Update Piraterie — Stand 01. Juli 2012

Am 21. Juni endete für die Besatzung eines südafrikanis­chen Segel­bootes eine 20-monatige Gefan­gen­schaft; soma­lis­che Pirat­en hat­ten ihre kleine Jacht Ende Okto­ber 2010 gekapert. Die franzö­sis­che Fre­gat­te FLOREAL hat­te das Boot damals bis an die soma­lis­che Küste ver­fol­gt, kon­nte aber unter der Geisel­lage nicht ein­greifen. Als die Pirat­en an der Küste die Insassen an Land brin­gen woll­ten, kon­nte der Skip­per über Bord sprin­gen und von einem direkt in der Nähe ste­hen­den Bei­boot der Fre­gat­te aufgenom­men wer­den. Die anderen zwei Insassen wur­den an Land ver­schleppt. Nun sind auch sie wieder frei. Zu möglichen Lösegeldzahlun­gen gibt es keine Infor­ma­tio­nen. Am 25. Juni gaben soma­lis­che Pirat­en auch eine erst am 20. Juni vor Masir­ah (Oman) gekaperte kleine Dhau wieder frei. Offen­bar war das Fahrzeug wed­er für Lösegelder­pres­sung noch als Mut­ter­schiff für weit­ere Über­fälle geeignet.

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EVERT­SEN-Kom­man­dos stellen Dhow (Foto: niederl. Marine)
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Im größten Teil der Region hin­dert der saisonale Süd­west-Mon­sun mit Wind­stärken über 6 und Wellen­höhen von etwa drei Meter die Pirat­en weit­er­hin an Über­fällen. Aktiv wer­den sie denn auch nur in eini­gen eng begren­zten Seege­bi­eten, wo die Ver­hält­nisse (z.B. auch unter Land­schutz) bess­er sind. So grif­f­en Pirat­en in zwei Skiffs am 25. Juni im nördlichen Golf von Oman, unmit­tel­bar vor dem Südein­gang der Straße von Hor­muz einen Flüs­sig­gas­tanker an. Dessen Auswe­ich­manöver hin­derten sie aber am Entern. Als dann ein iranis­ches Kriegss­chiff am Schau­platz des Geschehens erschien und den Schutz des Tankers über­nahm brachen die Pirat­en ihr Vorhaben sofort ab und sucht­en mit ihren Skiffs das Weite.

Unter den derzeit­i­gen Wet­terbe­din­gun­gen wer­den auch schon mal „untaugliche“ Ver­suche unter­nom­men, ein Schiff zu kapern. So steuerten am 27. Juni Pirat­en im Ostein­gang des Golfs von Aden, etwa 110 sm nördlich von Soco­tra, direkt mit ihrem Mut­ter­schiff, ein­er kleinen Dhau, den Mas­sen­gut­frachter NAMRUN an. Wind und Wellen macht­en das Aus­set­zen von Skiffs unmöglich, und so ver­sucht­en sie, den Frachter von der Dhau aus durch Beschuss mit Kalash­nikovs zu stop­pen. Erst nach einem län­geren Feuerge­fecht mit einem eingeschifften, bewaffneten Sicher­heit­steam brachen sie ihr Vorhaben ab. Der Kapitän alarmierte die Lagezen­tren, und die Suche nach der Dhow begann.

Zwei Tage später stellte die nieder­ländis­che Fre­gat­te EVERTSEN (NATO) das Fahrzeug. Die oman­is­che Dhau NEBARKAD war am 20. Juni gekapert und seit­dem mit ihren sieben Mann Besatzung (Inder/Bangladeshi) als Mut­ter­schiff genutzt wor­den. Nieder­ländis­che Kom­man­dosol­dat­en befre­it­en das Fahrzeug und nah­men mehrere Pirat­en in Gewahrsam. Für sie wird nun nach Möglichkeit­en ein­er Strafver­fol­gung gesucht.

Kurzmel­dun­gen

Zwei Tage lang (27/28 Juni) disku­tierten Poli­tik­er und Wirtschafts­fach­leute aus mehr als 50 Län­dern auf ein­er „öffentlich-pri­vat­en“ Kon­ferenz in Dubai (Vere­inigte Ara­bis­che Emi­rate) Möglichkeit­en zu ein­er Verbesserung der Bekämp­fung der regionalen Pira­terie. Greif­bare Ergeb­nisse oder gar verbindliche Beschlüsse gab es auf der unter der Beze­ich­nung „A Region­al Response to Mar­itime Pira­cy: Enhanc­ing Pub­lic-Pri­vate Part­ner­ships and Strength­en­ing Glob­al Engage­ment” durchge­führten Ver­anstal­tung aber nicht – sie waren aber auch nicht erwartet wor­den. Primär ging es um bloßen Gedanke­naus­tausch und Bestand­sauf­nahme, wobei es den ver­anstal­tenden VAE vor allem auch darauf ankam, als regionale Plat­tform für den Kampf gegen Pira­terie „im Spiel zu bleiben“.

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Chi­ne­sis­che Fre­gat­te YIYANG (Foto: china-defense.com)

Aktuelle Entwick­lun­gen bei Ein­satzkräften

Die franzö­sis­che Fre­gat­te NIVOSE hat am 25. Juni ihren Ein­satz bei der EU Nav­For zur Unter­stützung von Oper­a­tion „Ata­lan­ta“ been­det und ist vom Horn von Afri­ka wieder zu ihrem Heimat­stützpunkt Reunion (östlich Mada­gaskar) zurück gekehrt.

Am 3. Juli wird sich im chi­ne­sis­chen Zhoushan die 12. Anti-Pira­terie Ein­satz­gruppe der chi­ne­sis­chen Marine auf den Weg in Rich­tung Golf von Aden machen. Dem dies­mal von der Ost­flotte gestell­ten Ver­band gehören die neuen Fre­gat­ten YIYANG und CHANGZHOU der JIANGKAI-II-Klasse sowie der Ver­sorg­er QIANDAO HU an. Die Schiffe wer­den für die Ver­legung ins Ein­satzge­bi­et etwa zwei Wochen benöti­gen, möglicher­weise auf dem Weg dor­thin auch den einen oder anderen Hafenbe­such durch­führen.

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