USA/Australien – Stärkere Zusammenarbeit


Schon seit 60 Jahren pflegen die USA und Australien enge, auch militärische Beziehungen, und diese sollen nun auf eine noch breitete Basis gestellt werden.

Bei einem Staatsbesuch in Australien vereinbarte US Präsident Barack Obama mit der australischen Premierministerin Julia Gillard am 15. November die permanente Stationierung von US Marineinfanteristen in Australien. Bis zu 2.500 US Marines sollen ihre künftige Heimat in Darwin an der Indonesien (und Südostasien) gegenüber liegenden australischen Nordküste finden.

Offizielle Presseerklärungen sprechen von einer „Combined Arms Marine Air-Ground Task Force“ (MAGTAF); ein (vorwiegend) landgestützter Verband, der mit 2.500 Mann etwas größer ist als eine üblicherweise auf Schiffen einer Amphibious Ready Group eingeschiffte Marine Expeditionary Unit (MEU, ca. 1.700 Mann). Zu einer MAGTAF gehören neben logistischen- und Führungselementen auch Artillerie, Hubschrauber sowie bei Bedarf Kampfflugzeuge AV-8B Harrier; ob letztere ebenfalls nach Darwin verlegen sollen, bleibt allerdings abzuwarten. Vermutlich wird Darwin auch neuer Stationierungsort für „Pre-Positioning Ships“ des US Military Sealift Command. Solche mit Panzern, Fahrzeugen, Waffen, Munition, Vorräten und Ersatzteilen für Großverbände der US Army beladenen, riesigen Schiffe sind an mehreren Orten der Welt stationiert; sie sind für schnelle Eingreifoperationen unverzichtbar. Wenn sie bereits vor Ort sind, brauchen im Ernstfall tatsächlich nur noch die Soldaten selbst (im Lufttransport) verlegt zu werden.

Marineforum - Darwin (Foto: austr. Tourismusbehörde)
Darwin (Foto: austr. Tourismusbehörde)

Schon Anfang 2012 wird ein erstes Vorauskommando des US Marine Corps in Darwin erwartet, um die Verlegung vorzubereiten. Größere infrastrukturelle Vorarbeiten soll es allerdings nicht geben. Für die US Soldaten sollen (zumindest vorerst) wohl auch keine festen Unterkünfte oder sonstige Liegenschaften gebaut werden; offenbar ist die Unterbringung in einem mobilen Feldlager geplant. Mitte 2012 soll ein erstes Kontingent von 250 Soldaten in Darwin eintreffen, das dann in jeweils sechsmonatiger Kräfterotation in den kommenden Jahren nach und nach bis zur vollen Stärke von 2.500 Mann aufwächst. Die US Soldaten sollen gemeinsame Ausbildung und Übungen mit den australischen Streitkräften durchführen. In Zeiten saisonal schlechten Wetters, wenn Regen und Überflutungen größeren Aktivitäten in Nordaustralien enge Grenzen setzen (und auch das Leben in einem Feldlager mehr als nur unangenehm machen), sollen die Soldaten in andere Landesteile Australiens verlegen oder mit Verbündeten und Partnern in anderen südostasiatischen Ländern üben.

Gerüchte nach denen das zu verlegende Kontingent aus dem japanischen Okinawa (wo es zwischen den dortigen Kommunalbehörden und den US Streitkräften zunehmend Differenzen über die Stationierung von derzeit 8.000 US Soldaten gibt) kommen soll, wurden dementiert. Das Darwin-Kontingent werde sich aus Soldaten „aus allen Teilen der Welt“ rekrutieren; aktuelle und traditionelle Verpflichtungen in Japan oder Südkorea seien von der Einrichtung der neuen US Auslandsbasis in keiner Weise betroffen.

Präsident Obama machte kein Hehl aus den Beweggründen für die Stationierung amerikanischer Soldaten in Nordaustralien. „Asien und Südostasien sind für die USA von immenser strategischer Bedeutung, und wir werden sicher stellen, dass wir hier unsere Führungsrolle auch künftig wahrnehmen können.“ Dazu gehörten auch vor Ort verfügbare (militärische) Fähigkeiten zum Schutz der Seeverkehrswege (Piraten) und marinen Ressourcen (Wirtschaftszonen), sowie um bei gerade in dieser Region nicht seltenen Naturkatastrophen unverzüglich Hilfe leisten zu können.

Mit Blick auf China erklärte Obama, die verstärkte Partnerschaft mit Australien sei „keine Bedrohung Chinas“, aber China müsse sich in der Region auch „an die Spielregeln halten“. In Peking sieht man dies weniger entspannt. Für China ist die Stationierung von US Soldaten in Australien nur weiterer Schritt in einer vor gut 20 Jahren vom damaligen US Präsidenten George Bush begonnenen Kampagne zur „Einkreisung“ Chinas. Die neue Militärbasis fülle eine Lücke in einer schon fast lückenlosen Kette von US-Stützpunkten von Südkorea bis in den Indischen Ozean, die vor allem dazu dienen solle, China jederzeit von seinen wirtschaftlich unverzichtbaren Seeverbindungen abschneiden zu können. Entsprechend harsch ist auch die Kritik.

Sie dürfte in den kommenden Tagen vielleicht sogar noch zunehmen. Wie die „Washington Post“ am 18. November berichtete, sind die USA kurz vor Abschluss einer Vereinbarung mit Singapur, in deren Rahmen einige der neuen Littoral Combat Ships der US Navy permanent in Singapurs Marinestützpunkt Changi stationiert werden sollen.

In Kooperation mit „MarineForum – Zeitschrift für maritime Fragen

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