Indien — Schwere Havarie einer Fregatte

In ein­er schw­eren Havarie hat die indis­che Marine eine ihrer Fre­gat­ten wahrschein­lich unwieder­bringlich ver­loren.
Als die Fre­gat­te VINDHYAGIRI am Abend des 30. Jan­u­ar am Ende ein­er Fam­i­lien­fahrt mit etwa 400 Gästen und Besatzungsmit­gliedern an Bord in den Hafen von Mum­bai ein­lief, kam es vor dem Marinearse­nal zu ein­er Kol­li­sion mit dem deutschen Con­tain­er­schiff NORDLAKE. Die genaueren Umstände sind auch Tage nach dem Unglück unklar; Unter­suchun­gen dauern an. Offen­bar musste die seewärts fahrende NORDLAKE im engen Fahrwass­er selb­st noch einem anderen ent­ge­genk­om­menden Schiff auswe­ichen.

Die NORDLAKE traf die dampfgetriebene indis­che Fre­gat­te mittschiffs in Höhe von Maschi­nen­raum und Kessel­raum. Die Kol­li­sion ließ Kraft­stof­fleitun­gen bersten, was an den heißen Kesseln unmit­tel­bar ein Feuer aus­löste. Die Besatzung steuerte das Schiff vor die nahe Arse­nalpi­er und machte sich nach Evakuierung von Gästen und nicht benötigtem Per­son­al gemein­sam mit der Arse­nalfeuer­wehr an die Brand­bekämp­fung. Erst nach mehreren Stun­den ges­tand man sich ein, das Feuer unter­schätzt zu haben. Um 04:30 Uhr wurde die Berufs­feuer­wehr in Mum­bai alarmiert – offen­bar viel zu spät. Erst nach weit­eren fast 12 Stun­den war der Brand unter Kon­trolle. Die Fre­gat­te war inzwis­chen durch Feuer, Wassere­in­bruch und Löschwass­er so insta­bil gewor­den, dass sie mit schw­er­er Schlag­seite auf den Grund sank. Nun liegt sie in sieben Meter Tiefe halb aus dem Wass­er ragend vor der Arse­nalpi­er. Opfer waren bei der Havarie offen­bar nicht zu bekla­gen. Anfängliche Mel­dun­gen über im bren­nen­den Schiff eingeschlossene Besatzungsmit­glieder bewahrheit­eten sich glück­licher­weise nicht.

Erste Ver­suche, die VINDHYAGIRI bei Hochwass­er anzuheben scheit­erten. Die Marine ist aber zuver­sichtlich, das Teile des Marinearse­nals block­ierende Wrack schon bald bergen zu kön­nen. Eine Wiederin­stand­set­zung kommt allerd­ings wohl nicht in Frage. Zum einen wären die Kosten zu hoch, zum anderen sollte die Fre­gat­te ohne­hin im kom­menden Jahr außer Dienst gestellt wer­den.

Marineforum - VINDHYAGIRI beim Fleet Review 2002 (Foto: Michael Nitz)
VINDHYAGIRI beim Fleet Review 2002
Bildquelle: Michael Nitz

Die VINDHYAGIRI ist eine von sechs Fre­gat­ten der NIL­GIRI-Klasse, die die indis­che Marine in den 1970-er Jahren nach einem mod­i­fizierten Design der britis­chen LEAN­DER-Klasse bei Mazagon in Mum­bai bauen ließ. Mit dem begonnenen Zulauf von Neubaut­en der SHIV­A­LIK-Klasse ist für die ein­sti­gen „Arbeit­spferde“ der indis­chen Marine das Ende ihrer aktiv­en Zeit gekom­men. Vier Schiffe sind bere­its aus­ge­mustert. Nach der Havarie der VINDHYAGIRI bleibt der indis­chen Marine nur noch eine Fre­gat­te dieses Typs erhal­ten, aber auch deren Tage dürften gezählt sein.

In Koop­er­a­tion mit “Marine­Fo­rum — Zeitschrift für mar­itime Fra­gen

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