USA — Globale „Power Projection“ durch amphibische Einsatzgruppen

Neben den Flugzeugträgere­in­satz­grup­pen sind es vor allem auch die amphibis­chen Ein­satz­grup­pen, die der US Navy die Fähigkeit zu glob­aler „Pow­er Pro­jec­tion“ geben.

Nun hat am 21. Novem­ber das US Con­gres­sion­al Bud­get Office einen Bericht zu den amphibis­chen Kräften der US Navy veröf­fentlicht. Unter­sucht wurde, in wie weit Anzahl, Größe (Fähigkeit­en), Ein­satza­uf­gaben (in Krieg und Frieden) und in der Prax­is der let­zten Jahre durchge­führte Ein­sätze der amphibis­chen Schiffe in Ein­klang ste­hen mit den Neubau­vorhaben des 30-Year Ship­build­ing Plan (SBP) 2012. Das Ergeb­nis liest sich alarmierend: in der Hälfte der näch­sten 30 Jahre wer­den die amphibis­chen Kräfte der US Navy nicht zur Erfül­lung aller geforderten Auf­gaben aus­re­ichen.

Zielvor­gabe des SBP 2012 sind 33 amphibis­che Schiffe – von amphibis­chen Trägern bis zu Dock­lan­dungss­chif­f­en und schnellen Trans­ports­chif­f­en (JHSV). 2012 wird die US Navy 30 solche Ein­heit­en im Bestand haben, bis 2041 sollen dann 20 Neubaut­en zulaufen, dafür aber 22 Schiffe aus­ge­mustert wer­den. Schon dies zeigt, dass die Rech­nung mit 33 Schif­f­en nicht aufge­hen kann. Natür­lich wird es Schwankun­gen geben, wer­den Neubaut­en auch mal schneller zulaufen als alte Ein­heit­en außer Dienst gestellt wer­den. Die genaue Unter­suchung zeigt aber, dass schon in der Basis­pla­nung das Ziel von 33 Schif­f­en in 15 der näch­sten 30 Jahre – genauer gesagt von 2012 bis 2016 und dann von 2032 bis 2041 — nicht erre­icht wer­den kann.

Marineforum - Amphibious Ready Group (Foto: US Navy)
Amphibi­ous Ready Group (Foto: US Navy)

Ide­al­er­weise sind zu jed­er Zeit etwa ein Drit­tel aller im Bestand befind­lichen Ein­heit­en in einem oper­a­tiv­en Ein­satz fern der Heimat „deployed“; das wären bei den geplanten 33 Schif­f­en also 11. Noch 2007 hat­te die mil­itärische Führung errech­net, dass jew­eils neun „deployed ships“ (also drei Amphibi­ous Ready Groups mit jew­eils einem amphibis­chen Träger und zwei Dock­lan­dungss­chif­f­en) aller Ein­satza­uf­gaben erfüllen kön­nten; diese Anzahl stand und ste­ht auch voll in Ein­klang mit den in Dienst befind­lichen Ein­heit­en.

Im ver­gan­genen Jahr wurde nun eine neue Rech­nung aufgemacht. Dies­mal soll­ten die Befehlshaber — so die poli­tis­che Vor­gabe — sich nicht an den tat­säch­lich ver­füg­baren Schif­f­en ori­en­tieren, son­dern ermit­teln, wie viele Ein­heit­en denn notwendig seien, um alle nur denkbaren Ein­satza­uf­gaben und Rou­tinevorhaben prob­lem­los und ohne kurzfristige Umpla­nun­gen erfüllen zu kön­nen („uncon­strained need“). Im Ergeb­nis stand nun die Forderung nach 18 (!) „deployed ships“, die natür­lich wed­er mit dem derzeit­i­gen noch dem kün­fti­gen Bestand zu erfüllen sein wird. 18 Schiffe bedeuten den gle­ichzeit­i­gen Ein­satz von sechs Ein­satz­grup­pen.

Mit den abse­hbar ver­füg­baren Schif­f­en müssten die Zeit­en für einen Rou­ti­neein­satz von derzeit etwa sechs Monat­en auf min­destens ein Jahr erhöht und zugle­ich die Zeit­en für Wartun­gen und Instand­set­zun­gen sowie Aus­bil­dung um die Hälfte gekürzt wer­den. In der Prax­is müsste dies schnell zum Ver­lust der oper­a­tiv­en Ein­satzfähigkeit führen. Sehr wahrschein­lich wird man sich daher schon bald zur Erken­nt­nis durchrin­gen, dass „uncon­strained need“ eine schöne Wun­schvorstel­lung ist, dass solche Zahlen­spiele aber nicht wirk­lich hil­fre­ich sind. Impro­vi­sa­tion auf der Basis des Vorhan­de­nen, Konzen­tra­tion auf das Mach­bare, sowie kurzfristige Anpas­sun­gen an neue Sit­u­a­tio­nen, mit dann auch wech­sel­nden Pri­or­itäten, bleiben sich­er ange­sagt.

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