UK — Marine — 50 Jahre Flag Officer Sea Training

Die 4. See­woche ist freeplay…
Anders die vierte und let­zte See­woche: Sie begin­nt meist bere­its am Woch­enende zuvor. Das Schiff – verse­hen mit ein­er Krisen­lage – sticht im Ein­satz- bzw. Kriegs­marsch in See, ohne dass die nun fol­gen­den Übun­gen im WPP aus­ge­wor­fen sind. Diese »Freeplay-Phase« stellt real­ität­snah große Anforderun­gen an die bor­dinterne Organ­i­sa­tion zur Sich­er­stel­lung ein­er hohen Reak­tions­bere­itschaft bei gle­ichzeit­iger Durch­hal­te­fähigkeit über einen lan­gen Zeitraum. Im Rah­men dieser Phase trifft das Schiff auf einen Havaris­ten, dem es tech­nis­che und san­itäts­di­en­stliche Unter­stützung zu leis­ten hat. Anderentags endet der Angriff eines paramil­itärischen Motor­bootes mit ein­er Katas­tro­phe: Das Schiff erlei­det durch eine Sprengstoffdet­o­na­tion eine riesiges Leck und eine hohe Anzahl Ver­let­zter (USS COLE-Szenario). Die Wieder­erlan­gung der Ein­satzfähigkeit ist hier kri­tisch, da zeit­nah eine Evakuierung­sop­er­a­tion geplant und durchge­führt wer­den muss.

Alle Phasen des GOST fol­gen dabei ein­er ganzheitlichen Philoso­phie: Die Übun­gen sind in ein poli­tis­ches Krisen­szenario einge­bet­tet, in welchem auch inter­na­tionales Recht, Rules-of- Engage­ment sowie der Umgang mit VIPs und Pressear­beit eine wichtige Rolle spie­len. Das Schiff und die Besatzun­gen wer­den an ihre tech­nis­chen, physis­chen und psy­chis­chen Gren­zen herange­führt. Sie leben sozusagen sechs Wochen lang in Krise und Krieg.

Ein­satzbesich­ti­gung
Das GOST endet mit der Final Inspek­tion, der Ein­satzbesich­ti­gung, die im Rah­men eines Week­ly Wars stat­tfind­et. Bei erfol­gre­ich­er Inspek­tion wird die Ein­heit mit dem »Final Sig­nal « des FOST für ihre kün­fti­gen Auf­gaben »oper­a­tional capa­ble« (ein­satzfähig) zer­ti­fiziert. Damit endet auch die bis zu sechs Monate lange Ein­satzaus­bil­dungsphase nach der let­zten Instand­set­zung. Das Schiff ste­ht nun für die Vorhaben der Flotte oder Ein­sätze der Bun­deswehr zur Ver­fü­gung.

FOST-Stan­dard
Es wirft sich die Frage auf, wie real­ität­snah die Aus­bil­dung beim FOST ist. Nun, die Roy­al Navy ist eine Marine im per­ma­nen­ten (Kampf-) Ein­satz. Zwar verblassen die Erfahrun­gen aus dem Falk­land­krieg nach 26 Jahren zuse­hends, jedoch haben viele heutige Searid­er am ersten und zweit­en Golfkrieg aktiv teilgenom­men. Auch die bit­teren Lehren aus der Havarie von HMS NOTTINGHAM, die 2002 auf ein Riff aufge­laufen und erhe­blich leck geschla­gen war, flossen sofort in die Aus­bil­dung beim FOST ein. Trotz­dem habe ich per­sön­lich zu Beginn mein­er Dien­stzeit als deutsch­er Verbindung­sof­fizier beim FOST einen durch Ver­schlankungswahn, Finanznot und Schlam­perei verur­sacht­en steilen Nieder­gang der Stan­dards inner­halb der Roy­al Navy – und damit beim FOST – erlebt.

Dieser Trend hielt bis zum April 2007 an, als 15 Board­ing­sol­dat­en von HMS CORNWALL im Per­sis­chen Golf durch iranis­che Kräfte gefan­gen geset­zt wur­den. Dieser Vor­fall zehrte arg am Selb­st­be­wusst­sein der britis­chen Nation und wurde im Nach­hinein im Ful­ton-Report en détail aufgear­beit­et, Defizite in allen Bere­ichen und Ebe­nen der Roy­al Navy iden­ti­fiziert, die diese sehr medi­en­wirk­sam zum Nachteil der britis­chen Seite aus­geschlachtete Geisel­nahme möglich gemacht hat­ten. Ergeb­nis war eine rig­orose Kehrtwen­dung inner­halb der Roy­al Navy. Materielle Unter­stützung, Per­son­al­s­teuerung und Aus­bil­dung wur­den ein­er Zäsur unter­zo­gen.