Norwegen — Vor der nordnorwegischen Küste macht ein ungewöhnliches Abwrackprojekt gute Fortschritte

Der Wei­h­nachtsabend 1994 hat­te den Ein­wohn­ern des kleinen Fis­cher­dor­fes Solvaer ein unge­betenes Geschenk beschert. Der von der rus­sis­chen Nord­flotte aus­ge­musterte Kreuzer MURMANSK (SVERDLOV-Klasse) sollte zum Abwrack­en nach Indi­en geschleppt wer­den, als in schw­erem Wet­ter vor der Insel Sen­ja die Schlep­pverbindung brach. Mehrere Tage driftete der alte Kreuzer in See, aber wed­er rus­sis­che Schlep­per noch nor­wegis­che Marine und Küstenwache kon­nten wieder die Kon­trolle über den Havaris­ten übernehmen. Schließlich trieb die MURMANSK vor Solvaer an die nor­wegis­che Küste und sank an den Klip­pen.

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MURMANSK ‘trock­en­gelegt’ (Foto: offz)

Das 211 m lange Schiff (17.000ts) bescherte dem 300-See­len Ort inter­na­tionale Berühmtheit, aber auch Sor­gen um die Umwelt. Immer­hin lag das Wrack in unmit­tel­bar­er Nähe reich­er Fis­chgründe. Nach­dem Beschw­er­den der Fis­ch­er über Umwelt­ge­fährdung durch Restöl, PCB und Asbest sich häuften und auch Bedenken über mögliche radioak­tive Stoffe an Bord laut wur­den, entsch­ied die nor­wegis­che Regierung im Som­mer 2008, das Wrack zu beseit­i­gen.

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Mit Blick auf mögliche Umwelt­ge­fahren ver­bot sich allerd­ings ein ein­fach­es Demon­tieren und Auseinan­der­schnei­den. In aufwändi­gen Vorar­beit­en wur­den um den ges­tran­de­ten Kreuzer Erd- und Steindämme gebaut, um dann das Wass­er abzupumpen und die MURMANSK so kom­plett trock­en zu leg­en. Auch gibt es an der hoch aufra­gen­den Felsenküste keine direk­te Straßen- und Eisen­bah­nan­bil­dung. So musste am äußeren Damm denn auch eine kleine Pier gebaut wer­den, an der Schiffe anle­gen und die Teile des riesi­gen Schiffes nach und nach abtrans­portieren kön­nen.

All diese Arbeit­en sind nun abgeschlossen, und das eigentliche Abwrack­en kann damit begin­nen. Während die Fis­ch­er nun sich­er erle­ichtert sind, dürften einige Bewohn­er Solvaers dem „Abschied“ von der MURMANSK wohl auch mit gemis­cht­en Gefühlen ent­ge­gen sehen. Immer­hin bescherte der frühere sow­jetis­che Kreuzer dem kleinen Ort auch zahlre­iche Besuch­er. Das größte der­ar­tige Wrack an der nor­wegis­chen Küste hat­te in den let­zten Jahren Tauch­er aus aller Welt ange­zo­gen.

In Koop­er­a­tion mit “Marine­Fo­rum — Zeitschrift für mar­itime Fra­gen

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