China — Beschaffung von Luftkissenbooten der POMORNIK-Klasse

Schon seit eini­gen Jahren bemüht sich Chi­na um die Beschaf­fung von Luftkissenbooten der POMORNIK-Klasse.

Diese weltweit größten (550 ts) LCAC (Land­ing Craft, Air Cush­ion) kön­nen 150 t Ladung (drei schwere Kampf­panz­er) oder etwa 300 voll aus­gerüstete Sol­dat­en mit Geschwindigkeit­en von 60 Kn trans­portieren. Wegen des extrem hohen Kraft­stof­fver­brauchs beträgt ihre Reich­weite nur knapp 400 sm, aber für örtlich begren­zte Oper­a­tio­nen wie z.B. Querung der Straße von Tai­wan würde dies alle­mal reichen. POMORNIK wur­den in der früheren Sow­je­tu­nion entwick­elt (Orig­i­nal­beze­ich­nung „Zubr“ = Bison) und für die sow­jetis­che Marine sowohl in St. Peters­burg (heute Rus­s­land) als auch in Feo­dosiya (heute Ukraine) gebaut. So ver­wun­dert es nicht, dass Chi­na sich nach Scheit­ern von mehr als sechs Jahren Ver­hand­lun­gen mit der rus­sis­chen Rüs­tung­sex­port­be­hörde Rosoboronex­port (die ver­mut­lich auch ein späteres „Klo­nen“ arg­wöh­nte) im ver­gan­genen Jahr der Ukraine zuwen­dete.

Marineforum -Prototyp eines chinesischen Luftkissenbootes (Foto: MOD China)
Pro­to­typ eines chi­ne­sis­chen Luftkissenbootes
Bildquelle: MOD Chi­na

Mit der dor­ti­gen Ukr­spet­sex­port wurde man sich schnell han­del­seinig. Für etwa 300 Mio. Euro sollen vier POMORNIK gebaut wer­den. Die Her­stel­lung der ersten zwei soll im Sep­tem­ber in Feo­dosiya begin­nen. Danach sollen dann mit ukrainis­ch­er Werfthil­fe die zwei anderen in Chi­na gebaut wer­den. Ange­blich bein­hal­tet der Ver­trag auch die Liefer­ung aller „Blau­pausen“ für POMORNIK. Sollte dies zutr­e­f­fen, dann kann man wohl von späteren weit­eren chi­ne­sis­chen Eigen­baut­en aus­ge­hen (ob mit oder ohne Lizenz). Bei den Ver­hand­lun­gen mit Rus­s­land war auch schon die Rede von bis zu zehn Booten.

Für eine Mit­führung an Bord des im ver­gan­genen Jahr in Dienst gestell­ten neuen Dock­lan­dungss­chiffes KUNLUN SHAN (Pro­jekt 071; ein zweites Schiff soll im Bau sein) sind die POMORNIK allerd­ings deut­lich zu groß, und die anderen bish­er im Bestand der Volks­be­freiungs­ma­rine (PLAN) befind­lichen Luftkissenboote kön­nen keine Fahrzeuge trans­portieren. Für diese Schiffe wird denn auch ein eigenes Luftkissenfahrzeug „mit­tlerer Größe“ (mehr als 100 ts) entwick­elt.

Anfang Juli vom chi­ne­sis­chen Vertei­di­gungsmin­is­teri­um veröf­fentlichte Fotos zeigen einen Pro­to­typen (Seiten­num­mer 3320) bei der Erprobung mit der KUNLUN SHAN. Boote dieses Typs dürften schon bald in die Serien­fer­ti­gung gehen. Die Bilder deuten auf eine rel­a­tiv begren­zte Trans­portka­paz­ität. Die neuen LCAC kön­nen über Heck- und Bugrampe („through-deck“) wohl Fahrzeuge an Bord nehmen; für schwere Kampf­panz­er dürfte jedoch kaum Platz sein. Das ist sich­er Verzicht auf eine mögliche Option, muss aber nicht notwendi­ger­weise auch ein Nachteil sein. Für die Anlan­dung von schw­eren Kampf­panz­ern mit Luftkissenbooten, die bei ein­er offen­siv­en See­landung ja vornehm­lich in der ersten Welle zum Ein­satz kom­men, gibt es aus oper­a­tiv­er Sicht kaum Notwendigkeit, und die PLAN ver­fügt über zahlre­iche für den Trans­port auch schw­er­ster Fahrzeuge geeignete Lan­dungss­chiffe.

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