Update Piraterie — Stand 25.09.2011

Ungeachtet aller Prog­nosen dauert der Mon­sun in diesem Jahr offen­bar länger als üblich, und in weit­en Teilen des offe­nen Indiks erlauben Wind und Wellen noch immer keine Kaper­fahrten mit kleinen Skiffs. Den Kapitä­nen von Han­delss­chif­f­en kann dies nur recht sein, aber die derzeit­ige rel­a­tive Ruhe wird nicht lange anhal­ten. Im nördlichen Soma­li­abeck­en und Teilen des Ara­bis­chen Meeres beruhigt sich das Wet­ter bere­its, und es gibt erste Hin­weise, dass hier auch schon von Pirat­en gekaperte und als Mut­ter­schiff genutzte Dhaus zu Raubzü­gen unter­wegs sind. In den Pira­ten­camps an der soma­lis­chen Küste sind zunehmende Aktiv­itäten erkennbar; Whaler (Mut­ter­boote) und Skiffs wer­den für baldige Seefahrt vor­bere­it­et.

Min­destens eine Piraten­gruppe hat sich schon auf den Weg gemacht und ist im südlichen Soma­li­abeck­en aktiv. Am 17. Sep­tem­ber wurde etwa 90 sm östlich von Mom­basa der Stückgut­frachter AN NING JIANG von Pirat­en in einem Skiff ange­grif­f­en und beschossen. Als ein eingeschifftes, bewaffnetes Sicher­heit­steam das Feuer erwiderte, drehte das Skiff sofort ab.

Marineforum - Evakuierung von der brennenden PACIFIC EXPRESS (Foto: ital. Marine)
Evakuierung von der bren­nen­den PACIFIC EXPRESS (Foto: ital. Marine)

Drei Tage später grif­f­en Pirat­en (möglicher­weise die gle­iche Gruppe) eben­falls östlich von Mom­basa aber 100 sm weit­er auf See den griechis­chen (Flagge Zypern) Frachter PACIFIC EXPRESS an. Hier gab es kein Sicher­heit­steam, und die Ver­brech­er kon­nten den Frachter auch entern.

Mit Beginn des Angriffs hat­te der Kapitän einen Notruf abge­set­zt und seine Besatzung in einen Sicher­heit­sraum befohlen; als die Pirat­en sein Schiff enterten, ver­bar­rikadierte auch er sich dort. Da die Pirat­en nach dem Notruf mit baldigem Erscheinen eines Kriegss­chiffes rech­nen mussten, zu den Geiseln aber nicht vor­drin­gen kon­nten, brachen sie den Über­fall ab.

Frus­tri­ert legten sie Feuer und set­zten sich dann mit ihrem Skiff ab. Der etwas später ein­tr­e­f­fende ital­ienis­che Zer­stör­er ANDREA DORIA (NATO) kon­nte die Besatzung unversehrt abber­gen und nach Mom­basa brin­gen. Die bren­nende PACIFIC EXPRESS blieb zurück; inzwis­chen soll ein zivil­er Bergeschlep­per beim Havaris­ten sein.

Anson­sten beschränken Pirat­en ihre Aktiv­itäten zur Zeit noch immer auf küsten­na­he Gewäss­er oder ruhige Seege­bi­ete inner­halb des Golfs von Aden. Am 15. Sep­tem­ber griff ein Skiffs vor der oman­is­chen Küste den ger­ade aus Salalah aus­ge­laufe­nen nor­wegis­chen Frachter SPAR GEMINI an, drehte nach Warn­schüssen eines eingeschifften, bewaffneten Sicher­heit­steams aber sofort ab. Ein weit­er­er möglich­er Kaper­ver­such wird aus der Meerenge des Bab el Man­deb im West­ein­gang zum Golf von Aden gemeldet. Hier ist aber unklar, ob es sich wirk­lich um Pirat­en gehan­delt hat, oder nicht ein zu nahe kom­mender harm­los­er Fis­ch­er einen Han­delss­chiff­skapitän nervös gemacht hat. Ein tat­säch­lich­er Angriff hat offen­bar nicht stattge­fun­den.

WEST AFRIKA
Pirat­en haben am 24. Sep­tem­ber den zehn zuvor vor der Küste Benins gekaperten spanis­chen (Flagge Zypern) Tanker MATTHEOS I wieder frei gegeben. Bis auf einen leicht Ver­let­zten blieb die Besatzung (23) unversehrt. Eine Lösegeld­forderung war nicht erhoben wor­den. Wie „üblich“, beg­nügten sich die Pirat­en damit, in ein­er ver­steck­ten Bucht an der Küste (ver­mut­lich vor Nigeria/Niger Delta) einen Großteil der Ladung Dieselkraft­stoff zum Verkauf auf dem Schwarz­markt abzupumpen.

Aktuelle Entwick­lun­gen bei Ein­satzkräften

Die vor Beginn der „Piraten­sai­son“ am Ende der Mon­sun­zeit vorgenomme­nen Ablö­sun­gen und Ver­stärkun­gen bei den diversen am Horn von Afri­ka operieren­den Ein­satz­grup­pen und in nationalem Auf­trag einge­set­zten Mari­nen sind weit­ge­hend abgeschlossen. Ein aus dem Paz­i­fik zulaufend­er Ver­band mit dem Zer­stör­er ADMIRAL PANTELEYEV dürfte in diesen Tagen den Golf von Aden erre­ichen. Die spanis­che Fre­gat­te SANTA MARIA ist nach Ende ihres Ein­satzes bei der EU Nav­For am 21. Sep­tem­ber in ihren Heimath­afen zurück gekehrt.

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