USA — Flugzeugträger ENTERPRISE gehört wieder zur fahrenden Flotte

Flugzeugträger ENTERPRISE ist nach ein­er zwei­jähri­gen Werftliegezeit wieder zur fahren­den Flotte zurück gekehrt.

Marineforum - ENTERPRISE verlässt die Werft (Foto: US Navy)
ENTERPRISE ver­lässt die Werft
Bildquelle: US Navy

Eigentlich waren für die Grundüber­hol­ung nur 16 Monate vorge­se­hen. Schon im August 2009 sollte der derzeit dien­stäl­teste (Indi­en­st­stel­lung 1961!) Flugzeugträger der US Navy zurück gegeben wer­den, aber nur kurz nach­dem er im April 2008 die Werft in New­port News ange­laufen hat­te, wurde klar, dass die Arbeit­en umfan­gre­ich­er — und teur­er – sein wür­den als gedacht.

Obwohl die ENTERPRISE vor Beginn ihrer Über­hol­ung „keine wirk­lichen Beschw­er­den“ gezeigt hat­te, gab es bei näher­er Begutach­tung der schiff­stech­nis­chen Anla­gen immer neue Hiob­s­botschaften. Min­destens ein Dutzend zusät­zliche Aufträge mussten noch während der Werftliegezeit vergeben wer­den. Vieles war nicht mehr ein­fach zu repari­eren, son­dern musste kom­plett erneuert wer­den, und nach fast 50 Jahren war auch die Ersatzteilbeschaf­fung prob­lema­tisch. So mussten für Pumpen neue Gehäuse extra ange­fer­tigt wer­den; Elek­tro­mo­toren und Gen­er­a­toren mussten aus­ge­baut wer­den und erhiel­ten von Hand neue Wick­lun­gen. Alle sechs alten Kli­maan­lage waren am Ende ihrer Nutzbarkeit angekom­men; im ganzen Schiff mussten alte Rohrleitun­gen und Elek­trok­a­bel durch neue erset­zt wer­den. Bei den Damp­fan­la­gen (Atom­reak­toren erzeu­gen Antrieb­s­dampf) blieb prak­tisch „kein Teil unberührt“.

Die Verzögerun­gen wirk­ten sich nach­haltig auf die Ein­satz­pla­nung der gesamten Flotte aus. Die ENTERPRISE sollte schon 2010 ihren näch­sten oper­a­tiv­en Ein­satz begin­nen. Da sie nicht ver­füg­bar war, mussten Ein­sätze der NIMITZ und der HARRY S. TRUMAN samt den zu den jew­eili­gen Kampf­grup­pen gehören­den Schiffe von sechs auf acht Monate ver­längert und der der TRUMAN überdies zeitlich geschoben wer­den. Als dann auch noch Kosten­steigerun­gen von geplanten US$ 453 Mio. auf US$ 662 Mio. zu ver­buchen waren, wurde die Notwendigkeit der Über­hol­ung zunehmend grund­sät­zlich in Frage gestellt. Immer­hin war von vorn­here­in klar, dass die ENTERPRISE nach ihrer Werftliegezeit nur noch einen einzi­gen oper­a­tiv­en Ein­satz fahren und 2012 außer Dienst gestellt wer­den sollte. Ein Verzicht auf die Grundüber­hol­ung hätte sich­er Geld ges­part, hätte allerd­ings auch bedeutet, dass für die US Navy im Ern­st­fall nicht mehr die unter strate­gis­chen Erwä­gun­gen vorgegebene Min­destanzahl an Flugzeugträgern ver­füg­bar gewe­sen wäre.

Nun ist der 93.000 ts große einzige „Vor-NIMITZ“-Träger nach Absolvierung („mit Bravour“) von Abnah­me­fahrten und Erprobun­gen wieder betrieb­s­bere­it. In den kom­menden Wochen wer­den Schiff und Besatzung allmäh­lich wieder zur oper­a­tiv­en Ein­satzreife gebracht. Ein­er der ersten Schritte sind dabei schon in diesen Tagen begin­nende „Flight Deck Qual­i­fi­ca­tions“, um die Fliegende Kom­po­nente als Haupt­waf­fen­sys­tem wieder an Bord zu bekom­men. Nach Einze­laus­bil­dung und Flu­gaus­bil­dung, Ein­satz­grup­pe­naus­bil­dung mit abschließen­der Übung COMPTUEX und schließlich ein­er kom­plex­en Joint Task Force Exer­cise (JTFEX) wird die ENTERPRISE dann im kom­menden Jahr in ihren let­zten sechsmonati­gen Ein­satz im Ara­bis­chen Meer/Persischen Golf entsandt.

In Koop­er­a­tion mit “Marine­Fo­rum — Zeitschrift für mar­itime Fra­gen

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