USA — Legende mit Hindernissen — US-Küstenwache stellt LEGEND-Klasse in Dienst

Flagge USA

Dieser Artikel wird mit fre­undlich­er Genehmi­gung der “Marine­Fo­rum — Zeitschrift für mar­itime Fra­gen” veröf­fentlicht.

Marineforum

»LEGENDE«MIT HINDERNISSEN

US-KÜSTENWACHE STELLT »LEGEND«-KLASSE IN DIENST

Von Sid­ney E. Dean
(Sid­ney E. Dean berichtet im Marine­Fo­rum regelmäßig zu Ereignis­sen und Entwick­lun­gen in den USA)
Marineforum - BERTHOLF vor der Golden Gate Bridge (Foto: USCG)
BERTHOLF vor der Gold­en Gate Bridge
Bildquelle: USCG

Das Typ­schiff der neuen LEG­END-Klasse der US-Coast Guard, USCGC BERTHOLF (WMSL 750) wurde am 8. Mai 2009 offiziell dem Her­steller Northrop Grum­man abgenom­men. Die LEG­END-Klasse ist mit 128,6 Meter Länge und 4.500 Ton­nen Ein­satzver­drän­gung die größte Schiff­sklasse der amerikanis­chen Küstenwache (bis auf drei schwere Eis­brech­er, die je 13.000 bis 16.000 Ton­nen Ver­drän­gung auf­bi­eten).

Acht Ein­heit­en der LEG­END-Klasse sollen bis 2017 beschafft wer­den, um die in den 1960er Jahren in Dienst gestellte HAMIL­TON-Klasse (116,3 Meter, 3.050 Ton­nen) abzulösen.

Die LEG­END-Klasse ist Teil des umfassenden »Deep­wa­ter« Mod­ernisierung­spro­gramms der US-Coast Guard (USCG). Im Rah­men von »Deep­wa­ter« sollen in den kom­menden Jahren noch zwei kleinere Schiff­sklassen sowie neue Patrouillen- und Ret­tungs­boote, Flugzeuge und Hub­schrauber beschafft wer­den.

Glob­aler Ein­satz

Die BERTHOLF und ihre Schwest­er­schiffe sind voll hochsee­tauglich und haben glob­ale Ein­satzre­ich­weite. Im CODAG-Modus leis­tet die LEGEND-KLASSE offiziell 28 Knoten Fahrt (tat­säch­lich brachte es das Typ­schiff während der Erprobung auf über 30 Knoten). Die Diesel­mo­toren allein brin­gen das mit zwei Schrauben verse­hene Schiff noch auf 24 Knoten. Auf­grund der hohen Ein­satz­be­las­tung der USCG sollen Ein­heit­en der LEG­END-Klasse im Durch­schnitt 230 Tage jährlich unter­wegs sein und dabei 185 Tage auf See und 45 Tage in frem­den Häfen ver­brin­gen.

Die nach 2001 beschlossene mar­itime Sicher­heitsstrate­gie der USA betont die Notwendigkeit, poten­zielle Bedro­hun­gen möglichst weit von den Küsten der USA – also auf hoher See oder jen­seits der Meere – abz­u­fan­gen. Ger­ade die LEG­END-Klasse – die im Rah­men des Deep­wa­ter Pro­gramms gemäß ihrer Ein­satzrolle auch als Mar­itime Secu­ri­ty Cut­ter (Large) beze­ich­net wird – soll in die Vorn­ev­ertei­di­gung gegen Ter­ror­is­ten und affin­er Bedro­hun­gen, etwa der Pro­lif­er­a­tion von Waf­fen und Raketen- bzw. Massen­ver­nich­tungswaf­fen­tech­nolo­gie, einge­bun­den wer­den. Auch die Unter­stützung von Sta­bil­isierungs­maß­nah­men in Übersee und die Ein­bindung in amerikanis­che oder multi­na­tionale Marin­e­ver­bände erhiel­ten zusät­zliche Pri­or­ität für die LEG­END-Klasse, die eine Reich­weite von 12.000 Seemeilen hat, mehr als 60 Tage auf See bleiben und auch auf See ver­sorgt wer­den kann. »Diese Schiffe sind gebaut, um in großer Ent­fer­nung von der Küste, ohne Esko­rte, für lange Zeiträume, in belas­ten­den Kli­ma­zo­nen zu fahren, wo sie sich alleine auf die eigene Sen­sore­nausstat­tung ver­lassen müssen«, erk­lärte Coast Guard Ober­be­fehlshaber Admi­ral Thad Allen.

Die USCG-Ein­heit­en kön­nen auch zur Piraten­bekämp­fung herange­zo­gen wer­den, Geleitschutz für Kon­vois oder Schiffe mit gefährde­ter Fracht leis­ten oder bei erhöhter Bedro­hungslage Häfen und Off­shore­an­la­gen von See her abschir­men. Eine aus­drück­liche Auf­gabe wird die Über­prü­fung fremder Schiffe – inklu­sive der Entsendung von Board­ing­mannschaften – auf hoher See, bevor diese in US-Gewäss­er ein­fahren. Da die LEG­END-Klasse eine höhere ständi­ge Fahrt­geschwindigkeit und eine höhere Ein­satzaus­dauer als die HAMIL­TON-Klasse aufweist, kön­nen diese Fahrzeuge bei solchen Fahrten wesentlich mehr Schiffe pro Fahrt kon­trol­lieren. Zu alle­dem sollen sie weit­er­hin andere anges­tammte Auf­gaben der USCG leis­ten.

»Sie wer­den beispiel­sweise den Golf von Alas­ka und das Bering­meer befahren, mit­ten im Paz­i­fis­chen Ozean nach ille­galer Fis­cherei Auss­chau hal­ten, im Ost­paz­i­fik und vor der südamerikanis­chen Küste Dro­gen­pa­trouille fahren und mit der US-Navy in ver­schiedene Teile der Welt aus­rück­en, um die dort zuständi­gen US-Ober­be­fehlshaber zu unter­stützen«, beschreibt Adm. Allen die Viel­seit­igkeit der neuen Schiff­sklasse. »Dieses Schiff weist das beste Führungssys­tem und die beste Inter­op­er­abil­ität in der Geschichte der Küstenwache auf«, erk­lärt er fern­er. Das Führungs-, Kom­mu­nika­tions- und Überwachungssys­tem der BERTHOLF ist nicht nur mit anderen Schif­f­en und Flugzeu­gen der USCG, son­dern auch mit der US-Navy und mit alli­ierten Seestre­itkräften kom­pat­i­bel.