Aktives Fahrzeugschutzsystem von Diehl demonstriert Überlegenheit in scharfem Schuss

Der Beschuss mil­itärisch­er Fahrzeuge durch Panz­er­ab­wehrhand­waf­fen (Rock­et-Pro­pelled Grenades – RPG, ins­beson­dere RPG-7) führt in Afghanistan zu zahlre­ichen Ver­lus­ten. Panz­er­ab­wehrlenkwaf­fen (Anti-Tank Guid­ed Mis­siles-ATGM) wer­den von den Tal­iban noch nicht einge­set­zt, stellen aber auf­grund ihrer Ver­füg­barkeit eine Bedro­hung dar.

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Erfol­gre­iche Tests mit Aktiv­en Fahrzeugschutzsys­te­men

Unter dem Namen AWiSS (Abstandswirk­sames Schutzsys­tem) hat sich Diehl Defence schon frühzeit­ig mit aktiv­en, fahrzeug­basierten Schutzsys­te­men gegen Panz­er­ab­wehrwaf­fen befasst. Im Jahr 2006 kon­nte der auf einem Kampf­panz­er Leop­ard 2 inte­gri­erte AWiSS-Demon­stra­tor im schar­fen Schuss seine Leis­tungs­fähigkeit gegen eine Panz­er­ab­wehrlenkwaffe des Typs MILAN 2 erfol­gre­ich nach­weisen. Der Effek­tor zer­störte die Lenkwaffe soweit, dass sowohl die verbleiben­den Frag­mente als auch der Hohlladungsstachel der MILAN 2 keine Gefahr mehr für den Kampf­panz­er darstell­ten.

Nach dieser Erprobungskam­pagne wurde AWiSS auf­grund der Anforderun­gen des Bedarf­strägers zum Aktiv­en Fahrzeugschutzsys­tem AVePS (Active Vehi­cle Pro­tec­tion Sys­tem) weit­er­en­twick­elt. Die Wer­fer und Effek­toren wur­den so aus­gelegt, dass auch leichtere Ein­satz­fahrzeuge geschützt wer­den kön­nen. Darüber hin­aus wurde das Wirkprinzip der Effek­toren mit dem Ziel größt­möglich­er Ver­mei­dung von Kol­lat­er­alschä­den über­ar­beit­et und ein split­ter­freier Blast-Effek­tor entwick­elt, der die anfliegen­den Bedro­hun­gen durch eine gerichtete Druck­welle zer­stört.

AVePS set­zt sich aus fol­gen­den Kom­po­nen­ten zusam­men:

  • Radar- und Infrarot-Sen­sorik
  • Vier-Rohr-Wer­fer­sys­tem
  • Sys­tem­rech­n­er
  • Effek­tor-Kar­tusche mit Blast-Granate
  • Sys­tem-Sicher­heit­se­lek­tron­ik

In zwei Testkam­pag­nen im Jahr 2011 kon­nte AVePS seine Funk­tions- und Leis­tungs­fähigkeit im schar­fen Schuss gegen ver­schiedene Arten panzer­brechen­der Waf­fen erfol­gre­ich demon­stri­eren.

Bei bei­den Erprobungskam­pag­nen kam ein AVePS-Demon­stra­tor in Zusam­me­nar­beit mit einem israelis­chen Unternehmen unter dem Pro­jek­t­na­men MAPS (Mutu­al Active Pro­tec­tion Sys­tem) zum Ein­satz. Dabei wurde das Sys­tem bei der ersten Erprobungskam­pagne in einen M113-Trans­port­panz­er inte­gri­ert, um es gegen RPG-7 Panz­er­hand­waf­fen im schar­fen Schuss zu testen. Das Aktive Fahrzeugschutzsys­tem kon­nte seine Wirk­samkeit durch Abwehr der Bedro­hung nach­weisen.

In der zweit­en Testkam­pagne des MAPS-Pro­gramms wurde das Sys­tem mit der AVePS-Wer­fer- und Effek­tor-Tech­nolo­gie in einen Trans­port­panz­er FUCHS inte­gri­ert. Bei dieser Demon­stra­tion kon­nten Panz­er­faust­geschosse mit Tandemge­fecht­sköpfen mod­ern­ster Bauart (Panz­er­faust 3) vom Sys­tem erfol­gre­ich bekämpft wer­den. Das Konzept der Bekämp­fung von Bedro­hun­gen in aus­re­ichen­dem Abstand (>zehn Meter) vom Fahrzeug bewährte sich aber­mals, da ger­ade bei Tandemge­fecht­sköpfen die Wahrschein­lichkeit ein­er Voraus­lö­sung bei der Bekämp­fung sehr hoch ist. Ist kein aus­re­ichen­der Abstand zwis­chen Bekämp­fungspunkt und Plat­tform vorhan­den, kön­nte der Grund­schutz des Fahrzeuges durch­schla­gen wer­den. Dies hätte schw­er­wiegende Fol­gen für Besatzung und Fahrzeug.

Bekämp­fungsvor­gang und Sys­te­meigen­schaften

Die Sen­sorik von AVePS ist in der Lage, in der Umge­bung abge­feuerte Bedro­hun­gen zu erken­nen, zu klas­si­fizieren sowie zu ermit­teln, ob diese das Fahrzeug tre­f­fen wür­den. Ist dies der Fall, wird der Wer­fer auf den vom Sys­tem ermit­tel­ten Abfang­punkt gerichtet und ein Effek­tor durch ein rück­stoßfreies Antrieb­sprinzip in Sekun­den­bruchteilen zu diesem Punkt ver­bracht. Die Neu­tral­i­sa­tion der Bedro­hung erfol­gt über den split­ter­freien Blast-Effek­tor durch eine Druck­welle. Neben dem eigentlichen Ziel, der Abwehr der Bedro­hung, trägt das Sys­tem entschei­dend zur Verbesserung des Lage­bildes bei. Die Sen­sorik von AVePS ermit­telt aus der Flug­bahn den Abschusspunkt der Waffe und ermöglicht so rasche und ziel­gerichtete Gegen­maß­nah­men.

Der Wer­fer ist hin­sichtlich seines Eigengewichts und sein­er Trägheitsmo­mente opti­miert und erlaubt höch­ste Richt­geschwindigkeit­en, wodurch die Bekämp­fung auch sehr nahe abge­feuert­er Bedro­hun­gen möglich wird. Damit erhöht sich nochmals der Gewichtsvorteil, den wer­fer­basierte Schutzsys­teme gegenüber Reak­tiv­panzerun­gen oder aktiv­en Schutzsys­te­men mit am Fahrzeug verteil­ten Kom­po­nen­ten aufweisen.

Mod­u­lare Kon­fig­u­ra­tion

Als mod­u­lares Sys­tem lässt sich AVePS mit zwei Wer­fern (Sys­temgewicht 500 kg) sowohl auf schw­eren gepanz­erten Fahrzeu­gen gegen RPG, ATGM und KE-Pen­e­tra­toren als auch mit einem Wer­fer (Sys­temgewicht 350 kg) auf leicht­en gepanz­erten Fahrzeu­gen gegen ATGM und RPG-Bedro­hun­gen ein­set­zen. Vorteile von AVePS gegenüber anderen Sys­te­men

Zusam­men­fassend weist AVePS gegenüber anderen aktiv­en Fahrzeugschutzsys­te­men fol­gende Vorteile auf:

  • Bekämp­fung des gesamten Spek­trums von Panz­er­ab­wehrhand­waf­fen wie RPG-7 mit Hohlladungs­ge­fecht­skopf oder Panz­er­faust 3 mit Tandemge­fecht­skopf bis zu mod­er­nen Panz­er­ab­wehr-Flugkör­pern (ATGMs) auch bei Top Attack. Eben­so wer­den KE-Pen­e­tra­toren in aus­re­ichen­dem Abstand vom Fahrzeug abgewehrt
  • 360°-Rundumschutz auf­grund der Fähigkeit zur Bekämp­fung mehrerer Ziele aus unter­schiedlichen Rich­tun­gen inner­halb kürzester Zeit ohne nach­laden zu müssen
  • Hohe Ein­satz­tauglichkeit auf­grund der Möglichkeit zur schnellen, manuellen Nach- und Ent­ladung der Blast­ef­fek­toren
  • Hohe Zuver­läs­sigkeit und Schutz gegen Fehlaus­lö­sung durch einzi­gar­tiges Sicher­heit­skonzept
  • Auch bei mehrfachem Beschuss der gle­ichen Stellen am Fahrzeug treten keine Lück­en im Schutz auf

Aus­blick

Mit dem Pro­jekt AVePS demon­stri­erte Diehl Defence die Möglichkeit­en und Leis­tungspoten­ziale mod­ern­er, aktiv­er Fahrzeugschutzsys­teme der Zukun­ft. Auf­grund der umfan­gre­ichen Vorar­beit­en kön­nten die ersten serien­mäßi­gen Pro­to­typen nach ein­er zwei­jähri­gen Entwick­lungsphase für die Erprobung im Ein­satz bere­it gestellt wer­den.

Source:
Diehl Defence

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