Chile – Neuer Flottentanker


Die chilenische Marine freut sich über einen neuen Flottentanker – auch wenn dieser schon mehr als 20 Jahre alt ist.

Marineforum - Indienststellung der ALMIRANTE MONTT (Foto: chil. Marine)
Indienststellung der ALMIRANTE MONTT
Bildquelle: chil. Marine

Die ANDREW J. HIGGINS war 1987 von der US Navy in Dienst gestellt, als „Opfer“ des Endes des Kalten Krieges allerdings schon nach nur acht Jahren in eine reduzierte Bereitschaft versetzt und 1996 an die Maritime Administration (Reserve) abgegeben worden. Das voll beladen mehr als 40.000 ts verdrängende, 206-m Schiff gehört zu den Flottentankern der HENRY J. KAISER Klasse. Diese vom US Military Sealift Command betriebenen Schiffe können mehr als 20.000 m³ Kraftstoff befördern und über acht Pumpstationen (5.400 ts /Std) andere Schiffe in See betanken. Auch Trockengüter finden an Bord Platz und können übergeben werden. Ein Flugdeck erlaubt Starts und Landungen von Hubschraubern, wenngleich es keinen Hangar für eine permanente Anbordnahme gibt.

2008 hatten sich Chile und die USA darauf verständigt, die ANDREW J. KAISER im Rahmen der US Militärhilfe an die chilenische Marine abzugeben. Schon im Mai 2009 wechselte das in der Suisun Bay vor Kalifornien aufliegende Schiff offiziell den Besitzer, wurde aber erst im September zur Grundinstandsetzung und Modernisierung zur Atlantic Marine Werft nach Mobile, Alabama, geschleppt. Hier konnte es nach dreimonatigen Arbeiten nun am 10. Februar von der chilenischen Marine als ALMIRANTE MONTT in Dienst gestellt werden. Im März wollte das Schiff sich auf den Weg in die neue Heimat machen. Dort wird der Neuzugang den noch einmal 20 Jahre älteren und auch deutlich kleineren (162 m, 17.000 ts) Flottentanker ARAUCANO ersetzen. Mit ihren Lade- und Abgabekapazitäten ist die ALMIRANTE MONTT natürlich eine willkommene Verstärkung für die chilenische Marine.

Einen kleinen Wermutstropfen gibt es aber doch: die ehemalige ANDRE J HIGGINS gehört noch zur ersten Bauserie der HENRY J. KAISER-Klasse und ist damit noch ein „Einhüllenschiff“. Unter den derzeit weltweit zunehmenden Restriktionen (Umweltschutz) für solche Schiffe könnte der ALMIRANTE MONTT nur eine begrenzte Lebenszeit bleiben. Finanzierung aus der US Militärhilfe dürfte diesen (möglichen) Nachteil aber mehr als wett machen, zumal die alte ARAUCANO zügig das Ende ihrer Nutzbarkeit erreicht. Eine quasi kostenlose Zwischenlösung ist allemal besser als ein teurer Neubau, der nun wohl erst einmal einige Jahre Zeit hat.

In Kooperation mit „MarineForum – Zeitschrift für maritime Fragen

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