Update Piraterie — Stand 25.03.2012

Die Ruhe der vor­let­zten Woche war nicht von langer Dauer. In der nun abge­laufe­nen Woche wur­den wieder drei ver­suchte Über­fälle soma­lis­ch­er Pirat­en gemeldet; sie blieben glück­licher­weise erfol­g­los.

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Karte: gcaptain.com

Am 17. März grif­f­en Pirat­en im Golf von Aden, 70 sm südöstlich von Mukallah (Jemen) mit einem Skiff den Pro­duk­ten­tanker TRANS CATALONIA an. An Bord war ein bewaffnetes Sicher­heit­steam eingeschifft, und als dieses vom Skiff abge­feuerte Schüsse erwiderte, brachen die Pirat­en ihren Über­fall sofort ab. Auch ein zweit­er Über­fall am gle­ichen Tag endete für die Pirat­en ohne Beute. Im Soma­li­abeck­en, etwa 120 sm östlich von Hobyo (Soma­lia) ver­sucht­en sechs Män­ner in einem Skiff einen Frachter zu kapern, der ihnen aber durch Auswe­ich­manöver und Fahrter­höhung entkom­men kon­nte. Zwei Tage später startete die ver­mut­lich gle­iche Gruppe von Pirat­en im gle­ichen Gebi­et erneut einen Über­fall. Ziel war dies­mal ein Con­tain­er­schiff, das sie auch schon mit Gewehren und ein­er Panz­er­faust­granate beschossen. Ein eingeschifftes bewaffnetes Sicher­heit­steam zwang sie dann aber schnell zum Abdrehen. Der am 17. März auf die TRANS CATALONIA ver­suchte Über­fall hat­te für die Pirat­en noch ein Nach­spiel. Der Kapitän des ange­grif­f­e­nen Schiffes set­zte einen Notruf ab, auf den gle­ich zwei in der Nähe befind­liche Kriegss­chiffe reagierten. Der US Zer­stör­er BENFOLD und die türkische Fre­gat­te GIRESUN (bei­de NATO) nah­men Kurs auf den Ort des Geschehens, und der Bor­d­hub­schrauber der Fre­gat­te kon­nte das mut­maßlich am Über­fall beteiligte Skiff (ein Foto lässt Enter­leit­ern deut­lich erken­nen) auch stop­pen.

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GIRESUN stellt Pirat­en (Foto: NATO)

Ein Board­ingteam stellte Pirate­naus­rüs­tung sich­er und meldete dann „die erfol­gre­iche Neu­tral­isierung der Piraten­gruppe“. Mit dieser Mel­dung endet der offizielle Presse­bericht der NATO. Man kann davon aus­ge­hen, dass die sieben Pirat­en an Bord des Skiffs nicht fest­ge­set­zt wur­den, son­dern nach Kon­fiszierung ihrer Aus­rüs­tung und „über­schüs­si­gen“ Kraft­stoffs unbe­hel­ligt in Rich­tung soma­lis­che Küste ent­lassen wur­den. Die Beweise, dass ger­ade diese Pirat­en den Über­fall auf die (inzwis­chen weit­er gefahrene) TRANS CATALONIA ver­sucht hat­ten, dürften nicht aus­gere­icht haben.

Die EU Mit­gliedsstaat­en haben sich auf eine Ver­schär­fung der Rules of Engage­ment für Oper­a­tion „Ata­lan­ta“ geeinigt. Kün­ftig dür­fen Schiffe und Flugzeuge der EU Nav­For Aus­rüs­tung (Boote, Fahrzeuge, Kraft­stoff, Waf­fen und Muni­tion) von Pirat­en auch in soma­lis­chen Hoheits­gewässern und sog­ar an Land (am Strand) zer­stören. Dies hat­te vor mehr als drei Jahren, im Dezem­ber 2008, auch schon der UN-Sicher­heit­srat mit sein­er Res­o­lu­tion 1851 aus­drück­lich sank­tion­iert. Einige EU-Staat­en (darunter auch Deutsch­land) woll­ten so weit allerd­ings bish­er nie gehen. Die von der EU für Oper­a­tion „Ata­lan­ta“ beschlosse­nen Rules of Engage­ment reflek­tierten so schließlich nur den kle­in­sten gemein­samen Nen­ner, der den Ver­brech­er in ihren Stützpunk­ten an der soma­lis­chen Küste „Sank­tu­ar­ien“ bescherte und sie dort völ­lig unbe­hel­ligt ließ.

Fast gle­ichzeit­ig haben die NATO-Botschafter eine Ver­längerung der NATO-Oper­a­tion „Ocean Shield“ bis Dezem­ber 2014 beschlossen, aber sie bil­ligten für die unter NATO-Führung operieren­den Schiffe (großteils übri­gens der gle­ichen Mari­nen, die auch in der EU Nav­For einge­set­zt sind) unverän­dert kein­er­lei Aktio­nen an Land.

Kurzmel­dun­gen

  • Um den nationalen Waf­fenge­set­zen regionaler Anrain­er­staat­en aus dem Weg zu gehen und Kosten zu min­imieren, haben einige pri­vate Sicher­heits­fir­men damit begonnen, in inter­na­tionalen Gewässern vor dem Horn von Afri­ka „schwim­mende Waf­fenkam­mern“ zu unter­hal­ten. Hier übernehmen die auf Han­delss­chif­f­en einzuschif­f­end­en Sicher­heit­steams für ihren jew­eili­gen Auf­trag Waf­fen und Muni­tion und geben nach Ende ihrer Mis­sion bei­des dort auch wieder ab. Mögliche Beschränkun­gen durch Aufla­gen örtlich­er Behör­den wer­den so nach­haltig ver­mieden.
  • Am 22. März grif­f­en Pirat­en in einem offen­bar von einem Mut­ter­schiff aus­ge­set­zten Skiff im Golf von Guinea, etwa 90 sm vor der nige­ri­an­is­chen Küste, kurz nacheinan­der zwei Han­delss­chiffe an. In bei­den Fällen kon­nten die Schiffe durch Auswe­ich­manöver entkom­men. Solche Über­fälle nach „soma­lis­chem Muster“ sind vor West­afri­ka noch die Aus­nahme. Es wird aber befürchtet, dass sich hier eine neuer Trend abze­ich­net.

Aktuelle Entwick­lun­gen bei Ein­satzkräften

Nach etwas mehr als zwei­wöchiger Reise hat die 11. Ein­satz­gruppe der chi­ne­sis­chen Marine (Zer­stör­er QINGDAO, Fre­gat­te YANTAI und Flot­ten­ver­sorg­er WEISHAN HU) am 15. März den Golf von Aden erre­icht und sich dort mit der seit Novem­ber im Ein­satz befind­lichen 10.Einsatzgruppe (Zer­stör­er HAIKOU, Fre­gat­te YUNZHENG. Flot­ten­ver­sorg­er POYANG HU) getrof­fen. Nach kurzen gemein­samen Übun­gen und Über­gabe lief die 10. Gruppe aus dem Oper­a­tions­ge­bi­et ab. Sie wird zunächst einen Abstech­er nach Süden zu einem Hafenbe­such in Mosam­bik machen und dann Kurs auf die Heimat nehmen. Auf dem Rück­weg ist auch noch ein Hafenbe­such in Thai­land geplant.

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MARNE (Foto: Michael Nitz)

Am 19. März hat sich in den Helder (Nieder­lande) die Fre­gat­te VAN AMSTEL auf den Weg ans Horn von Afri­ka gemacht; am 25. März lief das franzö­sis­che Führungsschiff/Versorger MARNE aus Toulon aus. Bei­de Schiffe sollen sich der EU Nav­For in Oper­a­tion „Ata­lan­ta“ anschließen. Die MARNE soll dabei übri­gens nicht auf die Funk­tion eines Unter­stützungss­chiffs zur bloßen Ver­sorgung der Kampf­schiffe der EU Nav­For beschränkt bleiben, son­dern aktiv in die Oper­a­tio­nen einge­bun­den wer­den.

Seit dem 23. März ver­stärken der franzö­sis­che Hub­schrauberträger DIXMUDE und der Zer­stör­er GEORGE LEYGUES für einige Tage die EU Nav­For. Bei­de Schiffe bilden den Aus­bil­dungsver­band der franzö­sis­chen Marine und führen ger­ade die Aus­bil­dungsreise „Mis­sion Jeanne d’Arc 2012“ durch. Wie bei der franzö­sis­chen Marine schon Rou­tine gehört zu den Kadet­te­naus­bil­dungsreisen immer auch die zeitweilige Ein­bindung in laufende Oper­a­tio­nen (mit franzö­sis­ch­er Beteili­gung) in den auf der Reise passierten Seege­bi­eten.

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