Birma Burma Myanmar


Birma Burma Myanmar

Die wichtigsten Informationen im Überblick:

Regierungsform (Government Type) Sozialistische Republik (Republic)

Karte Birma Burma Myanmar

Hauptstadt (Capital) Yangon (Rangun); Regierungssitz: Pyinmana
Einwohner (Population): 49,363 Mio.
Fläche (qkm) (Area sq.km): 676.552
Wehretat (Defence Budget): 555 Mio. US-$ (2002)
BSP/Einwohner (GNP/Capita): >746 US-$

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Daten außer Wehretat dem Fischer Weltalmanach 2005 entnommen

Birma – Burma – Myanmar (seit 1989)
Viele Namen für ein Land, das nach Erlangung der Eigenständigkeit 1948 (als ehemals britische Kolonie) eigene Wege ging. Nach einigen Jahrzehnten der Demokratie übernahmen die Militärs unter Diktator Ne Win 1962 – ein „buddhistischer Sozialist“ – die Macht. Der Militärherrscher führte sein Land bis zu seiner Abdankung 1988 in die Isolation. In diesem Jahr ausbrechende Studentenaufstände für mehr Freiheit – eine der Anführer war Aung San Suu Kyi, die spätere Friedensnobelpreisträgerin und Siegerin der Wahlen von 1990 – wurden blutig niedergeschlagen.

Birma liegt als erstes Land „hinter Indien“ – durch breite Gebirgsketten im Westen von Indien und Bengalen, im Norden von China und im Osten von Laos und Thailand getrennt. Die Gebirgsketten begünstigen die Eigenständigkeit der in den Grenzgebieten lebenden Minderheiten (Bergvölker) wie der Shan (8,5 % der Gesamtbevölkerung) und Karen (6,2 %) an der Grenze zu Thailand.

Birma ist ein Vielvölkerstaat mit über 130 Völkern und Sprachen, die zumeist 7 großen Volksgruppen angehören. Etwa 90 % der Bevölkerung sind Buddhisten.

Alte Burmastraße

Etwa 70 % der Bevölkerung gehören dem Staatsvolk der Birmanen an, das vor allem im zentralen Einzugsbereich des bis Bhamo weit ins Hinterland schiffbaren Irawadi, des großen, in den Indischen Ozean (Andamanisches Meer) mündenden Flusses lebt. 
Alleine im Deltagebiet gibt es über 3.200 km Wasserwege, die den Belastungen durch starke Monsunregenfälle ausgesetzt sind, während im von den Bergen geschützten Zentralland ein Reisanbau nur durch künstliche Bewässerung möglich ist. 
Birma – das „goldene Land“ nach den mit Gold überzogenen Kuppeln seiner buddhistischen Pagoden genannt – erlangte im zweiten Weltkrieg vor allem durch die „Burma-Straße“ (Foto) erhebliche strategische Bedeutung. Über diese 1.200 km lange Wald- und Gebirgspiste wurde 1942 der einzige Kontakt der Alliierten zu China gehalten, dessen östliche Landesteile durch japanische Truppen besetzt war.
Vor dem Weltkrieg waren etwa 2/3 des Kulturlandes in den Händen von Indern. Etwa 400.000 flüchteten im Krieg vor den Japanern – die Rückkehr nach Birma wurde dann allerdings durch die burmesische Regierung verwehrt, was im Zuge einer Bodenreform die Umverteilung von Ackerland ermöglichte – aber gleichzeitig die Beziehungen zum Nachbarn Indien belastete.

Innere Unruhen:
Birma wurde als Union, als Bundesstaat konstituiert, die Minderheiten sollten eine weitgehende Verwaltungsautonomie innerhalb der Union erhalten.
Von Anfang an war Birma mit inneren Konflikten belastet. Nach dem Krieg verschanzte sich eine Kuomingtang-Armee im Grenzbereich zur Volksrepublik, das arme Land wurde zunehmen durch Unruhen der Minderheiten wie der Shan, Kachin und Karen an der Grenze zu Thailand erschüttert. „Sozialistische Experimente“ (Verstaatlichung von Reishandel und Holznutzung als Grundsäulen der Volkswirtschaft) machten die ehemalige Reisschüssel Südostasiens zum Lebensmittelimporteur. Die Folgen waren Unruhen innerhalb des Staatsvolkes – so ein von China offiziell unterstützter Aufstand der kommunistischen Partei Burmas – Streitigkeiten innerhalb der Einheitspartei und zwischen verschiedenen Fraktionen im Militär, die Tausende von Toten forderten und eine seit 1962 regierende Militärjunta auf den Plan riefen.

1988 kam es zu erneuten Aufständen, die vor allem von Studenten getragen wurden und alleine in Rangun über 3.000 Todesopfer unter Demonstranten und Aufständischen forderten. Seinerzeit hatte der abergläubische Juntachef Ne Win neue Banknoten eingeführt, die durch seine „Glückszahl 9“ teilbar sein sollten. Die umlaufenden Noten mit anderen Werten wurden für ungültig erklärt, worauf viele Menschen ihre Ersparnisse verloren. Die darauf folgenden Unruhen wurden brutal niedergeschlagen. Allerdings ging eine Studentenführerin – Daw Aung San Suu Kyi, die Tochter des Staatsgründers, die zu ihrem Engagement regelrecht gedrängt worden war – als unumstrittene Oppositionsführerin aus den Unruhen hervor.

Bei den Parlamentswahlen im Mai 1990, den ersten freien Wahlen seit 30 Jahren, errang die Oppositionspartei National League for Democracy mit der populären Kandidatin Daw Aung San Suu Kyi, die seit Juli 1989 ohne Verbindung zur Außenwelt unter Hausarrest stand, einen überwältigenden Wahlsieg, aber der so genannte State Law and Order Restoration Council (SLORC) – die Militärregierung – erlaubte der Volksversammlung nicht, zusammenzutreten. Nach vorübergehender Lockerung dieses Hausarrestes ist Suu Kyi inzwischen – mit offenkundigen Vorwänden – erneut von der Bevölkerung isoliert.

Im September 2007 erschütterten erneut Massenproteste – diesmal angeführt von den buddhistischen Mönchen – das Land, denen sich – wie 1988 – Studenten anschlossen. Ursachen waren auch hier massive Wirtschaftsprobleme, so die inflationäre Preiserhöhung für Grundnahrungsmittel und Benzin. Dass auch die von Almosen lebenden Mönche immer öfter mit leeren Reisschalen in die Klöster zurück gekehrt sind war letztendlich der Auslöser für diese Hungerrevolte. Die buddhistischen Mönche – traditionell eher Mittler zwischen Staatsführung und Volk – stellten sich auf die Seite der Bevölkerung. Nach anfänglichem Zögern griffen die Militärs zu den „bewährten Mitteln“ der Diktatoren weltweit. Die Demonstrationen wurden mit Gewalt und Hunderten von Todesopfern aufgelöst. Amerikanische Diplomaten berichten, dass ettliche der Klöster von Rangun inzwischen verlassen und von Militärs besetzt sind. Regimegegner werden Nachts aus den Betten geholt und verschwinden – wie seinerzeit in Argentinien- zu Tausenden in Gefängnissen, Internierungslagern – oder auf unwiderbringliche Weise. Alleine in Rangun sollen sich drei große Gefangenenlager befinden. Dazu finden sich immer wieder Fotos von Leichen in roten Roben im Internet, die in Flüßen, Abwasserkanälen oder an anderen Orten gefunden werden.

Im Jahr 2010 will das Militärregime nach 20 Jahren erneut wählen lassen. Was davon zu halten ist zeigt die Ausgangslage: Suu Kyi wird die Teilnahme verboten, weil sie (unter Vorwänden) eingesperrt ist. Es geht also nur darum, der Junta ein „pseudodemokratisches Mäntelchen“ zu verpassen. Die Parteil der letzten Wahlgewinnerin, die „Nationale Liga für Demokratie“ (NLD) hat daraufhin entschieden, gar nicht erst an dieser Pseudo-Wahl teilzunehmen – was promt zur Auflösung der Partei führte.


Autonome Stammesgebiete:
Derzeit bestehen Waffenstellstandsabkommen mit 17 ethnischen Rebellengruppen, dies als Grenztruppen der Armee unterstellt werden sollen.

Der „Shan-Staat“ (im Gebiet des „Goldene Dreiecks“ zwischen China, Laos und Thailand im Norden Burmas) genießt inzwischen die verfassungsrechtlich zugestandene weitgehende Autonomie – unter zunehmender wirtschaftlicher Anbindung an den chinesischen Nachbarn.
Während die Shan ihren Kampf früher mit Drogengeldern finanzierten ist heute – ähnlich wie in Macao – im Grenzort Mong La ein freizügiges Zockerparadies entstanden, das (wie der SPIEGEL berichtet) in großen Teilen von Chinesischen Pauschaltouristen bis hin zu hohen Parteikadern finanziert wird. Die Verbindung mit der Nachbarprovinz Yunnan sichert das chinesische Mobilfunknetz, der Strom für die üppig Beleuchtung von Nachtclubs und Spielkasinos wird aus China bezogen. Der chinesische Yuan dient als Zahlungsmittel und die chinesische Polizei ist zumindest mit Fahndungsplakaten öffentlich präsent. Das nach dem Krieg von der nationalchinesischen Kuomingtang beherrschte Grenzgebiet hat inzwischen fast den Charakter einer chinesischen Sonderwirtschaftszone wie etwa das Gebiet von Hongkong erreicht.

Anders geht es den Karen im Grenzgebiet zu Thailand. Fast das ganze Volk soll auf der Flucht sein – die Dörfer der Karen werden durch das burmesische Militär niedergebrannt, die Ernten vernichtet.  Die Armee intensiviert in den letzten Monaten ihre Offesnive gegen die ethnische Rebellengruppe der Karen in Ostburma/Ostmyanmar. Die „Karen Nationale Befreiungsarmee“ soll trotz eines Waffenstillstandsabkommens zerschlagen werden.
Die Junta will Stärke demonstrieren vor den angesetzten Parlamentswahlen