Brasilien

Stim­men Berichte brasil­ian­is­ch­er Medi­en, dann darf sich die brasil­ian­is­che Marine auf zahlre­iche Neubaut­en freuen.

Marineforum -
chilenis­ches U-Boot SCORPENE
Bildquelle: chil. Marine
In einem groß angelegten Regierung­spro­gramm zur „Revi­tal­isierung“ der heimis­chen Rüs­tungsin­dus­trie sollen ange­blich 53 Schiffe und Boote unter­schiedlich­er Klassen bestellt wer­den. Teil dieses Paketes sollen auch mehrere U-Boote, Fre­gat­ten und Korvet­ten sein, die in enger Zusam­me­nar­beit mit der franzö­sis­chen DCNS entste­hen sollen. Die Unterze­ich­nung entsprechen­der Verträge soll Ende Dezem­ber stat­tfind­en, wenn der franzö­sis­che Präsi­dent Sarkozy zu einem Staats­be­such in Brasilien erwartet wird.

Im Detail ist die Rede von vier kon­ven­tionell diesel-elek­trisch angetriebe­nen U-Booten der SCOR­PENE-Klasse (wie sie auch die chilenis­che Nach­bar­ma­rine beschafft hat), von denen das erste in Frankre­ich, die restlichen drei dann in Brasilien gebaut wer­den sollen. Darüber hin­aus will DCNS den Brasil­ian­ern beim Bau des nuk­lear­getriebe­nen U-Bootes RIACHUELO tatkräftige Hil­fe leis­ten. Dieses Vorhaben war bere­its Mitte der 80er Jahre ini­ti­iert wor­den, musste immer wieder (auch finanzielle) Rückschläge hin­nehmen, soll aber nun beschle­u­nigt zu Ende geführt wer­den. Der Staat­spräsi­dent per­sön­lich erk­lärte, das U-Boot werde „drin­gend zum Schutz von Öl- und Gasvorkom­men vor der brasil­ian­is­chen Küste“ benötigt. Eine so begren­zte Ein­satzrolle wird den oper­a­tiv­en Möglichkeit­en eines nuk­lear­getriebe­nen U-Bootes natür­lich nicht annäh­ernd gerecht; ihre Her­vorhe­bung soll aber wohl Pri­or­ität bei der Ver­füg­bar­ma­chung von Mit­teln gewährleis­ten.

DCNS bietet offen­bar an, für RIACHUELO Designele­mente der neuen franzö­sis­chen Atom-U-Boote BARRACUDA zur Ver­fü­gung zustellen. Eine direk­te Kopie des BAR­RACU­DA-Designs dürfte dabei aber nicht zur Debat­te ste­hen. Der in Brasilien für den Eigen­bau entwick­elte Reak­tor ist größer als die franzö­sis­chen Anla­gen. Möglicher­weise bietet DCNS einen für den brasil­ian­is­chen Reak­tor mod­i­fizierten BAR­RACU­DA-Rumpf an, der dann in Brasilien fer­tig auszurüsten ist.

Neben den ins­ge­samt fünf U-Booten nen­nen Medi­en auch die geplante Bestel­lung von Fre­gat­ten FREMM und Korvet­ten GOWIND. Sollte eine solche tat­säch­lich erfol­gen, ist auch hier von maßge­blich­er Beteili­gung brasil­ian­is­ch­er Werften – bis hin zum kom­plet­ten Bau mit franzö­sis­ch­er Werf­tun­ter­stützung – auszuge­hen. Mit Blick auf frühere Ankündi­gun­gen zur Mod­ernisierung der brasil­ian­is­chen Marine bleibt erst ein­mal abzuwarten, welche Teile des angekündigten riesi­gen Beschaf­fungsvorhabens auch tat­säch­lich real­isiert wer­den, und in welchem Zeitrah­men dies erfol­gt. Selb­st wenn der Bau der RIACHUELO nun mit Vor­rang betrieben wird, wer­den die Mit­tel der brasil­ian­is­chen Marine auch kün­ftig eher begren­zt bleiben.

Unab­hängig davon wird aber ein­mal mehr deut­lich, dass der tatkräftige per­sön­liche Ein­satz des franzö­sis­chen Präsi­den­ten Sarkozy für „seine“ Rüs­tungsin­dus­trie Wirkung zeigt. In einem immer aggres­siv­er umwor­be­nen Rüs­tung­sex­port­markt scheint die unmit­tel­bare Ein­bindung von Spitzen­poli­tik­ern — und ger­ade auch Staats- und Regierungschefs – zunehmend unverzicht­bar. Ohne direk­te poli­tis­che Für­sprache, ohne „Off­set-Ange­bote“, allein mit Hin­weis auf bewährte hohe Qual­ität und tra­di­tionelle Beziehun­gen kön­nen Rüs­tungs­fir­men heute nur noch sel­ten Aufträge akquiri­eren und sehen sich — wie in Südameri­ka z.B. die deutsche TKMS — zunehmend sog­ar aus Märk­ten gedrängt, die sie in ver­gan­genen Jahrzehn­ten noch dominiert haben.

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