Afrikanische Kulturen

Geschichte:
Die Ver­bre­itung der afrikanis­chen Sprach­fam­i­lien doku­men­tiert vor allem die “Vorkolo­niale Geschichte” des Kon­ti­nents. Sie ist ein Resul­tat ein­er Jahrtausende alten Entwick­lung, die mit der Ver­bre­itung des Ara­bis­chen als Volkssprache im Nor­den — und der Sprache der europäis­chen Kolo­nial­her­ren als Han­dels- und Verkehrssprache im Süden — des Kon­ti­nents einen (vor­läu­fi­gen) Abschluss fand. 

Schwarzafri­ka” kann auf eine reiche Geschichte zurück blick­en. Bere­its in der Antike gab es südlich von Ägypten mit Nubi­en und dem nubis­chen Kön­gre­ich Kush (später Meroe) schwarzafrikanis­che Reiche, und bis in die Zeit­en von Kartha­go und Rom bestanden inten­sive Han­del­skon­tak­te über die Sahara hin­weg. Allerd­ings erwies sich die Sahara seit der Antike, ja sog­ar seit dem Ende der Eiszeit und der damit ver­bun­de­nen Wüsten­bil­dung in Nordafri­ka auch als immer schwieriger zu über­windende Grenze.

Auch Äthiopi­en gehört in die Rei­he der afrikanis­chen Kön­i­gre­iche vom Ober­lauf des Nil. Nach­dem Meroe um 350 n. Chr. zer­stört wor­den war, bestanden sog­ar unmit­tel­bare Kon­tak­te zum byzan­ti­nis­chen Reich — von dem auch das kop­tisch-ägyp­tis­che Chris­ten­tum über­nom­men wurde. Die ara­bis­che Eroberung unter­brach diese Verbindung, so dass sich südlich des Islam eine eigene christliche Tra­di­tion entwick­elte. Erst um das Jahr 1270 gelang unter Negust Negest eine Erneu­rung des äthiopis­chen Reich­es — die 1395 mit der Entsendung eines Gesandten nach Mai­land einen Höhep­unkt erre­ichte und dessen Dynas­tie erst 1974 mit dem Mil­itär­putsch gegen Kaiser Heile Selas­si endete. Äthiopi­en ist somit das einzige Land Afrikas, das sich (bis auf die ital­ienis­che Beset­zung während des zweit­en Weltkrieges) seine Unab­hängigkeit von der Antike über die Kolo­nialzeit bis in die Gegen­wart erhal­ten konnte.

Während die Araber über Byzanz vom Erbe des Römis­chen Reich­es prof­i­tierten und diese Ken­nt­nisse — ver­bun­den und angere­ichert mit dem Spitzen­wis­sen der Zeit, mit Alge­bra, Math­e­matik — wir schreiben heute noch in ara­bis­chen (ursprünglich indis­chen) Zahlen — über Spanien wieder an Europa weit­er­gaben blieb “Schwarzafri­ka” aus europäis­ch­er Sicht im Schat­ten der Geschichte.

Funde von chi­ne­sis­chen Münzen in Ostafri­ka bele­gen zudem, dass von 3. bis zum 15. Jhdt. — die Expe­di­tio­nen chi­ne­sis­ch­er Flot­ten in der Ming-Zeit sind his­torisch belegt — ein offen­bar erfol­gre­ich­er Han­del zwis­chen Ostasien und Afri­ka stattfand.

Sudan-Afri­ka: Islamisierung und Ver­w­er­fun­gen:
Die Wirren der Völk­er­wan­derung und vor allem die ara­bis­che Eroberung Nordafrikas tren­nten Europa endgültig vom “schwarzen Kon­ti­nent”. Es waren ara­bis­che Autoren, die schon im 8. Jahrhun­dert ihre Berichte über “Bilad as-Sudan” — das Land der Schwarzen — schrieben.  Ent­lang der Han­del­swege durch die Sahara bre­it­ete sich dann auch der Islam nach Sudan-Afri­ka aus. Dort waren bere­its afrikanis­che Kön­i­gre­iche entstanden

- Kanem im Nor­dosten des Tschad­sees, zwis­chen dem 7. und dem 9. Jahrhun­dert durch ehe­ma­lige Nomaden gegrün­det und am Beginn (oder Ende) der Karawa­nen­wege zum Nil, im 11. Jahrhun­dert zum Islam kon­vertiert und 300 Jahre später von ara­bis­chen Angreifern nach Bor­nu (Nige­ria) vertrieben,

- Benin, das bere­its vorkolo­niale Reich in Nigeria,

- Ghana, mit der Haupt­stadt “Koumbi Saleh” im heuti­gen Mali, im 6. Jahrhun­dert als Bünd­nis gegen ein­fal­l­ende Nomaden gegrün­det, ein zen­tral­i­sis­tis­ches “Gold-Kön­i­gre­ich”, das Gold vom Ober­lauf des Sene­gal und Salz aus der Sahara in den Han­del brachte, und von den Almorav­i­den zerstört

- das islamis­che Nach­fol­gere­ich Mali (im 13. Jahrhun­dert gegrün­det) mit ein­er mündlich tradierten Ver­fas­sung, das später Tim­buk­tu eroberte — einem Zen­trum islamis­ch­er Gelehrsamkeit.  Im 15. Jahrhun­dert — bevor sich die europäis­chen Seefahrer die Küsten ent­lang nach Süden vor­tasteten ‑litt das Reich von Mali unter den Angrif­f­en der Tuareg und Mossi, was zu Sep­a­ra­tions­be­we­gun­gen von Vasal­len­staat­en wie Song­hay führte.

- Das Reich von Song­hay war ein streng zen­tral­is­tisch geführtes Staatswe­sen, das vom Atlantik bis nach Nige­ria reichte und bis zur Inva­sion Marokkos (1591) großen Reich­tum durch Gold- und Sklaven­han­del erwarb,

- und dazu kamen weit­ere Staat­en in den Gebi­eten der heuti­gen Län­der Sene­gal, Mau­re­tanien und Mail.

Diese ara­bis­che Eroberung führte zu erhe­blichen Ver­w­er­fun­gen der Bevölkerung in Sudan-Afri­ka, also dem zwis­chen der Sahara und den Urwaldge­bi­eten gele­gene­nen Gür­tel; die Islamisierung führte zu Vertrei­bun­gen und Umschich­tun­gen der Bevölkerung und sorgte gle­ichzeit­ig für die Ver­bre­itung der Eisen­bear­beitung in Nordafrika.

Während sich in Sudan-Afri­ka islamis­che Kön­i­gre­iche wie Mali und Tim­buk­tu etablierten blieb der Kern des Kon­ti­nents unter dem Urwald­dach ver­bor­gen. Aber auch hier gab es afrikanis­che Kön­i­gre­iche — Groß-Sim­bab­we etwa, oder die Ban­tu-Kön­i­gre­iche Kon­go oder Kit­wara an den großen Seen.

Kolo­nialzeit — Elfen­bein, Gold und Sklaven:
Auch in Kon­go, Kasai oder Uele gab es afrikanis­che Kön­i­gre­iche min­destens seit dem 15. Jahrhun­dert. Seit damals sind auch Fern­han­delsverbindun­gen von den Kupfer­feldern und Salzgewin­nungs­ge­bi­eten von Sha­ba an die Küste des Atlantis­chen und Indis­chen Ozeans bekan­nt.
Afrikas Unter­drück­ung durch europäis­che Mächte lässt sich mit der Ankun­ft der Por­tugiesen in West­afri­ka im späten 15. Jahrhun­dert fest­machen. Den katas­trophalen Wen­depunkt markierte jedoch der transat­lantis­che Sklaven­han­del.
Der Sklaven­han­del, im West­en von Por­tugiesen, im Osten von Arabern betrieben, trug zur Entvölkeru­ung ganz­er Land­striche bei.
Als am 6. März 1957 mit Ghana der erste schwarzafrikanis­che Staat in die Unab­hängigkeit ent­lassen wurde begann die Zeit der Unab­hängigkeit — beste­ht im Ergeb­nis aber ein Grund zum feiern?