Indien – Auschreibung von Hochsee-Minenjagdbooten


Ende 2008 hatte die indische Marine hat die Beschaffung von acht modernen Hochsee-Minenjagdbooten international ausgeschrieben.
Sie sollen die operativen Fähigkeiten über die unmittelbare Heimatregion hinaus erweitern und zwölf ältere Minensucher der PONDICHERRY-Klasse (russische NATYA-Klasse) ersetzen, die zwischen 1978 und 1988 in der damaligen Sowjetunion gebaut worden waren. Die neuen Boote, für die man insgesamt bis zu etwa 1 Mrd. Euro ausgeben wollte, sollen über moderne Minenjagdsonargeräte und –drohnen verfügen. Die in der Ausschreibung genannten technischen Spezifikationen sahen 50-60m lange (maximal 11m breite) Boote mit GFK-Rumpf vor, die 16 kn schnell sein sollen und zehn Tage autark (ohne Zwischenversorgung) operieren können. Vorgegeben waren auch „Offset-Maßnahmen“ im Wert von etwa 320 Mio. Euro sowie Technologietransfer, der es ermöglicht, sechs der acht Boote bei der staatlichen Goa Shipyard zu bauen. Überdies sollten indische Firmen einen Großteil der elektronischen Ausrüstung (Radar, Düppelwerfer etc.) liefern.

Marineforum - Südkoreanisches Minenjagdboot vom Typ SK-5000 (Foto: Michael Nitz)
Südkoreanisches Minenjagdboot vom Typ SK-5000 (Foto: Michael Nitz)

Nach Eingang erster Angebote kamen die südkoreanische Kangnam und die italienische Intermarine in die nähere Auswahl. Entschieden hat man sich dann für das südkoreanische Angebot, das „preislich unter dem von Intermarine liege, dabei aber alle technischen/taktischen und sonstigen Forderungen erfülle“. Intermarine soll noch mit Anrufung eines Schiedsgerichtes versucht haben, die Entscheidung zu kippen, damit aber gescheitert sein. Mit einiger dadurch verursachter Verzögerung werden nun die abschließenden Verträge vorbereitet.

Zum Bootstyp selbst gibt es noch keine offiziellen Erklärungen. Kangnam baut derzeit für die südkoreanische Marine 59-m Minenjagdboote des eigenen Designs SK 5000, hat in den 1990-er Jahren aber auch Boote einer Variante der italienischen LERICI-Klasse hergestellt. Da letztere allerdings wohl unter einem Lizenzabkommen mit (ausgerechnet) Intermarine entstanden, spricht alles für das eigene SK 5000 Design bzw. eine Variante davon. Die ersten beiden Boote sollen bei Kangnam in Pusan gebaut werden; die restlichen sechs dann bei Goa Shipyard. Das erste südkoreanische Boot soll 2016 geliefert werden, Goa Shipyard das Vorhaben dann bis 2018 abschließen.

In einer Zwischenlösung bis zum Zulauf der Neubauten bemüht sich die indische Marine auch um eine Übernahme von zwei 2007 bei der US Navy ausgemusterten Minenjagdbooten der OSPREY-Klasse.

In Kooperation mit „MarineForum – Zeitschrift für maritime Fragen

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