Bangladesch/Myanmar


Wie schon vor fast genau einem Jahr, droht Streit zwischen Bangladesch und Myanmar zum bewaffneten Konflikt zu eskalieren.

Damals ging es um Öl- und Gasvorkommen im nördlichen Golf von Bengalen. Gesichert von Einheiten der Marine Myanmars sollten Schiffe einer von Myanmar beauftragten südkoreanischen Firma südwestlich St.Martin’s Island Vorarbeiten zur Ausbeutung dort vermuteter Energieressourcen durchführen. Allerdings beansprucht Bangladesh genau dieses Gebiet als Teil seiner Wirtschaftszone und mobilisierte dementsprechend seine Marine. Nach mehrtägigen „Muskelspielen“ zogen beide Seiten sich wieder zurück; man kam überein, das Thema auf Regierungsebene zu thematisieren.

Nun stehen sich Streitkräfte beider Seiten erneut gegenüber. Streitpunkt scheinen diesmal Probleme an den Landgrenzen zu sein, aber erneut spielt offenbar auch das Seegebiet um St.Martin’s Island eine Rolle. Am 9. Oktober hatte Myanmar “starke Truppen” an die Grenze zu Bangladesch verlegt und überdies mehr als zehn Marineeinheiten im Seegrenzgebiet konzentriert.

Marineforum - Bangladesch-Fregatte ABU BAKAR (Foto: Bang. Navy)
Bangladesch-Fregatte ABU BAKAR
Bildquelle: Bang. Navy

Am 10. Oktober alarmierte Bangladesch seine Streitkräfte. Drei Brigaden der Landstreitkräfte wurden ins Grenzgebiet entsandt, etwa 30 Schiffe und Boote der Marine in Chittagong und Khulna in Sofortbereitschaft versetzt. Am 13. Oktober verlegte ein Verband mit der Fregatte ABU BAKAR (ex-brit. LEOPARD-Klasse) und vier weiteren Einheiten zu Seepatrouillen ins umstrittene Gebiet bei St.Martin’s Island, wo auch fünf Einheiten der Marine Myanmars operieren sollen.

Regionale Medien sprechen von der realen Möglichkeit eines offenen Krieges. Im Verteidigungsministerium Bangladeschs ist man sich allerdings noch uneins, ob die ungewöhnlichen militärischen Aktivitäten Myanmars lediglich einer verstärkten Grenzsicherung zur Eindämmung muslimischer (Rohyngia) Flüchtlingsströme dienen sollen, oder tatsächlich eine Neuauflage – mit Eskalation – des Streits vom November 2008 droht. Myanmar selbst dementiert bislang vehement alle Berichte über Truppenkonzentrationen in der Grenzregion.

Trotz aller martialischen Töne sucht man nach politischen Wegen, den drohenden Konflikt zu vermeiden. So sollen hochrangige Militärs beider Seiten sich in bilateralen Gesprächen abseits der Öffentlichkeit um Entspannung bemühen; auch soll Bangladesch China um Vermittlung gebeten haben. Am 16. Oktober hat Bangladesch überdies die Vereinten Nationen aufgefordert, den langjährigen territorialen Streit (übrigens auch mit Indien) um maritime Ressourcen im nördlichen Golf von Bengalen endlich durch einen verbindlichen Schiedsspruch zu beenden.

In Kooperation mit „MarineForum – Zeitschrift für maritime Fragen

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