USA – Ein neuartiges Material soll die Zielwirkung von Marschflugkörpern und Granaten deutlich erhöhen


Waffenwirkung resultiert bisher überwiegend aus dem in einem Gefechtskopf befindlichen Sprengstoff: entweder durch Explosion im Ziel (Druck, Hitze) oder durch gezielte Zerlegung der Geschosshülle (kinetische Energie der Splitter). Dies könnte sich demnächst ändern. Das Office of Naval Research (ONR) hat in den letzten fünf Jahren ein High-Density Reactive Material (HDRM) entwickelt, das Metalle mit Polymeren und Oxidanten kombiniert und dabei die Festigkeit von Aluminiumlegierungen, zugleich aber auch die Dichte von Stahl hat. Mit diesen Eigenschaften könnte es problemlos an die Stelle bisheriger Stahl-Geschosshüllen treten.

Marineforum - HDRM grundsätzlich auch für Harpoon geeignet (Foto: US Navy)
HDRM grundsätzlich auch für Harpoon geeignet
Bildquelle: US Navy

Beim Auftreffen auf ein Ziel (oder bei z.B. Flugabwehr-Geschossen auch Annäherung an ein Ziel) zerlegt sich auch eine HDRM Geschosshülle in zahlreiche Fragmente, die nun allerdings nicht nur „rein kinetisch“ mehr oder weniger tief in ein Ziel eindringen, z.B. die Wände von Schiffsaufbauten durchschlagen, sondern dort in einer chemischen Reaktion selbst explodieren oder schnell verbrennen und damit die Zielwirkung insgesamt deutlich erhöhen. Das ONR spricht von “up to five times the energy of existing armaments”.

Erste praktische Tests haben gezeigt, dass aus HDRM gefertigte Granaten die beim Abschuss auftretenden Drücke und Beschleunigungen problemlos verkraften. Noch in diesem Monat sind weitere Tests geplant, denen dann im September eine groß angelegte Demonstration gegen (stationäre) Mehrfachziele an Land folgen soll. Nach Auffassung des ONR ist HDRM wohl grundsätzlich geeignet, Stahl in sämtlichen Geschossen – vom Marschflugkörper über Artilleriegranaten bis hin zu Gewehrmunition – zu ersetzen. Problematisch ist allerdings der Preis. Ein HDRM-Geschoss dürfte das drei- bis vierfache eines normalen Geschosses kosten. Das ONR befürchtet denn auch, dass unter den derzeitigen Budgetzwängen die Entwicklung durchaus im Sande verlaufen könnte.

In Kooperation mit „MarineForum – Zeitschrift für maritime Fragen

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