USA — Grüne Flotte — Die US-Navy setzt auf erneuerbare Energiequellen

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Dieser Artikel wird mit fre­undlich­er Genehmi­gung der “Marine­Fo­rum — Zeitschrift für mar­itime Fra­gen” veröf­fentlicht.

Marineforum

Grüne Flotte — Die US-Navy set­zt auf erneuer­bare Energiequellen

Die US-Stre­itkräfte investieren gezielt in erneuer­bare Energiequellen und in energieef­fiziente Tech­nolo­gie. Dies hat mehrere Gründe:

  • Die Stre­itkräfte sollen durch Emis­sion­seindäm­mung ihren Beitrag zum Abbau der Treib­haus­gase leis­ten, nicht zulet­zt aus der Erken­nt­nis her­aus, dass der Kli­mawan­del weltweit zu poli­tis­ch­er Insta­bil­ität und zur Kriegs­ge­fahr beitra­gen kann, dass Umwelt­poli­tik also im erweit­erten Sinne auch die Sicher­heit­spoli­tik bet­rifft;

  • Der Anstieg der Rohöl­preise bedeutet für die Stre­itkräfte eine reale Belas­tung, ins­beson­dere zu Kriegszeit­en. Das Mil­itär ist für beina­he zwei Prozent des gesamten US-Energie­ver­brauchs ver­ant­wortlich. Alter­na­tive Energiequellen sollen zur Aus­gaben­sta­bil­ität beitra­gen;

  • Die Abhängigkeit vom weit­ge­hend importierten Rohöl stellt eine strate­gis­che Ver­wund­barkeit dar.

Die US-Navy und das US-Marine Corps (USMC) ver­fol­gen mehrere Ansätze zugun­sten der Energie­un­ab­hängigkeit. Marine­m­i­nis­ter Ray Mabus gab dies­bezüglich im Okto­ber 2009 einen Fünf­punk­teplan für die Seestre­itkräfte her­aus:

  • Ab 2010 sollen bei Ver­tragsver­gaben die Energie-Effizienz und Emis­sion­sauswirkun­gen der konkur­ri­eren­den Ange­bote berück­sichtigt wer­den;

  • Bis 2012 soll – durch Fahrten in US-Gewässern – die Fähigkeit nachgewiesen wer­den, einen auss­chließlich durch erneuer­bare Energi­etech­nolo­gie (ein­schließlich Kernen­ergie) angetriebe­nen Schiffsver­band entsenden zu kön­nen;

  • Bis 2015 soll der Ben­z­in­ver­brauch durch die 50.000 nicht-tak­tis­chen Nutz­fahrzeuge im Fuhrpark der Navy und des Marine Corps um 50 Prozent reduziert wer­den. Dies soll durch die Ein­führung eines Treib­stof­fgemischs aus Ben­zin und Biokraft­stoff sowie durch den Erwerb von Elek­tro­fahrzeu­gen bew­erk­stel­ligt wer­den;

  • Bis 2020 soll min­destens die Hälfte des Energiekon­sums von Navy und USMC Stützpunk­ten an Land durch erneuer­bare Quellen – ein­schließlich Sonnen‑, Wind- und Wellenen­ergie sowie Bio­masse und geot­her­mis­che Quellen – gedeckt wer­den;

  • Bis 2020 sollen 50 Prozent des gesamten Energiekon­sums bei­der TSK aus alter­na­tiv­en Quellen stam­men (heute sind es bere­its 17 Prozent, erk­lärt Min­is­ter Mabus).

Hybri­dantrieb für Kriegss­chiffe

MAKIN ISLAND (Foto: US Navy)
MAKIN ISLAND
Foto: US Navy

Über­wasserkriegss­chiffe ver­brauchen 41 Prozent des gesamten Energiekon­sums der amerikanis­chen Marine, stellt das Sur­face War­fare Oberkom­man­do der US-Navy fest. Ein wesentlich­er Ansatz zugun­sten des Energies­parens ist daher die Ein­führung des Hybri­dantriebs auf Kriegss­chif­f­en. Mit der USS MAKIN ISLAND (LHD‑8), der let­zten Ein­heit der WASP Klasse, stellte die US-Navy 2009 das erste Kriegss­chiff mit Hybri­dantrieb in Dienst. Neben zwei Gas­tur­binen mit je 35.000 PS als Haup­tantrieb hat das amphibis­che Schiff ein als APS (Aux­il­iary Propul­sion Sys­tem) beze­ich­netes Hil­f­santrieb­ssys­tem, beste­hend aus zwei Elek­tro­mo­toren mit je 5.000 PS. Diese Induk­tion­s­mo­toren wer­den durch das Strom­netz auf LHD‑8 gespeist. Die Stromver­sorgung des Schiffes erfol­gt durch sechs Diesel­gen­er­a­toren mit je 4.000 kW Leis­tung.

Der Elek­troantrieb ist bei niedrigeren Fahrt­geschwindigkeit­en effizien­ter. »Für hohe Fahrt ver­wen­den wir die Gas­tur­binen«, erk­lärt US-Navy Cap­tain Bob Kopas, Kom­man­dant der MAKIN ISLAND. »Für niedrigere Fahrt­geschwindigkeit­en set­zen wir den elek­trischen Antrieb ein – genau­so wie in einem Auto mit Hybrid-Antrieb«. Bere­its auf der Über­führungs­fahrt von der Ingalls Werft in Mis­sis­sip­pi zum neuen Stan­dort bei San Diego sparte USS MAKIN ISLAND (im Ver­gle­ich zu früheren Schif­f­en der WASP-Klasse, die noch durch Dampf­tur­binen angetrieben wer­den) zwei Mil­lio­nen Dol­lar Treib­stof­fkosten ein. Über 40 Jahre hin­weg soll das Schiff so eine Viertelmil­liarde Dol­lar an Treib­stof­fkosten eins­paren.

Die ab 2013 einzuführen­den amphibis­chen Träger der neuen AMERICA Klasse erhal­ten das gle­iche Hybri­dantrieb­ssys­tem wie die MAKIN ISLAND. Nach Aus­sage des Chief of Naval Oper­a­tions, Admi­ral Gary Roug­head, wird geprüft, ob auch die sieben älteren Ein­heit­en der WASP Klasse (LHD‑1 bis LHD‑7) nachträglich mit Hybri­dantrieb aus­gerüstet wer­den kön­nen.

Auch die ARLEIGH BURKE Klasse (DDG 51 Klasse) – die zahlen­mäßig umfan­gre­ich­ste Schiff­sklasse der Navy – soll durch Nachrüs­tung mit Elek­tro­mo­toren einen Hybri­dantrieb erhal­ten. Die Fir­ma Gen­er­al Atom­ics erhielt im Juli 2009 den Auf­trag zur Entwick­lung eines eige­nen Hybri­dantrieb­ssys­tems für die Lenkwaf­fen­z­er­stör­er. Ein Pro­to­typ des Sys­tems soll 2012 an Bord des Zer­stör­ers USS TRUXTON (DDG 103) auf See getestet wer­den. Im Ver­lauf des Ver­suchs soll die Inte­gra­tion der Elek­tro­mo­toren mit dem Maschi­nenkon­troll­sys­tem, dem Unter­set­zungs­getriebe und dem elek­trischen Verteilungssys­tem des Schiffes getestet wer­den. Der elek­trische Antrieb soll bei Fahrt­geschwindigkeit­en bis zu 14 Knoten einge­set­zt wer­den, erk­lärt Glen Sturte­vant, wis­senschaftlich­er Direk­tor des Naval Sea Sys­tems Com­mand. Je nach Schätzung kön­nte eine sys­tem­a­tis­che Nachrüs­tung den Treib­stof­fver­brauch der Zer­stör­er um 10 bis 16 Prozent reduzieren. Die Kosten der Nachrüs­tung der ARLEIGH-BURKE Klasse mit Hybri­dantrieb dürften sich nach fünf Jahren amor­tisieren, stellte die Forschungs­di­en­st­stelle Office of Naval Research bere­its 2008 fest.

Team GlobDef

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