USA — Erheblicher Druck zu realen und substantiellen Einsparungen

Unter erhe­blichem Druck zu realen und sub­stantiellen Einsparun­gen blickt die US Navy nun offen­bar auch auf ihr „Tafel­sil­ber“.

„Pen­ta­gon-Offiziellen“ zufolge wird ern­sthaft über­legt, auf einen Flugzeugträger sowie eine Car­ri­er Air Wing zu verzicht­en. Namentlich genan­nt wird der in Yoko­su­ka (Japan) sta­tion­ierte Flugzeugträger GEORGE WASHINGTON. Das 1992 in Dienst gestellte Schiff ist zwar bei Weit­em nicht der älteste aktive Flugzeugträger, aber es soll nach derzeit­iger Pla­nung 2016 mit der rou­tinemäßig zur Mitte der für die Träger der NIMITZ-Klasse auf ins­ge­samt 50 Jahre ver­an­schlagten „Leben­szeit“ vorge­se­henen Grundüber­hol­ung mit Neube­fül­lung des Reak­tors begin­nen. Ein solch­er „Refu­el­ing and Com­plex Over­haul“ (RCOH) dauert üblicher­weise drei Jahre, und die GEORGE WASHINGTON wäre damit ohne­hin län­gere Zeit nicht ver­füg­bar. Mit Verzicht auf den RCOH würde der Flugzeugträger zwar nur etwas mehr als die Hälfte sein­er vorge­se­henen Zeit in Dienst bleiben, aber er stünde der US Navy noch etwas länger als bis 2016 zur Ver­fü­gung – so lange der derzeit­ige Reak­tor­brennstoff eben reicht – und der nach­fol­gende Verzicht würde tat­säch­lich sub­stantielle Einsparun­gen gener­ieren.

Marineforum - GEORGE WASHINGTON (Foto: US Navy)
GEORGE WASHINGTON (Foto: US Navy)

Um mit Einsparun­gen nicht noch einige Jahre warten zu müssen, soll anstelle der GEORGE WASHINGTON zunächst auch an die ABRAHAM LINCOLN gedacht wor­den sein, für die der RCOH schon im Som­mer 2012 begin­nt. Allerd­ings sind die Mit­tel dafür bere­its ins Bud­get eingestellt (Umwid­mungen wür­den prob­lema­tisch), und die Werft in New­port News hat zur Vor­bere­itung überdies auch schon feste Aufträge mit einem Gesam­tum­fang von mehr als 200 Mio. US-Dol­lar erhal­ten. Dieses Geld wäre dann abzuschreiben. Für den geplanten RCOH der GEORGE WASHINGTON find­en sich im aktuellen Bud­get noch keine Mit­tel, es gibt noch keine verbindlichen Aufträge, und ein Verzicht stünde prob­lem­los auch im Ein­klang mit der poli­tis­chen Forderung nach Einsparun­gen „in den kom­menden zehn Jahren“.

Zunächst hat­te die US Navy wohl über­legt, Geld durch die zeitliche Streck­ung des Baus der neuen Flugzeugträger GERALD R. FORD um ein bis zwei Jahre und der JOHN F. KENNEDY um mehrere Jahre zu sparen. Bei Verzicht auf die GEORGE WASHINGTON wäre dies nicht mehr notwendig, und man kön­nte bei den Neubaut­en zur ursprünglichen Pla­nung zurück kehren.

Ob diese Über­legun­gen tat­säch­lich real­isiert wer­den (kön­nen) bleibt abzuwarten. Mit vorzeit­iger Aus­musterung der GEORGE WASHINGTON und ein­er Car­ri­er Air Wing würde die US Navy über nur noch zehn Car­ri­er Strike Groups ver­fü­gen – und gel­tende Geset­ze fordern noch eine „11-Ship Force“. Der US Con­gress müsste hier also mit ein­er Geset­zesän­derung seinen Segen geben – im begin­nen­den Präsi­dentschafts-Wahlkampf sich­er ein „heißes Eisen“. Dementsprechend hält man sich bei der US Navy auch mit Kom­mentaren zu den ange­blichen Über­legun­gen zurück, will die Presse­berichte wed­er bestäti­gen noch demen­tieren. Man beg­nügt sich mit dem Hin­weis, dass eine solche Maß­nahme sich — wenn über­haupt — früh­estens im Bud­get für das Haushalt­s­jahr 2013 find­en werde, und dessen erster Entwurf werde erst im Feb­ru­ar 2012 dem US Con­gress übergeben. Vorher sei es abso­lut unangemessen, mögliche Details öffentlich zu disku­tieren.

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