Update Piraterie — Stand 17.12.2011

Im Ara­bis­chen Meer und vor der soma­lis­chen Küste sind zur Zeit mehrere Piraten­grup­pen auf Kaper­fahrt, aber auch in dieser Woche war ihnen kein „Glück“ beschert. Zum einen wer­den sie im nördlichen Soma­li­abeck­en und im Ara­bis­chen Meer durch schlecht­es Wet­ter behin­dert; zum anderen aber zeigen zunehmend effek­tive Aufk­lärung durch inter­na­tionale See- und Seeluft­stre­itkräfte mit nach­fol­gen­der geziel­ter War­nung der Han­delss­chiff­fahrt sowie verbesserte Abwehrmaß­nah­men (Ein­schif­fung bewaffneter Sicher­heit­steams) deut­lich Wirkung.

So gab es in der abge­laufe­nen Woche nur ein einziges bericht­enswertes Vorkom­men. Am 10. Dezem­ber fing die US-Fre­gat­te DE WERT (NATO) eine zuvor von einem Aufk­lärungs­flugzeug gemeldete, verdächtige Dhau ab. Schw­eres Wet­ter ließ ein Board­ing zur Durch­suchung nicht zu, aber die Fre­gat­te wich der Dhau nun nicht mehr von der Seite und warnte sämtliche in der Nähe befind­lichen zivilen Schiffe, Abstand zu hal­ten. Ohne jede Aus­sicht auf Beute gaben die mut­maßlichen Pirat­en schließlich ent­nervt auf und steuerten die Dhau zurück zu ihrem Lager an der soma­lis­chen Küste. Von dort dürften sie sich allerd­ings schon bald wieder auf neue Kaper­fahrt machen.

Marineforum - US-Fregatte DE WERT (Foto: US Navy)
US-Fre­gat­te DE WERT (Foto: US Navy)

Die Europäis­che Union hat am 12. Dezem­ber in neues Konzept zu ein­er „Com­mon Secu­ri­ty and Defence Pol­i­cy” gebil­ligt, das die “Fähigkeit­en und Möglichkeit­en regionaler Staat­en (am Horn von Afri­ka) zur effek­tiv­en Kon­trolle ihrer Ter­ri­to­ri­al­gewäss­er und zur Bekämp­fung der Pira­terie” stärken soll. Zum einen sollen regionale Mari­nen bess­er zu Hochsee­op­er­a­tio­nen befähigt wer­den; zum anderen sollen in Soma­lia selb­st eine Küsten­polizei aus­ge­bildet sowie örtliche Richter (Gerichte) aus­ge­bildet und geschützt wer­den. Von ein­er materiellen Aus­rüs­tung der soma­lis­chen „Küsten­polizei“ ist allerd­ings keine Rede. Zahlre­iche Män­ner haben bere­its Lehrgänge durch­laufen, aber sie ver­fü­gen über keine Boote, nun auch tat­säch­lich die Auf­gaben ein­er kleinen Küstenwache wahrzunehmen. Grund dafür dürfte vor allem die (dur­chaus berechtigte) Befürch­tung der europäis­chen Staat­en sein, gelieferte Waf­fen und andere mil­itärische Aus­rüs­tung kön­nten in einem Sumpf von Kor­rup­tion ver­schwinden und let­z­tendlich sog­ar bei den islamistis­chen Milizen lan­den. Ander­er­seits liegen aber auch die Haupt­basen der Pirat­en weit von der durch die offizielle Regierung Soma­lias (Zen­tral­so­ma­lia) kon­trol­lierten Region ent­fer­nt – in den teil-autonomen Repub­liken Punt­land und Soma­liland. Die Ausstat­tung der zen­tral-soma­lis­chen „Küsten­polizei“ mit Booten kön­nte so kaum zur effek­tiv­en Bekämp­fung der regionalen Pira­terie beitra­gen.

Marineforum - MQ-p Reaper (Foto: US Air Force)
MQ‑p Reaper (Foto: US Air Force)

Aktuelle Entwick­lun­gen bei Ein­satzkräften

Eine von der US Air Force betriebene Aufk­lärungs­drohne MQ‑9 Reaper ist am 13. Dezem­ber auf dem Sey­chelles Inter­na­tion­al Air­port abgestürzt. Das Luft­fahrzeug war ger­ade zu einem Aufk­lärungs­flug in Rich­tung Soma­li­abeck­en ges­tartet, als es Prob­leme mit dem Trieb­w­erk gab. Der Ver­such ein­er Rück­kehr zum Flug­platz scheit­erte; die Drohne stürzte kurz vor Erre­ichen der Lan­de­bahn ab und ging in Flam­men auf. MQ‑9 Reaper wer­den seit eini­gen Monat­en abgestützt auf die Sey­chellen zur Aufk­lärung möglich­er Pirat­en im Soma­li­abeck­en und bis ins Ara­bis­che Meer hinein von der US Air Force einge­set­zt. Sie haben bei ein­er Flu­gaus­dauer von etwa 30 Stun­den einen Ein­satzra­dius von mehr als 3.000 km. Die von ein­er ent­fer­n­ten Boden­sta­tion (ggf. sog­ar aus den USA) fer­n­ge­lenk­ten Drohnen basieren auf der namentlich sich­er bekan­nteren Preda­tor, sind aber deut­lich größer als diese und wer­den u.a. in Afghanistan zur Luft­nahunter­stützung von Boden­trup­pen einge­set­zt. Dazu kön­nen sie an ins­ge­samt sechs Unter­flügel­sta­tio­nen auch Luft-Boden-Raketen und Präzi­sions­bomben mit­führen. Im Anti-Pira­terie Ein­satz sind die Reaper allerd­ings (bish­er) unbe­waffnet; ihre Aus­rüs­tung beschränkt sich auf Sen­soren im optis­chen und Infrarot­bere­ich sowie ein hoch auflösendes Radar.

Am 10. Dezem­ber hat sich der franzö­sis­che Zer­stör­er LA MOTTE PICQUET (GEORGES LEYGUES-Klasse) der EU Nav­For in Oper­a­tion „Ata­lan­ta“ angeschlossen.

Marineforum - LA MOTTE PICQUET (Foto: Bernard Prezelin / Flottes de Combat)
LA MOTTE PICQUET (Foto: Bernard Prezelin / Flottes de Com­bat)

Am 15. Dezem­ber ist der ital­ienis­che Zer­stör­er ANDREA DORIA in seinen Heimath­afen Tar­ent zurück gekehrt. Das Schiff war in den let­zten Monat­en als Flag­gschiff des ständi­gen NATO-Ein­satzver­ban­des SNMG‑1 im Rah­men der NATO-Oper­a­tion „Ocean Shield“ vor Soma­lia einge­set­zt. Die SNMG‑1 wurde kür­zlich von der SNMG‑2 abgelöst. Eben­falls am 15. Dezem­ber traf auch der nieder­ländis­che Ver­sorg­er ZUIDERKRUIS wieder in seinem Heimath­afen Den Helder ein. Für das 36-jährige Schiff war die Unter­stützung der EU Nav­For in Oper­a­tion „Ata­lan­ta“ let­zter oper­a­tiv­er Ein­satz; auf die ZUIDERKRUIS wartet jet­zt die Außer­di­en­st­stel­lung.

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