Großbritannien – Mögliches Umdenken bei Flugzeugträgerkomponente


Bei der Planung der zukünftigen Flugzeugträgerkomponente der Royal Navy gibt es erste – noch zaghafte – Hinweise für ein mögliches Umdenken.

Im Ergebnis des Strategic Defence & Security Review (SDSR) war im Oktober 2010 entschieden worden, „Carrier Strike Capability“ in nur noch einem einzigen Flugzeugträger abzubilden. Der Flugzeugträger ARK ROYAL wurde unmittelbar aus dem aktiven Dienst genommen, die seit 2005 in „extended readiness“ an die Pier liegende INVINCIBLE endgültig aus der Liste der Reserveflotte gestrichen, die ILLUSTRIOUS zum Hubschrauberträger umgebaut und alle trägergestützten Kampfflugzeuge Harrier ausgemustert. Am Bau der geplanten zwei neuen Flugzeugträger QUEEN ELIZABETH und PRINCE OF WALES wurde zwar fest gehalten, das Vorhaben erheblich modifiziert. Vier Jahre später als ursprünglich geplant sollte nun „bis 2020“ nur noch ein Träger nicht nur fertig gebaut, sondern auch in Dienst gestellt werden. Das zweite Schiff sollte dagegen sofort nach Fertigstellung eingemottet (mit Option auf späteren Verkauf) werden.

Marineforum - QUEEN ELIZABETH - neues Design (Grafik: BAe Systems)Design
QUEEN ELIZABETH – neues Design
Bildquelle: BAe Systems

Der ebenfalls ausgesprochene Verzicht auf die teure STOVL (Short Take-Off, Vertical Landing) Variante neuer trägergestützter Kampfflugzeuge Lightning-II (F-35B) zugunsten der konventionell mit Katapult startenden und in einer Fanganlage landenden Version F-35C bedeutet Designmodifizierungen für zumindest den Träger, der auch in den operativen Dienst übernommen werden soll. Hier hat BAe Systems auch schon mit Vorarbeiten (18-monatige Conversion Development Phase) begonnen. Nun zeichnet sich ab, dass auch der zweite Träger entsprechend modifiziert werden könnte. Am 23. August erklärte der Staatssekretär für Sicherheit und Strategie, dass im Ergebnis des für 2015 geplanten nächsten SDSR „durchaus auch die Entscheidung für eine Indienststellung beider Flugzeugträger der QUEEN ELIZABETH-Klasse“ stehen könne.

Die Aussage lässt auf ein mögliches Umdenken schließen und ist sicher auch vor dem Hintergrund erkannter Defizite beim derzeitigen Libyen-Einsatz – und diesbezüglich zunehmend kritischer Medienberichterstattung – zu sehen. Erstmals muss sich die Royal Navy mit bloßem Hubschraubereinsatz (Kampfhubschrauber der British Army) begnügen.

Zwar lässt sich über Libyen das Fehlen seegestützter Kampfflugzeuge noch durch Einsätze von Flugzeugen der Royal Air Force von relativ nahen Landflugplätzen kompensieren. Die räumliche Nähe von nutzbaren Landflugplätzen (eines befreundeten Gastlandes) kann allerdings nicht für alle künftig möglichen Einsätze irgendwo auf der Welt vorausgesetzt werden, und mit nur einem einzigen Flugzeugträger besteht wegen des Zwangs zu routinemäßigen Wartungs- und Instandsetzungsperioden kaum operative Redundanz – eine Erfahrung, die Frankreich mit dem Abzug seines einzigen Flugzeugträgers CHARLES DE GAULLE vor Libyen gerade machen musste. Dies war seit jeher auch Argumentation der Royal Navy, die in der politischen Leitung damit allerdings bisher auf taube Ohren gestoßen war. Ob man sich 2015 nun doch für zwei Flugzeugträger entscheiden wird, dürfte allerdings vor allem auch Frage der Finanzierbarkeit sein. Das gesamte ohnehin sehr teure Vorhaben ist wegen erheblicher Kostenüberschreitungen zunehmend in der Kritik.

In Kooperation mit „MarineForum – Zeitschrift für maritime Fragen

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