Algerien – Bau eines neuen Hilfsschiffes


Die italienische Fincantieri (genauer: Orizzonte Sistemi Navali) hat aus Algerien offenbar den Auftrag zum Bau eines neuen Hilfsschiffes erhalten.

Im September 2009 hatte es zunächst Gerüchte über eine „unmittelbar bevorstehende Bestellung von sechs Fregatten des Typs FREMM“ (bilaterales französisch-italienisches Projekt) gegeben, die von Experten aber sehr skeptisch gesehen wurden und sich nachfolgend auch nie bestätigten. Der nun erteilte Auftrag gilt denn auch nicht für eine Fregatte (hier werden inzwischen wohl russische modifizierte STEREGUSHCHIY und deutsche MEKO-200 favorisiert), sondern für ein offenbar größeres Unterstützungsschiff.

Technische Details, genauere Angaben zum Typ oder gar Grafiken des in der offiziellen Pressemeldung nur kurz als „Landing and Logistical Support Vessel“ bezeichneten Schiffes gibt es bisher nicht. Allerdings hatte im Juni das Internet-Portal “Africa Intelligence” über ein angebliches Interesse der algerischen Marine an einem Docklandungsschiff der SAN GIORGIO-Klasse berichtet. Zwar wollte bisher keine andere Quelle diese Meldung bestätigen; mangels anderer Informationen griffen die meisten Medien sie jedoch auf.

Nun hat Fincantieri – vor zwanzig Jahren – drei dieser Schiffe für die italienische Marine gebaut; dass die algerische Marine jetzt aber eine bloße Neuauflage dieses die Technologie der 1980-er Jahre reflektierenden Designs wünscht, scheint doch eher fraglich. Überdies hat die italienische Regierung erst 2010 die Beschaffung von zwei größere Hubschrauberträgern (LHD) für die italienische Marine gebilligt. Mit 20.000 ts und auch in ihren operativen Fähigkeiten wären diese von Fincantieri zu bauenden Schiffe für die algerische Marine natürlich deutlich überdimensioniert, aber sie sollen schon ab 2014/15 geliefert werden – und dann die Docklandungsschiffe der SAN GIORGIO-Klasse ablösen. Damit hätte die algerische Marine grundsätzlich wohl auch eine Option auf Erwerb eines deutlich billigeren gebrauchten Schiffes dieses Typs, und dies nicht viel später als der Zulauf eines jetzt bestellten Neubaus.

Die amphibische Komponente der algerischen Marine ist nicht sonderlich ausgebildet. Die etwa 600 Mann starke Marineinfanterie (Auftrag Küstenverteidigung) kann derzeit neben einem 40 Jahre alten ex-sowjetischen Landungsschiff POLNOCNY nur zwei Mitte der 1980-er Jahre in Großbritannien gebaute Landungsschiffe der KALAAT BENI HAMMAD-Klasse nutzen, die überdies meist auch nur mit bloßen Transportaufgaben und in der Ausbildung zum Einsatz kommen. Als Ersatz bietet sich ein modernes, preiswert nach Handelsschiffstandards zu bauendes, kleineres (mit 6.000 – 8.000 ts größenmäßig in etwa SAN GIORGIO vergleichbar) Mehrzweck-Docklandungsschiff an – mit Fähigkeiten zum strategischen Seetransport sowie zur Führung und logistischen Unterstützung von (amphibischen) Operationen. Fast alle größeren internationalen Schiffbauer, und sicher auch Fincantieri, haben ein solches Design in ihren Schubladen.

In Kooperation mit „MarineForum – Zeitschrift für maritime Fragen

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