Expeditionary Craft — Einsatzboot für Flusspatrouillen

Flagge USA

Dieser Artikel wird mit fre­undlich­er Genehmi­gung der “Marine­Fo­rum — Zeitschrift für mar­itime Fra­gen” veröf­fentlicht.

Marineforum

Expe­di­tionary CraftEin­satz­boot für Flusspa­trouillen

Marineforum JMEC (Foto: Northrop-Grumman))

Northrop Grum­man und der Boots­bauer Alu­minum Cham­bered Boats stell­ten Anfang Juni auf dem Navy Stützpunkt Lit­tle Creek (Vir­ginia) ein neues Spezial­boot für Flusspa­trouillen und für den Dienst in Küstengewässern vor.

Als »Joint Mul­ti­mis­sion Expe­di­tionary Craft« (JMEC) beze­ich­net, soll das mit viel Überwachungs- und Kom­mu­nika­tions- Elek­tron­ik aus­ges­tat­tete Boot 42 kn (78 km/h) erre­ichen und bis zu 19 Mann aufnehmen. Mit 66 cm Tief­gang kann es so gut wie alle Bin­nengewäss­er inklu­sive Sümpfe befahren. JMEC eignet sich für eine bre­ite Palette von Auf­gaben – inklu­sive Aufk­lärungs- und Überwachungspa­trouillen, Ein­satz­trans­port von Kampftrup­pen oder Mate­ri­al­trans­port – und lässt sich ein­satzgerecht kon­fig­uri­eren.

Die Grun­daus­führung des Bootes wird von Alu­minum Cham­bered Boats in Belling­ham (Bun­desstaat Wash­ing­ton) gebaut. Die Ein­satzkon­fig­u­ra­tion und Sys­tem­inte­gra­tion sind Auf­gabe von Northrop Grum­man.

Von Sid­ney E. Dean

Kon­fig­u­ra­tion
JMEC soll äußerst wendig und lagesta­bil sein und noch bei See­gang 5 einge­set­zt wer­den kön­nen. Alu­minum Cham­bered Boats Direk­tor Tim Metz erk­lärt, dass der Alu­mini­um­rumpf ent­wor­fen wurde, um das Boot auch bei schw­er­er Beschädi­gung vor dem Sinken zu bewahren. »Auch wenn der Boden aus­geschossen würde, kann das Boot unter Ein­satz eines einzel­nen Motors wen­den und an Land fahren«, erk­lärt Metz. Es beste­ht die Möglichkeit, zusät­zlich Panzerun­gen auf den Rumpf zu mon­tieren.

Das Boot ist 12,6 Meter lang, 3,3 Meter bre­it, und hat eine 1,65 Meter lange Bugrampe. Die Ver­drän­gung beträgt 9,7 t. Das Vorderdeck hat 10,5 qm Stau­fläche und trägt 3 400 kg Nut­zlast; das Ach­ter­deck hat 7,12 qm Stau­fläche und trägt 1.150 kg.

Zwei Cum­mins QSC 8,3 Liter Tur­bo-Diesel­mo­toren (je 540 PS) und zwei Ultra­jet 340 Wasser­jets brin­gen das Boot auf 42 Knoten. Aus dem Stand her­aus kommt JMEC bin­nen 10 Sekun­den auf 27 kn (50 km/h). Die Reich­weite beträgt bei mit­tlerer Fahrgeschwindigkeit 500 Kilo­me­ter. JMEC fährt mit dem Jet­treib­stoff JP8 (NATO-Beze­ich­nung F-34).

Die Grundbe­satzung beträgt vier Mann. Für Aufk­lärungs- und Überwachung­sein­sätze kämen nor­maler­weise zwei weit­ere Sol­dat­en hinzu. Alter­na­tiv kann JMEC einen 15-köp­fi­gen Ein­satztrupp oder Nach­schub trans­portieren.

Northrop Grum­man inte­gri­ert eigene Nav­i­ga­tions-, Kom­mu­nika­tions-, Überwachungs- und Führungssys­teme in JMEC. Das Boot kann naht­los im tak­tis­chen Netz der US-Navy (FORCEnet) und der US-Stre­itkräfte einge­bun­den wer­den. Die Boots­be­satzung soll so Zugang zum gesamten rel­e­van­ten Lage­bild haben, was die offen­siv­en wie defen­siv­en Fähigkeit­en der kleinen Flusskampfein­heit­en wesentlich erhöhen soll.

Zu den elek­tro­n­is­chen Sys­te­men an Bord JMEC zählen:

  • Automa­tis­ches Iden­ti­fizierungssys­tem AIS (als IFF);

  • Echolot;

  • Inte­gri­erte elek­troop­tis­che- und Infrarot­sen­soren (SeaFLIR III) mit 360 Grad Überwachungs­feld;

  • Laser­ent­fer­nungsmess­er;

  • 360 Grad Radar für Nav­i­ga­tion wie für Überwachung;

  • Funk- und Dig­i­tal­funk;

  • Draht­los­er Bre­it­band-Inter­ne­tan­schluss;

  • Satel­liten­verbindung (INMARSAT, NAVSTAR, SATCOM) für Nav­i­ga­tion und Kom­mu­nika­tion;

  • eRover III Daten­link für die Verbindung zu Luftaufk­lärungssys­te­men.

Die vier Crew-Sta­tio­nen auf der Brücke sind stan­dar­d­isiert. Die Mannschaft kann von jed­er Sta­tion aus die jew­eils erforder­liche Crew-Funk­tion aufrufen. Jed­er Arbeit­splatz ist u.a. mit einem 17-Zoll-Farb­bild­schirm aus­ges­tat­tet, der auch die Bilder der optis­chen Überwachungssys­teme (ggf. in Nacht­sicht­modus) wiedergeben kann.

Es gibt an der Bor­d­wand achtern und seitlich Hal­terun­gen für bis zu fünf Waf­fen (leichte und schwere MG bis Kaliber 12,7 mm; Granatwer­fer bis 40 mm; trag­bare Raketen wie Javelin oder Spike). Auf dem Dach des Brück­en­haus­es kann zusät­zlich ein fernbe­di­entes Geschütz mon­tiert wer­den. Die schwenkbare Raven 400 SS Sys­tem Geschütz­plat­tform auf dem Dach hat inte­gri­erte Zielsen­soren und Ent­fer­nungsmess­er, und kann u.a. leichte und schwere MG bis Kaliber 12,7 mm, das GAU-17 Gatlinggeschütz, Granatwer­fer bis zu 40 mm, oder auch nicht-letale Waf­fen aufnehmen. Das Raven Sys­tem lässt sich per Joy­stick von ein­er Kon­sole im Brück­en­haus des Bootes ein­set­zen.

Auss­chrei­bung
Das Naval Expe­di­tionary Com­bat Com­mand (NECC) will ab 2010 mit der Beschaf­fung neuer Boote für seine drei Flusskampfgeschwad­er (je 12 Boote und ca. 250 Mann) begin­nen. Die Navy erließ daher im Juli 2006 eine Auss­chrei­bung für Konzepte eines Nach­fol­ge­bootes für die gegen­wär­tig ver­wen­de­ten Small Unit River­ine Craft (SURC). Alu­minum Cham­bered Boats und Northrop Grum­man beschlossen im Dezem­ber 2006, sich gemein­sam an der Auss­chrei­bung zu beteili­gen. Nur fünf Monate später – im Mai 2007 – wurde der JMEC-Pro­to­typ fer­tiggestellt.

Die Navy prüft im kom­menden Jahr ver­schiedene Boot­stypen als SURC-Nach­fol­ger; eine Beschaf­fungsentschei­dung fällt voraus­sichtlich im Ver­lauf von 2009. Alu­minum Cham­bered Boats und Northrop Grum­man wer­den JMEC zwis­chen­zeitlich auch anderen Staat­en sowie zivilen amerikanis­chen Sicher­heits­be­hör­den anbi­eten. Das Boot kostet in der Grun­daus­führung 700 000 Dol­lar. Mit Elek­tron­ik und Waf­fen aus­ges­tat­tet kommt JMEC auf 2,7 Mil­lio­nen Dol­lar pro ein­satzbere­ite Ein­heit.