Vietnam

Vietnam

Die wichtig­sten Infor­ma­tio­nen im Überblick:

Regierungs­form (Gov­ern­ment Type): Sozial­is­tis­che Repub­lik (Repub­lic)

Karte Vietnam

Haupt­stadt (Cap­i­tal) Ha Noi (Hanoi)
Ein­wohn­er (Pop­u­la­tion):

81,314 Mio.

(84 Mio. 2007)

(87 Mio. 2011)

Fläche (qkm) (Area sq.km): 331.114
Wehre­tat (Defence Bud­get): 1 Mrd. US-$ (2001)
BSP/Einwohner (GNP/Capita): 480 US-$ (2002)

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Dat­en außer Wehre­tat dem Fis­ch­er Weltal­manach 2005 ent­nom­men

BIP 2006: 60,9 Mrd. $ bei einem Wach­s­tum von 7 %
davon 21 % Land­wirtschaft,  41 % ver­ar­bei­t­en­des Gewerbe, 38 % Dien­stleis­tun­gen

BIP/pro Kopf: 440,- $ (2002), 489,- $ (2003), 555,- $ (2004), 637,- $ (2005), 724,- $ (2006), 1.000,- $ (2011)

Direk­t­in­vesti­tio­nen 2006: 10,2 Mrd. $ (Quelle: Südd.Zeitung 02.04.2007) 

Viet­nam
Krieg und Frieden — ein_Tiger im Sprung

Geschichtliche Ursprünge
Viet­name­sisch gehört wie die Sprache der Laoten und Thai zur sino-tibetanis­chen Sprach­fam­i­lie mit Wurzeln im Süden des heuti­gen Chi­na.
Das Volk der Viet lässt sich unmit­tel­bar auf vorgeschichtliche, bronzezeitliche Kul­turen in Süd­chi­na zurück­führen.
Bere­its im 3. Jahrhun­dert vor Chris­tus wurde im Delta des Roten Flusses (Tonkin) ein Reich „Viet nam“ (= südliche Viet) gegrün­det. 
In sein­er ganzen his­torischen Entwick­lung war die Geschichte des Volkes ein­er­seits von Abwehrkämpfen gegen das über­mächtige Chi­na geprägt, dem Viet­nam als Vasal­len­staat immer wieder unter­ge­ord­net war, und ander­er­seits vom erfol­gre­ichen Ver­such bes­timmt, das eigene Sied­lungs­ge­bi­et am Meer ent­lang nach Süden auszudehnen.
Heute besiedelt das Volk der Viet einen schmalen Land­streifen zwis­chen den Gren­zge­bir­gen im West­en und dem süd­chi­ne­sis­chen Meer im Osten. In der Mitte ist das Land auf eine schmal, ca. 60 km messende „Taille“ verengt, während im Nor­den und im Süden eine Ver­bre­iterung auf jew­eils mehrere Hun­dert Kilo­me­ter beste­ht.
Die Stadt Hanoi im Nor­den und Ho Chi Minh Stadt (ehe­mals Saigon) im Süden bilden für diese Regio­nen jew­eils eigene Kumu­la­tion­szen­tren für Bevölkerung und Indus­trie, während mit Da-Nang etwa in der Mitte des Lan­des am 16. Bre­it­en­grad die eini­gende „Zen­tral­macht“ eine sym­bol­trächtige Kaiser­stadt in der Land­schaft Annam schuf. Diese geo­graphis­che Lage hat in der Ver­gan­gen­heit immer wieder zu Tren­nun­gen der bei­den Lan­desteile geführt, 

Kolonie und Unab­hängigkeit­skämpfe
Die Kolonisierung Viet­nams durch Frankre­ich in der Mitte des 19. Jahrhun­derts nutzte ein­er­seits die Schwäche ver­schieden­er, rival­isieren­der Staat­en Viet­nams und ander­er­seits die Schwäche der his­torischen Hege­mo­nial­macht Chi­na aus.

Im zweit­en Weltkrieg wurde Viet­nam von japanis­chen Trup­pen beset­zt, die franzö­sis­che Kolo­nialver­wal­tung wurde nach anfänglich­er Koop­er­a­tion schrit­tweise ent­machtet.
In diese Zeit fällt die Bil­dung der kom­mu­nis­tis­chen Partei Viet­nams — bere­its kurz nach der Grün­dung in kom­mu­nis­tis­che Partei Indochi­nas umbe­nan­nt — die im Wesentlichen auch als Unab­hängigkeits­be­we­gung Viet­nams ver­standen wer­den kann.
Obwohl Frankre­ich im März 1948 die Unab­hängigkeit Viet­nams anerkan­nte, erfol­gte im Dezem­ber 1946 ein Angriff franzö­sis­ch­er Trup­pen auf Hanoi. Die Folge war ein mehrjähriger Unab­hängigkeit­skrieg, der erst im Som­mer 1954 in Folge der ver­heeren­den Nieder­lage der franzö­sis­chen Trup­pen in Dien Bien Puh been­det wurde. 

Die prak­tis­che Folge war die Teilung Viet­nams in zwei Staat­en, der Ver­such Nord­viet­nams, durch eine Befreiungs­be­we­gung (Viet Cong) diese Teilung zu über­winden und daraufhin im Som­mer 1964 das mas­sive Ein­greifen der USA zugun­sten der süd­viet­name­sis­chen Regierung. 
Aus west­lich­er Sicht — ins­beson­dere der Auf­fas­sung der USA — stand der Bürg­erkrieg in Viet­nam im Kon­text zum „Kalten Krieg“ — eine Machtüber­nahme kom­mu­nis­tis­ch­er Ein­heit­en soll­ten mit aller Gewalt ver­hin­dert wer­den (Domi­no-The­o­rie). Tat­säch­lich kon­nte Nord­viet­nams kom­mu­nis­tis­che Partei sowohl auf die Unter­stützung der Sow­je­tu­nion wie auch die des kom­mu­nis­tis­chen Chi­na zurück­greifen.

Die „viet­name­sis­che Befreiungs­front“ sah dage­gen in diesem Krieg eine Weit­er­führung des Kolo­nialkrieges, in der eine süd­viet­name­sis­che „Mar­i­onet­ten­regierung“ unter Führung ein­er anderen — neuen Kolo­nial­macht weit­er­hin die Ein­heit und Unab­hängigkeit des geteil­ten Lan­des ver­hin­derte.

Im Ver­lauf dieses Krieges wur­den durch die USA mehr Bomben gewor­fen als im II. Weltkrieg in Deutsch­land; mit Napalm und chemis­chen Kampfmit­teln (44 Mil­lio­nen Liter „Agent Orange“ mit giftig­sten Diox­i­nen) wurde auch die Zivil­bevölkerung erhe­blich belastet.
Der Viet­nam-Krieg führte zu ein­er tiefen Spal­tung nicht nur der US-Gesellschaft. Auch in vie­len west­lichen Staat­en — wie im dama­li­gen West-Deutsch­land — waren die sechziger Jahre geprägt von Protesten, die sich mit dem Ruf „Ho — Ho — Ho-tschi-minh“ gegen den Viet­namkrieg richteten. Die Kosten des Krieges und der notwendi­gen Hil­f­s­liefer­un­gen nach Viet­nam belasteten auch den US-Staat­shaushalt erhe­blich — die USA entschlossen sich, das eigene Engage­ment nicht mehr fortzuset­zen. Vielmehr soll­ten nach Unterze­ich­nung des Paris­er Abkom­mens über die Beendi­gung des Krieges die innerviet­name­sis­chen Prob­leme mit friedlichen Mit­teln bere­inigt wer­den,
Nach dem Rück­zug der USA (1973) wurde der Bürg­erkrieg zwis­chen den bei­den viet­name­sis­chen Staat­en den­noch fort­ge­set­zt, und es dauerte noch zwei lange Jahre bis zur Kapit­u­la­tion der süd­viet­name­sis­chen Regierung. Als am 30. April 1975 der let­zte US-Hub­schrauber vom Dach der US-Botschaft in Saigon abhob, war die Nieder­lage der USA besiegelt.

Kon­flik­te mit Chi­na
In den Fol­ge­jahren wurde Viet­nam von den west­lichen Staat­en mit einem Wirtschafts­boykott belegt, gle­ichzeit­ig ent­fremde­ten sich Viet­nam und seine Schutz­macht Chi­na zuse­hends.
1974 beset­zte Viet­nam — gegen den wüten­den Protest Chi­nas — einige der Sprat­ley-Inseln, worauf Chi­na in ein­er spek­takulären Aktion die von viet­name­sis­chen Trup­pen beset­zten Para­cel-Inseln an sich brachte.
Als Viet­nams Stre­itkräfte dann im Jan­u­ar 1979 in Kam­bod­scha ein­marschierten — um die Ter­rorherrschaft der von Chi­na unter­stützten „Roten Khmer“ zu been­den — entschloss sich Chi­na sog­ar zu ein­er „Straf­ex­pe­di­tion“, worauf im Feb­ru­ar d.J. chi­ne­sis­che Trup­pen von Giangzhi aus über den „Fre­und­schaftspass“ nach Nord­viet­nam ein­marschierten. 
Obwohl Viet­nams Eli­teein­heit­en im Kam­bod­scha gebun­den waren gelang den örtlichen Vertei­di­gungskräften Viet­nams ein hin­hal­tender Wider­stand. Das chi­ne­sis­che Kriegsziel — die Bedro­hung Hanois durch die Über­win­dung des chi­ne­sisch-viet­name­sis­chen Gren­zge­birges — kon­nte erst nach lan­gen, müh­seli­gen und ver­lus­tre­ichen Kämpfen erre­icht wer­den. 
1988 wur­den dann in ein­er gewalt­samen bluti­gen Aktion von Chi­na sieben viet­name­sisch beanspruchte Inseln der Sprat­ley-Gruppe beset­zt.

Weit­ere innere Kon­flik­te:
Während sich Chi­nas Trup­pen nach der „Straf­ex­pe­di­tion“ von 1979 zurück­zo­gen, stürzte Viet­nam in den Fol­ge­jahren in eine immer tief­ere poli­tis­che, soziale und wirtschaftliche Krise. Mit Meth­o­d­en der Plan­wirtschaft war in dem zer­störten Land die Ernährung der Bevölkerung nicht mehr sich­er zu stellen — die Flucht von Hun­dert­tausenden war die Folge (boat peo­ple).
Obwohl Viet­nam nominell geeint war und sog­ar Trup­penein­heit­en in Laos und Kam­bod­scha unter­hielt, gelang es zunächst nicht, das Land zu befrieden.
Im unwegsamen Gren­zge­bi­et hiel­ten Ange­hörige der ehe­ma­li­gen süd­viet­name­sis­chen Armee (ARVN) mit Bergstäm­men (Mon­tag­nards) einen hin­hal­tenden Wider­stand gegen die kom­mu­nis­tis­chen Herrsch­er aufrecht. 

Viet­nam war aus­ge­blutet und zer­schun­den, Infra­struk­tur und Indus­trie zer­stört, die Land­wirtschaft vergiftet. „Wir mussten unser Land aus Bombenkratern auf­bauen“ sagte Hanois Pre­mier Phan Van Khai in einem Inter­view mit ein­er deutschen Wochen­zeitschrift (SPIEGEL 47/2002)