Update Piraterie — Stand 13. November 2011

Nur kurz kon­nten sich sechs soma­lis­che Pirat­en über ihre Beute freuen, dann war das am 4. Novem­ber von ihnen gekaperte tai­wane­sis­che Fis­chereifahrzeug CHIN I WEN wieder frei.

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CHIN I WEN (Foto: NATO)

Dessen Besatzung (u.a. ehe­ma­lige Sol­dat­en) hat­te einen Moment der Unaufmerk­samkeit genutzt und die Ent­führer ange­grif­f­en. Mehrere Tai­wane­sen wur­den bei der Aktion durch Schuss­waf­fen ver­let­zt, aber es gelang ihnen, die Pirat­en über Bord zu wer­fen bzw. zum Sprung ins Wass­er zu zwin­gen, wo sie von Kumpa­nen aufge­fis­cht wur­den. Die CHIN I WEN nahm anschließend Kurs auf die Sey­chellen; von dort lief ihr das Küstenwach­boot TOPAZ ent­ge­gen.

Am 7. Novem­ber sollen soma­lis­che Pirat­en nur etwa 60 sm west­lich der Sey­chellen ein von zwei Touris­ten gemietetes Fis­cher­boot (ARIDE) ent­führt haben. Nähere Angaben gibt es hier nicht.

Alle weit­eren in der abge­laufe­nen Woche gemeldete Über­fälle scheit­erten. Am 8. Novem­ber soll staatlichen iranis­chen Medi­en zufolge die iranis­che Fre­gat­te JAMARAN im südlichen Roten Meer, etwas nördlich der Meerenge des Bab el Man­deb, einen Angriff von gle­ich 15 Skiffs auf einen von ihr begleit­eten iranis­chen Tanker abgewehrt haben. Andere Quellen bericht­en nicht über diesen Zwis­chen­fall. Natür­lich kann er (vielle­icht mit weniger Skiffs) stattge­fun­den haben, wahrschein­lich­er ist aber, dass die JAMARAN nur eine Gruppe jemeni­tis­ch­er Fis­ch­er aus dem Kurs des Tankers ver­trieben hat. Es fällt auf, dass aus diesem Seege­bi­et staatliche iranis­che Medi­en (und nur diese) immer wieder „Masse­nan­griffe“ auf iranis­che Schiffe (und nur auf diese) melden, die dann durch die iranis­che Marine (und nur durch diese) vere­it­elt wer­den.

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KOELN stellt gakaperte Dhau (Foto: EU NavFor)EU

Ein ander­er Über­fall ist allerd­ings durch Fak­ten belegt. Am 11. Novem­ber geleit­ete das indis­che Wach­schiff SUKANYA eine Gruppe von Han­delss­chif­f­en auf dem inter­na­tionalen Schiff­fahrtsweg (IRTC) durch den Golf von Aden, als plöt­zlich eine Gruppe von fünf Skiffs den Kon­voi angriff. Zu spät bemerk­ten die Pirat­en die SUKANYA, dreht­en ab und sucht­en ihr Heil in der Flucht. Nur zwei Skiffs kon­nten noch entkom­men, die anderen drei wur­den gestellt. Waf­fen und Muni­tion an Bord der Boote wur­den beschlagnahmt, ins­ge­samt 26 mut­maßliche Pirat­en festgenom­men. Ihr weit­eres Schick­sal (Strafver­fol­gung in Indi­en oder baldige Freilas­sung?) ist derzeit offen.

Drei Tage zuvor hat­te die deutsche Fre­gat­te KOELN (EU Nav­For) im Soma­li­abeck­en die von Pirat­en ent­führte und als Mut­ter­schiff genutzte jemeni­tis­che Fis­ch­er-Dhau AL JABAL gestoppt. Ein Board­ingteam traf auf keinen Wider­stand. An Bord fan­den sich 19 soma­lis­che mut­maßliche Pirat­en und zwei jemeni­tis­che Fis­ch­er. Ein deutsches „Prisenkom­man­do“ steuert die Dhau nun nach Al Mukhal­la (Jemen), wo sie und die zwei Jemeniten der dor­ti­gen Küstenwache übergeben wer­den sollen. Die 19 mut­maßlichen Ent­führer mussten zur soma­lis­chen Küste gebracht und dort wieder frei gelassen wer­den. Die zwei Jemeniten woll­ten nicht gegen sie aus­sagen, und damit reichen die Beweise für eine Strafver­fol­gung nicht aus.

Kurzmel­dun­gen

  • Nige­ri­an­is­che Pirat­en haben nach ein­er Woche den vor dem Niger-Delta gekaperten Tanker HALIFAX wieder frei gegeben. Wie erwartet, wurde nur die Ladung abgepumpt; Schiff und Besatzung durften dann ihres Wegen ziehen.

Aktuelle Entwick­lun­gen bei Ein­satzkräften

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TOOWOOMBA (Foto: RAN)

Die franzö­sis­che Marine löst ihre Ein­satzkräfte am Horn von Afri­ka ab. Die seit drei Monat­en in der EU Nav­For einge­set­zte Fre­gat­te SURCOUF nahm am 10. Novem­ber Kurs auf die Heimat. Schon einen Tag zuvor hat­te die Fre­gat­te FLOREAL ihren Platz in der EU Oper­a­tion „Ata­lan­ta“ ein­genom­men. In Brest (Frankre­ich) hat sich die Fre­gat­te LA MOTTE PIQUET auf den Weg in den Indik gemacht. Das Schiff wird sich dort der Anti-Ter­ror Oper­a­tion „Endur­ing Free­dom“ (CTF-150) anschließen, in den kom­menden Monat­en zeitweilig aber auch die EU Nav­For in Oper­a­tion „Ata­lan­ta“ unter­stützen.

Die aus­tralis­che Fre­gat­te TOOWOOMBA hat mit Ein­laufen in Syd­ney einen 6‑monatigen Mit­telost-Ein­satz abgeschlossen. Das im Rah­men der nationalen Oper­a­tion „Slip­per“ im und vor dem Per­sis­chen Golf einge­set­zte Schiff der ANZAC-Klasse war zeitweilig auch in den multi­na­tionalen Anti-Pira­terie Ver­band CTF-151 inte­gri­ert.

Mit Unter­stützung mar­itimer Ver­sicherungs­ge­sellschaften wird die britis­che Sicher­heits­fir­ma Con­voy Escort Pro­gramme Ltd. in eini­gen Monat­en Geleitschutz durch den Golf von Aden anbi­eten. (Zunächst) sieben ehe­ma­lige Marine-Wach­boote mit bewaffneten Sicher­heit­steams an Bord sollen Kon­vois mit jew­eils etwa vier Schif­f­en durch den Golf von Aden begleit­en und sich­ern. Der Preis für ein solch­es drei- bis viertägiges Geleit wird mit etwa 30.000 US-Dol­lar pro Schiff angegeben.

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