Libyen — Suche nach im Wasser treibende Minen

(nur mar­itime Aspek­te)
Am 30. April wurde beobachtet, wie Gad­dhafi-treue Trup­pen vor dem Hafen von Mis­ra­ta von „Schnell­booten“ (spätere Berichte sprechen von einem größeren Schlauch­boot) Gegen­stände ins Wass­er war­fen. Wenig später fand die franzö­sis­che Fre­gat­te COURBET zwei Seemeilen vor der Hafene­in­fahrt drei im Wass­er treibende Minen. Während zwei unschädlich gemacht wur­den, ging der Sichtkon­takt zur drit­ten Mine ver­loren. Sofort wurde die Hafen­z­u­fahrt vorüberge­hend für jeglichen Schiffsverkehr ges­per­rt.

Marineforum - Mine vor Misrata (Foto: franz. Marine)
Mine vor Mis­ra­ta
Bildquelle: franz. Marine

Auf Anforderung der NATO stellte die nieder­ländis­che Marine das Minen­jagdboot HAARLEM zur Suche nach der ver­drifteten Mine ab; wenig später schloss sich auch das britis­che Minen­jagdboot BROCKLESBY der Oper­a­tion an. Bei­de Boote gehören zum NATO Ein­satzver­band SNMCMG‑1, wur­den wie auch das bel­gis­che Minen­jagdboot NARCIS für die Teil­nahme an der Libyen-Oper­a­tion „Uni­fied Pro­tec­tor“ jedoch aus dem Ver­band her­aus­gelöst; die eigentliche SNMCMG‑1 ist damit auf ihr Flag­gschiff, den pol­nis­chen Ver­sorg­er KONTRADMIRAL CZERNICKI, und das deutsche Minen­jagdboot DATTELN reduziert; bei­de dür­fen nach poli­tis­chen Vor­gaben nicht an Libyen-Oper­a­tio­nen teilnehmen. 

Angesichts der nachgewiese­nen Minenbedro­hung musste die von der Inter­na­tion­al Orga­ni­za­tion for Migra­tion (IMO) zur Evakuierung von Frem­dar­beit­ern und libyschen Flüchtlin­gen aus Mis­ra­ta gechar­terte zivile Fähre RED STAR ONE zunächst in sicher­er Ent­fer­nung vor der Küste warten. Erst am 4. Mai kon­nte das Schiff (ver­mut­lich durch eines der Minen­jagdboote geleit­et) in den Hafen ein­laufen. Unmit­tel­bar nach Fest­machen nah­men pro-Gad­dhafi-Trup­pen den Hafen unter Mörs­er- und Raketenbeschuss. Vier Men­schen wur­den getötet. Der Zeit­punkt der Feuer­eröff­nung lässt auf einen geziel­ten Ver­such schließen, die Evakuierung unbeteiligter Zivilis­ten zu verhindern. 

Am 5. Mai ent­deck­te die BROCKLESBY die ver­mis­ste Mine eine Seemeile vor der Hafene­in­fahrt von Misrata. 

Im von Rebellen kon­trol­lierten östlichen Hafen von Beng­hazi gibt es solche Prob­leme nicht. Ende April kon­nte ein in Mal­ta mit Dieselkraft­stoff für die Rebellen beladen­er Tanker dort unbe­hin­dert fest machen und seine Ladung löschen. Griechen­land will in der kom­menden Woche ein Schiff mit human­itären Hil­f­s­gütern und ein­er mobilen medi­zinis­chen Sta­tion nach Beng­hazi schick­en. Mit an Bord soll auch ein kleines (ver­mut­lich mil­itärisches) Verbindung­steam zu den Rebellen sein. 

Unmit­tel­bar nach Ein­tr­e­f­fen der BATAAN Amphibi­ous Ready Group der US Navy (amphibis­ch­er Träger BATAAN, Dock­lan­dungss­chiffe MESA VERDE und WHIDBEY ISLAND) sind der amphibis­che Träger KEARSARGE und das Dock­lan­dungss­chiff PONCE aus dem Oper­a­tions­ge­bi­et abge­laufen. Die bei­den Schiffe kehren am Ende eines im August 2010 begonnenen Rou­ti­neein­satzes (Gol­fre­gion) nach einem kurzen Ver­sorgungsstopp im spanis­chen Rota nach Nor­folk, USA zurück. 

Marineforum - FORBIN (Foto: US Navy)
FORBIN
Bildquelle: US Navy

Bei der franzö­sis­chen Marine wurde der Zer­stör­er FORBIN, ein­er der zwei Neubaut­en der HORI­ZON-Klasse, in sein­er Funk­tion als Luftraum­sicherungss­chiff für den Ver­band um den Flugzeugträger CHARLES DE GAULLE abgelöst. Am 4. Mai kehrte das Schiff nach Toulon zurück. Ablö­sung brachte der Zer­stör­er JEAN BART, der bere­its im März vor Libyen einge­set­zt war, am 8. April dann aber zu plan­mäßiger Wartung und Instand­set­zung zwis­chen­zeitlich nach Toulon zurück ver­legt hatte. 

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