Israel — Waffen für die Hisbollah — Der Fall Francop

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Dieser Artikel wird mit fre­undlich­er Genehmi­gung der “Marine­Fo­rum — Zeitschrift für mar­itime Fra­gen” veröf­fentlicht.

Marineforum

Waf­fen für die His­bol­lah — Der Fall “Fran­cop”

Von Klaus Momm­sen
(Klaus Momm­sen ist als Redak­teur des Marine­Fo­rum zuständig für die Berichter­stat­tung zu aus­ländis­chen Mari­nen)

100sm von der israelis­chen Küste ent­fer­nt fin­gen in der Nacht zum 4. Novem­ber 2009 die israelis­che FK-Korvette EILAT und ein Kampf­schwim­merkom­man­do das Con­tain­er­schiff FRANCOP ab. Eine genaue Unter­suchung im israelis­chen Ash­dod förderte ins­ge­samt fast 500 t an Waf­fen und Muni­tion zutage, die in 36 Con­tain­ern hin­ter Säck­en ver­steckt waren. Die Besatzung der FRANCOP wusste nichts vom wahren Inhalt der Con­tain­er.

Die Ladung – darunter Tausende Katyusha- Raketen – war offen­sichtlich für die libane­sis­che His­bol­lah bes­timmt. Fracht­pa­piere belegten zweifels­frei den Iran als Absender. Kisten tru­gen überdies das Logo »Sep­ah« der iranis­chen Rev­o­lu­tion­s­gar­den. Der aufge­flo­gene Schmuggel rei­ht sich in eine ganze Serie von Ver­suchen des Iran ein, die His­bol­lah nach dem 2. Libanonkrieg möglichst zügig wieder aufzurüsten. So wur­den im Jan­u­ar 2009 in Zypern auf dem Frachter MONCHEGORSK größere Waf­fen­men­gen gefun­den, und im Okto­ber wurde in Mal­ta eine Waf­fen­liefer­ung auf dem Frachter HANSA INDIA ent­deckt. Auch auf dem Land- und Luftweg ver­suchte Trans­porte wur­den aufgedeckt. Trotz dieser Erfolge muss man aber wohl eine gehörige Dunkelz­if­fer befürcht­en. Israel weist seit Monat­en darauf hin, dass alle inter­na­tionalen Maß­nah­men die Wieder­aufrüs­tung der His­bol­lah nicht ver­hin­dert haben.

Das ist keines­falls Kri­tik an der UNIFIL Mar­itime Task Force. Man darf davon aus­ge­hen, dass Schmug­gler die von der MTF patrouil­lierten Gewäss­er mei­den und ihre »Waren« in Syrien umschla­gen. Von dort lassen sich die Land­gren­zen nach Libanon leichter über­winden. Es ist auch müßig zu spekulieren, ob nicht MTF-Schiffe die FRANCOP hät­ten abfan­gen kön­nen. Das Schiff war nicht ein­mal in der Nähe der UNIFIL Patrol Area, und die Vere­in­ten Natio­nen sind ganz sich­er nicht Rou­ti­neempfänger oper­a­tiv­er Infor­ma­tio­nen amerikanis­ch­er oder israelis­ch­er Geheim­di­en­ste.

Die unter der Flagge Antiguas in zyprisch­er Char­ter fahrende deutsche FRANCOP kam aus Dami­et­ta (Ägypten) und sollte Zypern, die Türkei, Syrien und schließlich den Libanon anlaufen. Die fraglichen Con­tain­er kamen in Dami­et­ta an Bord, wo ein iranis­ch­er Frachter sie ent­laden hat­te. Medi­en­bericht­en zufolge hat­te dieser im Okto­ber die Waf­fen im Iran über­nom­men. US-Geheim­di­en­ste sollen dies erkan­nt und ihre israelis­chen Part­ner informiert haben. Ange­blich hat­te Israel zunächst geplant, das Schiff im Roten Meer aus der Luft zu versenken, sich dann aber mit den USA darauf ver­ständigt, die Ladung erst im Mit­telmeer abz­u­fan­gen. Der US-Kreuzer ANZIO soll das Schiff dann auf sein­er Fahrt um die Ara­bis­che Hal­binsel und durch das Rote Meer – mit Stopps in Jemen und Sudan – beschat­tet haben.

Sin­nvoll war die Zurück­hal­tung alle­mal. Zum einen hätte die israelis­che Bom­bardierung eines iranis­chen Schiffes in inter­na­tionalen Gewässern nicht nur einen poli­tisch extrem brisan­ten Zwis­chen­fall provoziert, son­dern wohl auch sämtliche Beweise auf den Meeres­grund geschickt. Zum anderen dürfte aber auch der Zeit­fak­tor eine wesentliche Rolle gespielt haben, denn natür­lich hätte die israelis­che Marine das iranis­che Schiff schon im Roten Meer entern und nach Eilat steuern kön­nen.

Marineforum - 500 t Waffen und Munition auf der Pier von Ashdod (Foto: IDF)
500 t Waf­fen und Muni­tion auf der Pier von Ash­dod
Bildquelle: IDF

Anfang 2002 hat­te man sich für diese Lösung entsch­ieden, als die KARINE A etwa 50 t Waf­fen aus dem Iran für die Palästi­nenser trans­portierte. Einige Medi­en, die sich über die öffentlichkeitswirk­same »Auss­chlach­tung« des Auf­brin­gens der FRANCOP über­rascht zeigten, scheinen den dama­li­gen Fall völ­lig vergessen zu haben: Min­is­ter­präsi­dent Sharon hat­te per­sön­lich die beschlagnahmten Waf­fen auf der Pier von Eilat präsen­tiert. Der Fall KARINE A führte let­z­tendlich zu außen­poli­tis­ch­er Iso­la­tion und Machtver­lust von Palästi­nenser­führer Arafat.

Auch dies­mal war man offen­bar bemüht, die Waf­fen nicht nur abz­u­fan­gen, son­dern zugle­ich auch max­i­malen poli­tis­chen Nutzen daraus zu ziehen. Man darf dur­chaus ver­muten, dass das Auf­brin­gen der FRANCOP möglichst zeit­nah zur Befas­sung der UN Vol­lver­samm­lung mit dem »Gold­stone-Report« erfol­gen sollte, um deut­lich zu machen, dass der umstrit­tene Bericht zum jüng­sten Gaza­krieg Ver­ant­wor­tung und Rolle der Ter­ro­ror­gan­i­sa­tio­nen ver­nach­läs­sigt – und zugle­ich den Iran als aktiv­en Ter­ror-Unter­stützer inter­na­tion­al an den Pranger zu stellen.

Dafür spricht auch, dass die Ladung nicht in Dami­et­ta beschlagnahmt wurde. UN-Res­o­lu­tion 1747 (Stich­wort: Atom­pro­gramm) ver­bi­etet dem Iran näm­lich jeglichen Waf­fen­ex­port und verpflichtet alle UN-Mit­gliedsstaat­en (auch Ägypten), solchen aktiv zu unterbinden. Offen­bar wurde Ägypten aber nicht informiert. Präsi­dent Mubarak hätte sich­er jede Gele­gen­heit genutzt, den ungeliebten Iran »vorzuführen« und den Israelis ihren Medi­en­auftritt zu verder­ben.

Die iranis­che Führung ver­suchte gar nicht erst, den aufge­flo­ge­nen Waf­fen­trans­port zu bestre­it­en. Es habe sich aber um syrische Waf­fen gehan­delt, die nach Iran gebracht wer­den soll­ten (also kein iranis­ch­er Export). Warum syrische Waf­fen allerd­ings mit Ziel Syrien in Iran ver­laden wur­den, blieb offen. Der wahrschein­liche Empfänger His­bol­lah wies alle Anschuldigun­gen zurück und sprach von »israelis­chen Pirat­en in inter­na­tionalen Gewässern«.