Update Piraterie — Keine positiven Meldungen von der „Piratenfront“

Der Beginn des neuen Jahres ist lei­der nicht mit pos­i­tiv­en Mel­dun­gen von der „Piraten­front“ ver­bun­den. Zwar haben soma­lis­che Pirat­en am 28. Dezem­ber den am 8. Mai 2010 gekaperten deutschen (Flagge: Mar­shall Islands) Chemikalien­tanker MARIDA MARGUERITE nach Zahlung von ange­blich mehr als 5 Mio. US-Dol­lar Lösegeld frei gelassen. Seinen Anker­platz an der soma­lis­chen Küste nimmt aber bere­its ein weit­eres, eben­falls deutsches (Flagge: Antigua & Bar­bu­da) Schiff ein. Am 27. Dezem­ber kaperten Pirat­en im Ara­bis­chen Meer 175 sm nordöstlich von Salalah (Oman) den Frachter EMS RIVER (8 Mann Besatzung). Ein Angriff auf den mal­te­sis­chen Frachter SIGLOO STAR blieb am gle­ichen Tag glück­licher­weise ohne Erfolg. Hier brachen die Pirat­en den Kaper­ver­such ab, als ein Marine­hub­schrauber (welch­er Nation ist unbekan­nt) auf dem Schau­platz erschien. Dafür bracht­en Pirat­en dann aber – eben­falls im gle­ichen Gebi­et — am 1. Jan­u­ar den algerischen Bulk Car­ri­er BLIDA (20.000 dwt) mit 27 Mann Besatzung in ihre Gewalt.

Marineforum - EMS RIVER (Quelle: EU NavFor)
EMS RIVER
Bildquelle: EU Nav­For

Bei der Kape­rung der EMS RIVER diente offen­bar der im Juli im Nordteil der Meerenge des Bab el Man­deb (südlich­er Ein­gang zum Roten Meer) gekaperte Chemikalien­tanker MOTIVATOR (13,000 dwt, Besatzung 19 Fil­ipinos) als Mut­ter­schiff. Der Vor­gang zeigt, dass es den in der Region einge­set­zten Seestre­itkräften offen­bar nicht ein­mal möglich ist, sämtliche bekan­nten ent­führten Schiffe zu „track­en“ und — wo eine Nutzung als Mut­ter­schiff ver­mutet wird — Über­fälle durch enge Beschat­tung unmöglich zu machen. Auch wenn ein direk­tes Vorge­hen gegen die Mut­ter­schiffe wegen der an Bord mit­ge­führten Geiseln nicht möglich ist, so kön­nten doch zumin­d­est alle in die Nähe kom­menden Han­delss­chiffe gezielt gewarnt wer­den.

Im Golf von Aden kon­nte am 30. Dezem­ber das dänis­che Mehrzweckschiff ESBERN SNARE (NATO) eine mut­maßliche Piraten­gruppe vor­beu­gend aus dem Verkehr ziehen. Nach Hin­weis durch einen dänis­chen Frachter fing der Bor­d­hub­schrauber ein mit sechs Per­so­n­en beset­ztes verdächtiges Skiff ab. Die mut­maßlichen Pirat­en wur­den zu Vernehmung und weit­eren Unter­suchun­gen vor­läu­fig an Bord der ESBERN SNARE fest­ge­set­zt.

Ganz offen­bar hat eine Gruppe soma­lis­ch­er Pirat­en weit im Süden des Indis­chen Ozeans einen neuen Oper­a­tionss­chw­er­punkt gebildet und war dabei erst­mals bis weit in den Mosam­bik-Kanal hinein aktiv. Bere­its am 24. Dezem­ber grif­f­en Pirat­en 120 sm östlich von Que­li­mane (Mosam­bik) den rus­sis­chen Tanker AFRICA und den indis­chen Tanker MAJESTIC an. Bei­de Schiffe kon­nten durch bor­deigene Abwehrmaß­nah­men und Auswe­ich­manöver ein­er Kape­rung ent­ge­hen. Dieses Glück war dem tai­wane­sis­chen Fis­chereis­chiff SHIUH FU No1 (26 Mann Besatzung) nicht beschieden. 120 sm nordöstlich von Mada­gaskar fiel das Schiff am 25. Dezem­ber in die Hände soma­lis­ch­er Pirat­en, die es möglicher­weise als Mut­ter­schiff nutzen wollen. Einige Tage später wurde schließlich noch ein weit­eres Fis­chereifahrzeug Opfer von Pirat­en. Im Mosam­bik-Kanal kaperten sie das kleine (140 ts, 24m) Fis­cher­boot VEGA 5 (Flagge Mosam­bik). Mit 14 Mann Besatzung als Geiseln soll es offen­bar eben­falls Basis für weit­ere Über­fälle bilden. Zulet­zt wurde die VEGA 5 am 31. Dezem­ber 200 sm süd­west­lich der Komoren gesichtet, als sie mit einem Piraten­skiff im Schlepp in Rich­tung Nor­den fuhr.

Aktuelle Entwick­lun­gen bei Ein­satzkräften

Marineforum - Australische Fregatte STUART (Foto: Michael Nitz)
Aus­tralis­che Fre­gat­te STUART
Bildquelle: Michael Nitz

Das dänis­che Meerzweckschiff ESBERN SNARE hat kurz vor Wei­h­nacht­en in Dschibu­ti einen Besatzungsaus­tausch durchge­führt und soll nun seinen Ein­satz im Rah­men der NATO-Oper­a­tion „Ocean Shield“ noch bis März fort­set­zen.

Die indis­che Marine und Küstenwache haben mit der Ver­legung von min­destens vier Ein­heit­en ins Seege­bi­et Lakkadi­v­en auf die zunehmende Anzahl von Piratenüber­fällen im südöstlichen Ara­bis­chen Meer reagiert.

Die aus­tralis­che Fre­gat­te STUART (ANZAC-Klasse) ist am 30. Dezem­ber aus Syd­ney aus­ge­laufen. Das Schiff soll in den kom­menden Monat­en im Per­sis­chen Golf („Oper­a­tion Slip­per“) und im Ara­bis­chen Meer operieren und dabei zeitweilig auch der CTF-151 für Anti-Pira­terie Oper­a­tio­nen angegliedert wer­den. Die STUART löst die derzeit in der Region einge­set­zte Fre­gat­te MELBOURNE (ADE­LAIDE-Klasse) ab.

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