Birma Burma Myanmar


Birma Burma Myanmar

Wirtschaft:
Bir­ma — oder Myan­mar, wie das Land seit 1989 offiziell heißt — gehört mit einem BIP von 220,- $ pro Kopf der Bevölkerung zu den ärm­sten Län­dern der Welt. Dabei ist das Land reich — an Erdöl und Gas (540 Mrd. cbm sind nachgewiesen, ver­mutet wird das zehn­größte Erdgasvorkom­men der Welt), an Gold, Edel­steinen und tro­pis­chen Hölz­ern, an Boden­schätzen wie Nick­el, Kupfer und Kohle.

Die Sank­tio­nen durch den West­en — 1988 anlässlich der bluti­gen Nieder­schla­gung der Stu­den­te­nun­ruhen ver­hängt und nach der Mis­sach­tung der Wahl von 1990 durch die Mil­itär­jun­ta nicht aufge­hoben —  schaden der tra­di­tionellen Exportwirtschaft des Lan­des.
Allerd­ings — das Geschäft mit den Edel­steinen aus Myan­mar flo­ri­ert:  “allein an den staatlich ver­anstal­teten Edel­stein­auk­tio­nen in Ran­gun, wo nur mit­telmäßige Qual­ität unter den Ham­mer kommt, flossen 2007 bis­lang rund 300 Mil­lio­nen Dol­lar in die Kassen” (SPIEGEL, 15.10.2007). 

Öff­nung nach Außen:
Nach der Nieder­schla­gung der Stu­den­ten­ruhen von 1988 ver­sucht­en die Mil­itärs, das Land von sein­er selb­st­gewählten Iso­la­tion zu befreien. Da die Sank­tio­nen des West­ens andauern blieb der Mil­itär­jun­ta nur der Gren­zhan­del mit den unmit­tel­baren Nach­barn — mit Chi­na und Indi­en sowie mit Thai­land — um die aussen­wirtschaftliche Iso­la­tion zu brechen.

Bere­its vor Jahren gelang es Myan­mar, in der Volk­sre­pub­lik Chi­na einen Ver­bün­de­ten zu find­en. Diese Verbindung liegt – wie das Beispiel Bangladesh zeigt — nahe. Die Inter­essen von Bangladesh und Bir­ma sind dur­chaus ver­gle­ich­bar. Der große Nach­bar Indi­en wird mit Vor­sicht beäugt – und ein guter Kon­takt zu Chi­na, dessen Inter­essen eher zum Paz­i­fik gerichtet sind, kann dur­chaus eine gewisse Rück­ver­sicherung darstellen.

Peking baut Straßen und Hochsee­häfen — auch im eige­nen Inter­esse, um direk­ten Zugang zum indis­chen Ozean zu erhal­ten. Chi­na kann sich mit einem “zweit­en Anlaufhafen” im indis­chen Ozean — die Tran­sit­möglichkeit­en nach Pak­istan sind von islamis­chen Rebellen, der Annäherung der pak­istanis­chen Mil­itär­jun­ta an die USA und den schwieri­gen Ver­hält­nis­sen auf den Gebirgstrassen bedro­ht — den lan­gen und gefährde­ten Weg über die Straße von Malak­ka sparen.

In Sit­twe und Kyaukpyu am indis­chen Ozean wer­den die Häfen mit chi­ne­sis­chem Kap­i­tal erweit­ert. Vor der Prov­inz Arakan (West­bur­ma) entste­ht ein großer Ölter­mi­nal auf auf der Insel Ram­ree, ein Mas­sen­guthafen ist in Pla­nung. Über das 600 km west­lich von Ran­gun gele­gene Kyauk Phyu mit seinem neuen, auch für größte Tanker geeigneten Hafen, will Peking Öl- und Gas aus dem Nahen Osten und Afri­ka importieren. Chi­na errichtet Staudämme zur Energieerzeu­gung und Hochhäuser. Bur­ma liefert mit Rohstof­fen den erforder­lichen Zahlungsaus­gle­ich. Peking hat (dank des west­lichen Embar­gos gegen Bir­ma fast ohne Konkur­renz) Öl- und Gas­felder vor den Küsten erkun­det und entsprechende Förder­l­izen­zen erwor­ben. Im Som­mer 2007 wurde bekan­nt, dass Peking die gesamte Förderung des Shwee-Gas­feldes vor der Küste erwer­ben will — was für min­destens 40 Jahre Ein­nah­men von jährlich mehr als ein­er Mil­liar­den Euro für die Mil­itär­jun­ta bedeutet. Über rund 2.400 km Öl- und Gaspipelines soll Bur­ma mit Yun­nan und dort mit dem chi­ne­sis­chen Pipeline-Netz ver­bun­den wer­den. Chi­ne­sis­che Händler trans­portieren Tropen­hölz­er ab und lassen im Gegen­zug die Errun­gen­schaften der chi­ne­sis­chen Mit­telschicht — Kühlschränke, Fernse­her, aber auch gün­stig pro­duzierte Tex­tilien — nach Bur­ma liefern. Dieser Ware­naus­tausch find­et zunehmend über gut aus­ge­baute Gren­zs­traßen statt. Die alt­bekan­nte Bur­ma-Straße wird durch eine Schnell­straße von der chi­ne­sis­chen Gren­ze bis zu den Tief­see­häfen an der Küste ergänzt. Rund 1,5 Mrd. $ betrug das Han­delsvol­u­men zwis­chen bei­den Staat­en im Jahre 2006. Die chi­ne­sis­che Währung — der Yuan — entwick­elt sich zum zweit­en Zahlungsmit­tel im Lande, rund 1/3 der Burme­sen soll inzwis­chen chi­ne­sis­ch­er Abstam­mung sein — Händler zumeist, die mit Läden und Einkauf­szen­tren immer mehr die städtis­che Wirtschaft prä­gen. Gle­ichzeit­ig schließen die Tex­til­man­u­fak­turen Bur­mas, die unter einem Embar­go west­lich­er Indus­trielän­der lei­den.
Ein befre­un­detes Chi­na hat kein Inter­esse, die rebel­lieren­den Bergstämme zu stützen, ein befre­un­detes Chi­na kann gün­stig Waf­fen für eine große Armee liefern – und ein befre­un­detes Chi­na kann auch einen Aus­gle­ich zum großen Nach­barn im West­en darstellen. Indi­ens Marine beherrscht den Golf von Ben­galen, und die Andama­nen erlauben es Indi­en, von Stützpunk­ten auf diesen Inseln aus die See­verbindun­gen nach Myan­mar zu kon­trol­lieren.

Dass Chi­na dafür Stützpunk­trechte an der Küste (z.B. auf den Coco-Inseln) erhal­ten hat – man spricht von ein­er U‑Boot-Basis und weitre­ichen­den Beobach­tung­sein­rich­tun­gen in Rich­tung Indis­chem Ozean und der Straße von Malak­ka – wertet die eige­nen, im inter­an­tionalen Ver­gle­ich eher schwachen Seestre­itkräfte zumin­d­est poli­tisch auf – und zugle­ich wird der Anspruch Chi­nas auf regionale Ein­flussnahme gestärkt.

Bish­er hat Chi­na in Myan­mar “die Nase vorne”. Den­noch wird eine ein­seit­ige Bindung ver­mieden. Bir­ma ver­sucht, auch Anschluss an Indi­en und die südostasi­atis­chen Tiger­staat­en zu gewin­nen.

Dass die mil­itärische Präsenz der Chi­ne­sen wiederum bei Indi­en, das den Indis­chen Ozean als „mare nos­trum“ empfind­et, nicht auf große Begeis­terung stößt, kann man sich vorstellen. Im Spät­som­mer 2007 führte Indi­en mit den USA, Japan und Aus­tralien ein groß angelegtes Marine­manöver zwis­chen sein­er Ostküste und Bir­ma durch — ein Zeichen der Stärke gegenüber den Ver­suchen des chi­ne­sis­chen Drachen, seine Nüstern in den indis­chen Ozean zu senken. Indi­en will Chi­na diesen wichti­gen Staat vor sein­er Gar­ten­türe nicht taten­los über­lassen. Im Jahre 2006 brachte Indi­en eine diplo­ma­tis­che Offen­sive mit gegen­seit­i­gen Besuchen der Regierung­sober­häupter auf den Weg. Auch Indi­en möchte an den Öl- und Gasvorkom­men gegenüber sein­er Ostküste par­tizip­ieren, und Indi­en braucht Bir­ma im Kampf geen Auf­ständis­che in seinen östlichen Gren­zge­bi­eten, die in den bergi­gen Urwal­dre­gio­nen zu gerne Unter­schlupfmöglichkeit­en in Bur­ma nutzen.

Ende 1996 fand anlässlich eines Gipfel­tr­e­f­fen der Regierungschefs der ASEAN-Staat­en in Jakar­ta die Auf­nahme von Myan­mar, Kam­bod­scha und Laos als Vollmit­glieder in das Bünd­nis statt. Gle­ichzeit­ig ver­sucht die Mil­itär­regierung seit 1993 aus­ländis­che Investi­tio­nen im Land zu fördern, um die wirtschaftliche Krise des Lan­des zu bewälti­gen.

Eine der weni­gen west­lichen Fir­men, die in diesem Zuge in Myan­mar investierten, ist der franzö­sis­che Ölkonz­ern Total, dessen Abgaben etwa 7 % des burme­sis­chen Staat­shaushalts deck­en sollen. Total erwarb dafür exclu­siv das Recht zur Aus­beu­tung eines Gas­feldes in Yadana, dessen Aus­beute über eine Pipeline nach Thai­land exportiert wird. Bir­mane­sis­che Flüchtlinge haben Ende 2005 von Total Entschädi­gung ver­langt, weil sie beim Bau der Pipeline als Zwangsar­beit­er einge­set­zt wor­den sein sollen. Total hat hier­für einen Entschädi­gungs­fonds von 5,2 Mio. Euro ein­gerichtet.

In diesem Zuge lässt Bir­ma zunehmend auch Touris­ten ins Land. Allerd­ings wird wegen der unsicheren innen­poli­tis­chen Lage ins­beson­dere im Bere­ich der Gren­zge­bi­et auch der östlichen Nach­barstaat­en vor Einzel­reisen gewarnt. Die Infra­struk­tur — Straßen, Brück­en und Hote­lan­la­gen — wurde vor allem in den neun­ziger Jahren des let­zten Jahrhun­derts mit zwangsrekru­tierten Bauern und Kinder­ar­beit errichtet. Reise­un­ternehmen und Hotels führen einen großen Teil des Gewinnes an die Mil­itärs ab, die sich ein Leben in Luxus und Wohl­stand leis­ten. Bis zum Ende des Zwang­sum­tausches (Dez. 2003) flossen auch die Devisen in die Taschen der Mil­itärs. Allerd­ings kom­men über die Touris­ten auch Kon­tak­te zus­tande, die dem gegen­seit­i­gen Infor­ma­tion­saus­tausch und — über Trinkgelder und Geld­wech­sel — auch der Bevölkerung etwas Teil­habe an dem Touris­mus­geschäft ermöglichen. Bur­ma öffnet ganz langsam kleine Luken in dem eis­er­nen Vorhang, mit dem die para­noiden und frem­den­feindlichen Machthaber das Land abgeschot­tet haben.

Über Thai­land wer­den auch die wertvoll­sten Edel­steine aus Myan­mar aus­ge­führt — über Schmuggel­wege, aber mit größter Sicher­heit vor­bei an “ein­nehmenden” Kon­troll­posten der burme­sis­chen Stre­itkräfte, in deren Hän­den das ein­trägliche Geschäft inzwis­chen auch liegen soll.