Frankreich – Vorstellung eines neuartigen Landungsfahrzeug


Im Herbst 2008 hatte die in La Rochelle beheimatete Constructions Industrielles de la Méditerranée (CNIM) der französischen Marine ein zunächst auf eigene Rechung gebautes neuartiges Landungsfahrzeug (vorläufig als L-CAT bezeichnet) vorgestellt.

Diese zeigte sich offenbar so beeindruckt, dass schon ein halbes Jahr später vier solche Fahrzeuge (inzwischen EDA-R benannt) bestellt wurden; die ersten zwei sollen schon in 2011 geliefert werden; zwei weitere dann in 2012. Danach gibt es eine Option auf weitere vier Fahrzeuge. Sie alle sollen auf den Hubschrauberträgern der MISTRAL-Klasse und den Docklandungsschiffen der FOUDRE-Klasse mitgeführt werden.

Marineforum - so soll das MPC Beiboote aufnehmen (Grafik: CNIM)
So soll das MPC Beiboote aufnehmen
Bildquelle: CNIM

Das Design der als „Fahrzeug mit veränderbarem Tiefgang“ (variable draught) bezeichneten Boote ist in großen Teilen völlig innovativ. Durch ein hydraulisch absenkbares Ladedeck (23m x 7m) vereint es mehrere herkömmliche Schiffsformen. So wird bei Transitfahrten das zwischen zwei Seitenrümpfen „hängende“ Deck angehoben – EDA-R ist dann ein Katamaran mit 2,5 m Tiefgang. Bei Annäherung an den Strand wird das Deck so weit abgesenkt, dass es mit den beiden Seitenrümpfen eine Ebene bildet – EDA-R hat nun wie ein herkömmliches Landungsboot einen flachen Schiffsboden (Tiefgang 75 cm). Schließlich kann das Deck noch so weit abgesenkt werden, dass es zwischen den Seitenrümpfen ins Wasser taucht – EDA-R wird so zu einem kleinen Schwimmdock.

In einer Modifizierung dieses bisherigen Landungsbootdesigns bietet CNIM nun auch ein Multipurpose Patrol Craft (MPC) an, das Küstenwachen und Marinen bei küstennahen Operationen ein deutlich erweitertes Einsatzspektrum bieten soll. Das absenkbare Deck schaffe überall und bei allen Wetterbedingungen einen „künstlichen Strand“, an dem Beiboote gefahrlos ausgesetzt und wieder eingenommen werden könnten. Die Möglichkeit, bis zu zehn Tage unabhängig in See operieren zu können und dabei Fahrzeuge und Ausrüstung (z.B. mobiles Hospital) an Bord zu nehmen, eröffne bisher unbekannte Perspektiven bei Einsätzen zu humanitärer Hilfeleistung, logistischer Unterstützung oder auch Bekämpfung von Umweltkatastrophen. Der je nach Konfiguration variierende Tiefgang zwischen zwei Meter und nur 75 cm erlaube Operationen im Küstenvorfeld bis direkt vor einen Strand. Dabei geben Höchstgeschwindigkeiten von mehr als 20 Kn die notwendige Flexibilität, auch kurzfristig auf Lageentwicklungen reagieren zu können.

Wie die französische Marine den Vorschlag aufgenommen hat, ist bisher nicht bekannt. CNIM zielt mit seinem MPC aber vor allem auch auf den Exportmarkt.

In Kooperation mit „MarineForum – Zeitschrift für maritime Fragen

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