Update Piraterie — Stand 29.01.2012

An der “Piraten­front” vor dem Horn von Afri­ka blieb es in der abge­laufe­nen Woche ungewöhn­lich ruhig. Es gab wed­er Berichte über neue Kape­run­gen, noch über Angriffe auf Han­delss­chiffe. Nur einige wenige Male melde­ten Kapitäne von Han­delss­chif­f­en verdächtige Skiffs, die jedoch keine Ver­suche unter­nah­men, ein Schiff tat­säch­lich anzus­teuern. Meist dürfte es sich dabei um harm­lose Fis­ch­er gehan­delt haben. Allerd­ings sind weit­er­hin mehrere Grup­pen Pirat­en mit Mut­ter­schif­f­en (meist zuvor gekaperte Dhaus) in der Region unter­wegs. Vor­sicht bleibt also geboten.

Marineforum - Quelle: Google Maps
Quelle: Google Maps

Ein Zwis­chen­fall wird in Verbindung mit Pirat­en gebracht, obwohl hier vielle­icht Zweifel ange­bracht sind. Am 25. Jan­u­ar befre­it­en Kampf­schwim­mer (SEALs) der US Navy zwei vor drei Monat­en in Soma­lia (nicht auf See) ent­führte Ange­hörige zivil­er Hil­f­sor­gan­i­sa­tio­nen. Bei­de Geiseln blieben bei der früh­mor­gens um 02:00 Uhr durchge­führten Aktion unversehrt; „min­destens acht“ der Ent­führer wur­den getötet. Die SEALs wur­den per Fallschirm abge­set­zt; die befre­it­en Geiseln anschließend nach Dji­bouti aus­ge­flo­gen. Man kann ver­muten, dass der Ein­satz auch dort begann, dass also kein US-Kriegss­chiff involviert war.

Einige Medi­en melde­ten zunächst den Küstenort Harad­heere – eine Piraten­hochburg – als Schau­platz des Geschehens. Die US-Presseerk­lärung nen­nt dage­gen den etwa 180 km von der Küste ent­fer­n­ten, nahe der Gren­ze zu Äthiopi­en gele­ge­nen Ort Gal­cayo. Auch offizielle Quellen sprechen von „Pirat­en“, aber ob es dort über­haupt Pirat­en gibt, ist unklar. Grund­sät­zlich ist dies wohl nicht völ­lig auszuschließen; wahrschein­lich­er sind aber doch eine Rebel­len­gruppe oder ein örtlich­er Clan, der möglicher­weise Verbindun­gen zu Pirat­en unter­hält, den Seeräu­bern aber nicht direkt zuzurech­nen ist.

Schon die Vorgeschichte weist einige Ungereimtheit­en auf. So sollen die bei­den Geiseln ange­blich zwar von Rebellen ent­führt, dann aber Pirat­en übergeben wor­den sein, weil diese „größere Erfahrung in der Erpres­sung von Lösegeld“ hät­ten. In diesem Fall hätte man allerd­ings erwarten dür­fen, dass die Geiseln dann in eine der Piraten­hochbur­gen an der Küste gebracht wor­den wären, zu den anderen — laut Ecoter­ra ins­ge­samt mehr als 400 – Geiseln.

Wenn die Ent­führer denn keine „echt­en“ Pirat­en waren, sind wohl poli­tis­che Gründe für die „Piraten­sto­ry“ anzunehmen. Die aktive Bekämp­fung von Pirat­en – auch auf soma­lis­chen Ter­ri­to­ri­um – ist durch UN Res­o­lu­tio­nen sank­tion­iert. Als Anti-Pira­terie Oper­a­tion stünde der Ein­satz der SEALs damit auf sicherem rechtlichen Boden und wäre kein (im US Wahlkampf) sofort heftige Debat­ten aus­lösender Schritt auf dem Wege zu ein­er neuer­lichen US-Inter­ven­tion in Soma­lia.

Marineforum - ACONIT (Foto: franz. Marine)
ACONIT (Foto: franz. Marine)

Zugle­ich würde den wirk­lichen Pirat­en an der Küste eine deut­lich härtere Gan­gart sig­nal­isiert. Die reagieren denn auch schon und kündi­gen an, ihre Geiseln an andere Orte zu brin­gen.

Aktuelle Entwick­lun­gen bei Ein­satzkräften

Die franzö­sis­che Fre­gat­te ACONIT (LA FAYETTE-Klasse) ist auf dem Weg zu einem mehrmonati­gen Ein­satz am Horn von Afri­ka. Das Schiff soll sich der EU Nav­For in der Anti-Pira­terie Oper­a­tion „Ata­lan­ta“ der Europäis­chen Union anschließen.

Am 23. Jan­u­ar ver­ließ die britis­che TYPE 23 Fre­gat­te WESTMINSTER ihren Heimath­afen Portsmouth. In einem schon länger geplanten, ins­ge­samt sieben­monati­gen Rou­ti­neein­satz „East of Suez“ soll sie Schwest­er­schiff SOMERSET in der Anti-Ter­ror Oper­a­tion „Endur­ing Free­dom“ ablösen und zeitweilig auch in Anti-Pira­terie Oper­a­tio­nen vor dem Horn von Afri­ka einge­bun­den wer­den. Einige Medi­en wollen jedoch in der Ver­legung vor allem auch einen Zusam­men­hang mit der aktuellen Lageen­twick­lung um den Iran (s.u.) erken­nen.

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