsebe­nen, und Gen­er­al Vo Nguyen Giap, den 95jährigen unan­tast­baren Nation­al­helden des Befreiungskrieges gegen die Fran­zosen und Amerikan­er, der in sein­er Vil­la resi­diert und sich regelmäßig grol­lend zu Wort meldet und etwa Vet­tern­wirtschaft, Selb­st­bere­ichung und den Ausverkauf der Boden­schätze an Aus­län­der anprangert. Eine grassierende Kor­rup­tion und Vet­tern­wirtschaft führen dazu, dass rund 10 % des Brut­tosozial­pro­duk­ts in dun­klen Kanälen lan­den. Erst in neueren Zeit­en gibt es in den Medi­en Angriffe gegen einzelne kor­rupte Appa­ratschiks, die offen­bar von der ober­sten Staats­führung nicht mehr gedeckt wer­den. So wurde sog­ar der Vize­trans­port­min­is­ter wegen Kor­rup­tion ver­haftet.

Mit Staat­spräsi­dent Nguyen Minh Tret und Pre­mier­min­siter Nguyen Tan Dung — bei­de aus dem lib­eralen Süden — ver­fügt das Land seit 2006 über die erste Gen­er­a­tion von “Nachkriegspoli­tik­ern”, die sich nicht auf den Kampf gegen den “Anti­im­pe­ri­al­is­mus” als Legit­i­ma­tion für poli­tis­ches Wirken berufen kön­nen. 

Bei einem Wach­s­tum von 7 % ist das BIP im Jahr 2006 auf knapp 61 Mrd. $ angestiegen. In den Jahren 2007 und 2008 kann das Jahreswach­s­tum des Brut­toin­land­spro­duk­tes in Viet­nam nach Prog­nose der Welt­bank jew­eils sog­ar acht Prozent erre­ichen (Quelle: www.rian.ru). Und Viet­nam hat ehrgeizige Ziele: bis 2010 möchte es zu den Schwellen­län­dern gehören und sich schon zehn weit­ere Jahre später als Indus­tri­es­taat im Konz­ert der ASEAN-Staat­en präsen­tieren.

Viet­nams Chan­cen, dieses Ziel zu erre­ichen, ste­hen nicht schlecht: neben der engagierten Bevölkerung, die sich mit zunehmender Freude der Mark­twirtschaft wid­met, find­en die Prospek­toren der Ölin­dus­trie vor den viet­name­sis­chen Küsten im süd­chi­ne­sis­chen Meer immer mehr wertvolle Lager­stät­ten. Vor dem südlichen Viet­nam im soge­nan­nten Cuu-Long-Beck­en sollen knapp 740 Mio. Bar­rel auf die Förderung warten — und im Song-Hong-Beck­en zwis­chen Nord­viet­nam und der chi­ne­sis­chen Insel Hainan liegen ange­blich fünf Mil­liar­den Bar­rel Öl.

Allerd­ings — Chi­na und Viet­nam, das sind seit Jahrzehn­ten zwei erbit­terte Stre­i­thähne wenn es um die Hoheit­srechte im süd­chi­ne­sis­chen Meer geht.

 

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Extern­er Link:
FTD-Dossier: Viet­nam — Land der gebore­nen Unternehmer