Russland


Deutlich früher als eigentlich erwartet hat die Reise eines Verbandes der Nordflotte in die Karibik begonnen.

Marineforum - PETR VELIKIY
PETR VELIKIY
Bildquelle: russ. Marine

Marineforum - ADMIRAL CHABANENKO
ADMIRAL CHABANENKO
Bildquelle: Mer et Marine
Am 7. September hatte – in offensichtlicher Replik auf Operationen von US-Schiffen im Schwarzmeer während des Georgien-Konfliktes – die russische Marine die Entsendung eines Flottenverbandes zu gemeinsamen Manövern nach Venezuela angekündigt. Teilnehmer sollen der nukleargetriebene FK-Kreuzer PETR VELIKIY (KIROV-Klasse), der Zerstörer ADMIRAL CHABANENKO (UDALOY-II) sowie zwei Hilfsschiffe sein. Medien kündigten die Übungen für den Zeitraum 10.-14. November an; Venezuelas Präsident Chavez sprach von „Ende November bis Anfang Dezember“. Bei einer angenommenen Transitdauer von zwei bis drei Wochen war damit von einem Auslaufen frühestens Mitte Oktober auszugehen.

Tatsächlich aber verließ der vom StvBefh der Nordflotte, VAdm Vladimir Korolev, geführte Verband bereits am 22. September den Nordflottenbereich, nahm allerdings nicht sofort Kurs auf den Atlantik. Zunächst wurde vier Tage in der Barentssee geübt. Laut Pressemitteilung der russischen Marine standen dabei Aspekte im Vordergrund, wie sie „während der Reise möglich seien“, darunter die Abwehr kleiner, schneller Boote.

Einiges spricht dafür, dass die Einsatzgruppe um die PETR VELIKIY auch in die derzeit laufende russisch-weißrussische Stabsrahmenübung „Stabilität 2008“ eingebunden war. Obwohl solche Übungen weitgehend fiktiv und computergestützt als „Paper Exercises“ stattfinden, nehmen traditionell immer wieder auch reale Truppenteile als darstellende Elemente teil. Bei „Stabilität 2008“ war so die Nordflotte mit U-Booten, U-Jagdschiffen und MPA aktiv – und vermutlich spielte auch der Kreuzerverband eine Rolle.

Am 26. September hat die PETR VELIKIY nun aber – so die russische Marine – Kurs auf den Nordost-Atlantik genommen. Welche Hilfsschiffe sie und den Zerstörer begleiten, ist offenen Quellen noch immer nicht zu entnehmen. Man kann aber davon ausgehen, dass es sich dabei um einen Flottentanker und einen Hochseebergeschlepper handelt. Wahrscheinlich sind auch noch unterwegs “Rendezvous” mit Versorgungseinheiten geplant.

Wohin der Kurs den Verband nun führen wird, bleibt erst einmal unklar. An Bord ist zwar – erstmals überhaupt – ein Fernsehteam eingeschifft, aber mit Medieninformationen hält man sich im Gegensatz zum Mittelmeer-Deployment des Flugzeugträgers ADMIRAL KUZNETSOV im letzten Winter bislang auffallend zurück. Bestätigt wurde allerdings, dass die Übungen mit der venezolanischen Marine im November stattfinden sollen. Für eine direkte Fahrt in die Karibik scheint es damit deutlich zu früh.

Verteidigungsminister Serdyukov sprach davon, dass die Fahrt seit mehr als einem Jahr geplant sei und „25 fremde Länder“ passiert und teils auch besucht werden sollen. Das könnte darauf hindeuten, dass Venezuela einem länger geplanten Vorhaben lediglich kurzfristig (eben wegen Georgien-Konflikt) hinzugefügt wurde. Jedenfalls hat der Verband auf seinem Weg nach Venezuela nun erst einmal mehrere Wochen „totzuschlagen“. Darüber wo dies erfolgen könnte, mag man erst einmal spekulieren. Medieninformationen zu Besuchsanmeldungen gibt es bisher nicht. Nicht auszuschließen ist ein Abstecher ins Mittelmeer zu einem lange erwarteten und eigentlich überfälligen russischen Marinebesuch im syrischen Tartus. Dafür könnte eine Meldung sprechen, nach der sich der (im Schwarzmeer stationierte) Flottentanker IVAN BUBNOV (CHILIKIN-Klasse) dem Verband anschließen soll.

In Kooperation mit „MarineForum – Zeitschrift für maritime Fragen

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