Libanon – USA


Die öffentlichkeitswirksame Positionierung von US-Kriegsschiffen vor die libanesische Küste sorgt in der Region für Unruhe.

Marineforum - COLE soll vor die libanesische Küste (Foto: US-Navy) Am 28. Februar hat das US-Verteidigungsministerium die Verlegung des Zerstörers COLE (ARLEIGH BURKE-Klasse) sowie „zwei weiterer Unterstützungsschiffe“ in das östliche Mittelmeer angekündigt. Eines dieser Schiffe soll der Navy Times zufolge der amphibische Träger NASSAU (TARAWA-Klasse) sein.

Die NASSAU verlegt als Führungsschiff einer Expeditionary Strike Group gemeinsam mit den Docklandungsschiffen NASHVILLE und ASHLAND, dem Kreuzer PHILIPPINE SEA sowie den Zerstörern ROSS und BULKELEY zu einem länger geplanten mehrmonatigen Einsatz im

Mittelmeer (u.a. Teilnahme an Übung Phoenix Express 2008 und im Persischen Golf.

Am 25. Februar hat die Einsatzgruppe die Straße von Gibraltar passiert. Auf den amphibischen Einheiten ist keine Marine Expeditionary Unit (MEU) eingeschifft. Die ursprünglich für das NASSAU-Deployment vorgesehene MEU musste kurzfristig für einen Afghanistan-Einsatz umdisponieren und hat inzwischen auf dem Luftwege dorthin verlegt. Damit sind die Optionen der NASSAU für Landeinsätze im Libanon zwar begrenzt; andererseits aber hätte das Schiff viel Platz für die Aufnahme von Personen (Evakuierungsoperation).

Die für die Stationierung der Einheiten vor dem Libanon (außer Sichtweite von der Küste) genannten Gründe sind nicht eindeutig und geben denn auch zu zahlreichen Spekulationen Anlass. Ein Sprecher des Weißen Hauses sprach von „Sorge um die Lage im Libanon“, einem „Signal an Syrien“ und „show of support for regional stability“. Nun ist Präsenz im östlichen Mittelmeer für die US-Navy Routine. Erst kürzlich lief der US-Kreuzer SAN JACINTO zu einem Besuch in Haifa ein. Gerätselt wird denn auch vor allem, welche besondere, aktuelle Entwicklung der Auslöser für die so öffentlichkeitswirksam in Szene gesetzte Maßnahme sein könnte.

Marineforum - NASSAU ESG passiert Gibraltar (Foto: US-Navy) Medien nennen hier an erster Stelle den für den 11. März geplanten nächsten Versuch zur Wahl eines libanesischen Präsidenten. Man befürchte bei einem erneuten Scheitern eine Eskalation der Gewalt zwischen den rivalisierenden Gruppierungen und den Versuch Syriens, offen die Macht im Libanon zu ergreifen. Warum allerdings gerade dieser Wahlgang (immerhin bereits 15. !) zu einer solchen Eskalation führen soll, wird nicht näher erläutert. Allerdings hat der 14. März als Jahrestag eines Treffens zur Bildung der derzeitigen libanesischen Regierung besondere Bedeutung. Plant die oppositionelle Hisbollah um diesen Termin herum gemeinsam mit Syrien einen Putsch ?

Als weiterer Grund wird eine zu erwartende Eskalation im Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah genannt. Nach der Ermordung des militärischen Hisbollah-Führers Imad Mughniyeh am 12. Februar in Damaskus (angeblich Liquidierung durch den israelischen Mossad) steht die „Antwort“ der Terrororganisation noch aus. Der Chef des israelischen Militärischen Nachrichtendienstes Aman warnte am 26. Februar vor einem Knesset-Ausschuss vor Aktionen am 22/23 März („40 Tage“ nach dem Attentat in Damaskus); Hisbollah plane u.a. auch wieder die Entführung israelischer Soldaten.

Ein in einigen Medien genannter Bezug zur Lageentwicklung im Gazastreifen ist angesichts der demonstrativ erklärten „Sorge um Libanon“ wohl eher unwahrscheinlich. Die USA werden sich im Konflikt zwischen Israel und der Hamas nicht offen mit eigenen militärischen Kräften engagieren. Sicher wird man Optionen für „Eventualitäten“ vorhalten wollen, dies dann aber abseits der Öffentlichkeit.

In Kooperation mit „MarineForum – Zeitschrift für maritime Fragen

Marineforum

Alle Informationen entstammen frei zugänglichen Quellen. Bildquelle: US-Navy