USA — Immer mehr Marinen setzen auf UAVs

Immer mehr Mari­nen set­zen von ihren Schif­f­en unbe­man­nte Drohnen ein oder pla­nen dies und entwick­eln UAV – Unmanned Aer­i­al Vehi­cles.

Bish­er beschränk­te sich der Ein­satz von Marine-UAV auf Aufk­lärungsrollen. Die von einem Oper­a­tor an Bord eines Kriegss­chiffs fer­n­ge­lenk­ten Drohnen wur­den genutzt, um den Ortung­shor­i­zont zu erweit­ern. Dabei waren sie vor allem auch von solchen Ein­heit­en ein­set­zbar, die keine beman­nten Hub­schrauber an Bord nehmen kon­nten. Während amerikanis­che (US Army/US Air Force) UAV wie MQ‑1 Preda­tor and MQ‑9 Reaper über Land auch schon seit eini­gen Jahren Waf­fen wie Flugkör­p­er Hell­fire tra­gen und in aktiv­en Kampfrol­len einge­set­zt wer­den (z.B. in Afghanistan und Libyen), war dies für seegestützte UAV bish­er Zukun­ftsmusik. Die US Navy entwick­elt zwar eine Kampf­drohne (X‑47 B soll 2013 mit Erprobun­gen in See begin­nen), aber diese ist nur für den Ein­satz von Flugzeugträgern vorgesehen. 

Nun sollen aber grund­sät­zlich alle Kampf­schiffe und Hil­f­ss­chiffe der US Navy die Möglichkeit zum Ein­satz auch bewaffneter UAV erhal­ten. Dies gilt vor allem für die neuen Lit­toral Com­bat Ships der FREEDOM- und der INDE­PEN­DENCE-Klasse, für die UAV fest einge­plant sind. Basis für das Vorhaben ist die von Northrop Grum­man entwick­elte Marine­drohne MQ-8B Fire Scout. Im Gegen­satz zu Kampf­drohnen wie Preda­tor, Reaper oder auch X‑47B — prinzip­iell kleine Flächen­flugzeuge mit Zwang zu kon­ven­tionellem Start und Lan­dung auf ein­er län­geren Lan­de­bahn – han­delt es sich bei der Fire Scout um einen fer­n­ge­lenk­ten Hub­schrauber, der mit sieben Meter Länge / Rotor­durchmess­er und einem Start­gewicht von etwa 1,5 t nur eine kleine Plat­tform benötigt und wie ein herkömm­lich­er Hub­schrauber seine Auf­gaben auch im langsamen Tief­flug oder im Schwe­be­flug erfüllen kann. 

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MQ-8B Fire Scout (Foto: US Navy) 

Nachteil ist die deut­lich gerin­gere Möglichkeit, Las­ten – wie schwere Flugkör­p­er und Waf­fen­leit­sys­teme – zu tra­gen. Die Nut­zlast der Fire Scout ist aktuell auf etwas mehr als 250 kg begren­zt. Die Aus­rüs­tung der bish­er ins­ge­samt 24 von Northrop Grum­man für die US Navy gebaut­en Fire Scout (Stück­preis US$ 8 Mio.) beschränkt sich denn auch auf Ortungs­geräte wie ein kleines Syn­thet­ic Aper­ture Radar, eine Infrarot­fähige Kam­era und einen Laser­ent­fer­nungsmess­er. Bei Bedarf kön­nen auch kleinere Geräte für die Fer­n­melde-/elek­tro­n­is­che Aufk­lärung mit­ge­führt werden. 

Die Idee zur Bewaffnung der Fire Scout ist nicht neu; schon 2006 führte Northrop Grum­man der US Navy sog­ar ein Demon­stra­tions­mod­ell vor. Angesichts von „Kinderkrankre­it­en“ bei der Fern­s­teuerung (mehrfach ging bei Test­flü­gen die Verbindung zu Fire Scout ver­loren) wartete die US Navy bish­er aber noch ab, ob das UAV über­haupt volle Ein­satzreife erre­ichen würde. Inzwis­chen sind offen­bar alle dies­bezügliche Zweifel beseit­igt (die US Navy hat ins­ge­samt 168 Fire Scout bestellt), und nun hat man sich auch dazu durchgerun­gen, die bish­er „inher­ente“ Fähigkeit zu einem Waf­fenein­satz zu real­isieren. Northrop Grum­man hat den offiziellen Auf­trag erhal­ten, bis März 2013 eine erste zur Kampf­drohne umge­baute Fire Scout zu liefern. 

Dabei wird der fer­n­ge­lenk­te kleine Hub­schrauber mit der von BAe Sys­tems entwick­el­ten Advanced Pre­ci­sion Kill Weapon aus­gerüstet. Dieses auch von Kampfhub­schraubern Super Cobra des US Marine Corps einge­set­zte Sys­tem stützt sich im Wesentlichen auf einen 70-mm Luft-Boden-Flugkör­p­er Hydra, der mit Laser­lenkung und einem 4,2‑kg Gefecht­skopf Boden­ziele bekämpfen kann. Der kleine Gefecht­skopf macht deut­lich, dass eine bewaffnete Fire Scout sich­er nicht gegen größere Kriegss­chiffe einge­set­zt wer­den soll, son­dern nur kleinere Punk­tziele bekämpfen kann – diese dann allerd­ings mit hoher Präzi­sion. Primäre Ein­satzrollen wer­den denn auch in der Bekämp­fung von Ter­ror­is­ten, Pirat­en oder Dro­gen­schmug­glern gese­hen. Die Hydra-Raketen und ihre dazu gehörende Waf­fen­lei­tan­lage wer­den die bish­eri­gen Fähigkeit­en der Fire Scout übri­gens nur ergänzen, nicht (wahlweise) erset­zen. Auch mit Bewaffnung wer­den die UAV ihre herkömm­lichen Aufk­lärungsauf­gaben uneingeschränkt weit­er erfüllen können. 

Derzeit wird die max­i­male Ein­satz­dauer von Fire Scout noch mit etwa acht Stun­den angegeben. Die Weit­er­en­twick­lung sieht hier eine unun­ter­broch­ene Flug­dauer von bis zu 72 Stun­den und einen Ein­satzra­dius von 75 km vor. 

In Koop­er­a­tion mit “Marine­Fo­rum — Zeitschrift für mar­itime Fra­gen

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