Deutschland — Unsere Marine im Einsatz

Investi­tio­nen, um in Zukun­ft poli­tisch rel­e­vant zu sein

Nun ein kurz­er Überblick in den Inves­tanteil des Bun­deswehrplans. Die Fre­gat­ten 124 sind in Dienst gestellt. Mit ihnen haben wir mod­ern­ste Ein­heit­en zur Luftvertei­di­gung gegen Flugzeuge und Flugkör­p­er zur Ver­fü­gung. Sie besitzen eine hoch entwick­elte Sen­sorik und auch eine Nachrüst-Option zur Teil­habe an seegestützter Abwehr bal­lis­tis­ch­er Flugkör­p­er. Die Nieder­ländis­che Marine entwick­elt ihre Fre­gat­ten, die zum großen Teil bau­gle­ich sind, genau in diese Rich­tung. Wir sind an deren Erprobun­gen beteiligt, ver­fol­gen das sehr genau und wollen zumin­d­est die Option behal­ten, ihren Entwick­lun­gen dort zu fol­gen, wo sie erfol­gre­ich sind. Ziel ist es, diese Fähigkeit, die ja sowohl in der Konzep­tion der Bw, als auch in den Vertei­di­gungspoli­tis­chen Richtlin­ien und im Weißbuch hoch pri­or­isiert ist, ver­füg­bar zu machen.

Allerd­ings haben wir die Kom­plex­ität der Fre­gat­te 124 unter­schätzt. Sie besitzt eine Vielzahl von Schnittstellen, die dazu führen, dass das Ein­satz-Sys­tem ins­ge­samt noch insta­bil ist. Dies hat zu umfan­gre­ichen Unter­suchun­gen schon im Jahr 2006 geführt, zu Sys­temverträglichkeit­stests und entsprechen­den Maß­nah­men, die nun ein­geleit­et wor­den sind und noch laufen. Mit diesen Maß­nah­men sind wir auf einem guten Weg zur Ein­satzfähigkeit. Wir brauchen sie auch drin­gend in den Ein­sätzen zur Ent­las­tung der Führungs­fre­gat­ten F 123.

Der immer wieder geäußerten Kri­tik in Poli­tik und Öffentlichkeit muss man ent­ge­gen­hal­ten, dass ein solch kom­plex­es Sys­tem dur­chaus auch seine Zeit braucht, um ein­satzfähig zu wer­den. Das gilt genau­so für die kom­plex­en Ein­heit­en unser­er Ver­bün­de­ten, die zum Teil für ver­gle­ich­bare Fähigkeit­en und Pro­jek­te auch mehrere Jahre gebraucht haben, bis sie diese oper­a­tiv beherrscht haben. Also, wir sind hier auf einem guten Weg. Marineforum Fregatte 125 Ein paar Worte zur Fre­gat­te 125, die opti­miert ist für mehrjährige Sta­bil­isierung­sein­sätze. Ihr Fähigkeit­spro­fil ist in erster Lin­ie für Mar­itime Inter­dic­tion Oper­a­tions aus­gelegt, also für das, was uns aktuell in den Ein­sätzen beson­ders beschäftigt.

Sie ist aber auch darüber hin­aus in der Lage, tak­tis­che Feuerun­ter­stützung von See an Land zu leis­ten und sie wird auch befähigt sein, Spezial- und spezial­isierte Kräfte von See aus zu unter­stützen. Sie wird sehr viel effek­tiv­er und effizien­ter sein als unsere bish­eri­gen Schiffe. Wir haben hier eine Menge investiert, um Mate­ri­aler­halt und Betrieb über den Lebensweg hin­weg möglichst ger­ing zu hal­ten. Wir erwarten uns aus diesen Investi­tio­nen Einsparun­gen während der Betrieb­spe­ri­ode.

Die Fre­gat­te 125 hat ein sehr inno­v­a­tives tech­nol­o­gis­ches Konzept. Wenn man ein Schiff ohne größere Instand­set­zun­gen bis zu zwei Jahren im Aus­land­sein­satz hal­ten will, dann bedeutet dies, dass die einzel­nen Sys­teme natür­lich eine sehr hohe Zuver­läs­sigkeit aufweisen müssen. Das bindet erhe­bliche Investi­tio­nen. Und wir betreten hier auch rüs­tung­stech­nol­o­gisch Neu­land. Darüber hin­aus erfordert die tech­nis­che Durch­hal­te­fähigkeit eines solchen Schiffes die Ausstat­tung mit zwei Besatzun­gen. Die Ver­tragsver­hand­lun­gen zur Fre­gat­te 125 sind in der End­phase. Absicht ist, das Vorhaben noch vor der Som­mer­pause, möglichst Ende Juni dem Par­la­ment vorzule­gen. Das ist auch erre­ich­bar. Ich bin im Moment vor­sichtig opti­mistisch, dass uns dies gelingt.

Ein kurz­er Blick auf die fünf Korvet­ten der BRAUN­SCHWEIG-Klasse. Die Indi­en­st­stel­lung der ersten Korvette erfol­gt in Kürze. Mit ihr erwarten wir eine nach­haltige Erhöhung der Durch­set­zungs- und Durch­hal­te­fähigkeit im multi­na­tionalen Ver­bund, auch bei Oper­a­tio­nen in weit ent­fer­n­ten Welt­meeren und Rand­meeren.

Das U‑Boot 212 A, zweites Los, ist unter Ver­trag und wird in den Jahren 2008 und 2012 zulaufen. Damit erhöhen wir die oper­a­tive Reich­weite durch den Außen­luftun­ab­hängi­gen Antrieb ganz erhe­blich. Die Boote ver­fü­gen über eine leis­tungsstarke Sonarg­eräteausstat­tung und die Fähigkeit zur verdeck­ten Oper­a­tion; auch zur verdeck­ten Unter­stützung von Ein­sätzen an Land, z.B. durch Aufk­lärung­sun­ter­stützun­gen.

Diese Fähigkeit wird immer wieder auch in den offiziellen Doku­men­ta­tio­nen und in der Presse in den Vorder­grund gestellt. Ich bin darüber nicht ganz glück­lich, auch wenn wir, wie ich zugeben muss, selb­st daran nicht ganz unschuldig sind. Denn die wesentliche Auf­gabe des U‑Bootes in der Über- und Unter­wasserseekriegs­führung gerät dadurch aus dem Blick. Und diese Rolle, darauf komme ich später noch zurück, wird für uns natür­lich min­destens genau­so wichtig bleiben. Denn wir müssen nach wie vor auch in der Lage sein, in regionalen kon­ven­tionellen mil­itärischen Auseinan­der­set­zun­gen unseren Beitrag zu leis­ten. Dabei hat das U‑Boot seine Rolle in der drei­di­men­sion­alen U‑Jagd und auch in der Bekämp­fung kon­ven­tioneller Über­wassergeg­n­er.

Zur P3C-Ori­on: Sie wird zurzeit in Nord­holz ein­satzfähig gemacht. Wie Sie wis­sen, haben wir acht Maschi­nen von der Nieder­ländis­chen Marine über­nom­men. Die Ein­satzvor­bere­itun­gen laufen unter Hochdruck, so zu sagen bei laufen­d­em Pro­peller. Wir brauchen diese Maschi­nen drin­gend, vor allen Din­gen in den Ein­sätzen, auch um unsere Fre­gat­ten ein Stück weit ent­las­ten zu kön­nen. Zum Beispiel am Horn von Afri­ka ist eine MPA in diesem Szenario sehr gut ein­set­zbar und wird auch immer wieder ger­ade dort von den Amerikan­ern ange­fragt. Wir gehen davon aus, dass es bis zum Ende dieses Jahres gelingt, eine Mas­chine ver­lege­fähig und ein­satzk­lar zu haben.

Zum MH 90 ein kurzes Wort: Der Rüs­tungsrat hat aus Finanz­grün­den entsch­ieden, die Pla­nun­gen auf 30 Hub­schrauber MH 90 zu reduzieren. Der Zeit­punkt der Ein­führung ist zurzeit wieder offen, da es tech­nis­che Prob­leme im Bere­ich des Radars, der Nav­i­ga­tion­ssys­teme und im Bere­ich des Fahrw­erkes gibt. Die Indus­trie ist aufge­fordert, Lösun­gen zu entwick­eln. Wir hal­ten planer­isch noch an einem Beschaf­fungsver­trag für Ende dieses Jahres, bzw. Anfang näch­sten Jahres fest.

Aber es ist jet­zt schon abse­hbar, dass der Zulauf nicht wie ursprünglich geplant von­stat­ten gehen wird. Das führt unter anderem dazu, dass wir Alter­na­tiv­en prüfen, wie z.B. die Ver­längerung des Waf­fen­sys­tems Sea King MK 41. Und daran hängt natür­lich auch die Frage der Zusam­men­le­gung unser­er Marine­flieger in Nord­holz. Ursprünglich sollte die Zusam­men­le­gung mit Zulauf des MH 90 erfol­gen. Hier müssen wir jet­zt prüfen, inwieweit tat­säch­lich bei größeren Ver­schiebun­gen diese Infra­struk­tur- und Sta­tion­ierungs­pla­nung angepasst wer­den muss.

Den Ein­satz­grup­pen­ver­sorg­er als das am höch­sten aus­ge­lastete Seekriegsmit­tel habe ich schon ange­sprochen. Der dritte EGV ist im Bun­deswehrplan 2008 abge­bildet. Wir gehen davon aus, dass wir im April näch­sten Jahres einen end­ver­han­del­ten Ver­tragsen­twurf für diesen drit­ten EGV haben wer­den und stellen uns auf eine par­la­men­tarische Behand­lung im Som­mer des näch­sten Jahres ein. Damit wäre vom planer­ischen Ansatz her eine Indi­en­st­stel­lung in 2012 denkbar.

Aber das ist natür­lich auch eine Frage der Fol­ge­pläne 2009 und 2010 und des Pla­fonds, den wir bekom­men wer­den. In diesen pla­nungsna­hen Jahren gibt es eine Vielzahl konkur­ri­eren­der Großpro­jek­te, die auch Ver­drän­gungsef­fek­te für die Marine bewirken kön­nen. Die Anteile Invest, Mate­ri­aler­hal­tung und Betrieb sind kom­mu­nizierende Röhren. Beim Inves­tanteil sind wir mit unseren struk­tur­rel­e­van­ten Vorhaben im Plan gut aufgestellt. Im Bere­ich Mate­ri­aler­halt und Betrieb gibt es Grund, die Unter­suchun­gen weit­er voran zu treiben und hier nachzus­teuern. Auch vor dem Hin­ter­grund, dass wir die Kosten begren­zen müssen, um weit­er­hin zukun­fts­fähig investieren zu kön­nen.

Es kommt für die Marine darauf an, mit stre­itkräftege­mein­sam hoch pri­or­isierten Fähigkeit­en und Pro­jek­ten auch zukün­ftig in der Bun­deswehr rel­e­vant zu bleiben. Dazu müssen wir Fähigkeit­ser­halt, Mate­ri­aler­halt und Betrieb sich­ern, zugle­ich aber auch vor denken, Konzepte neu entwick­eln und uns nicht nur auf den Erhalt unser­er Fähigkeit­en konzen­tri­eren. Wir müssen also voraus denken und über­legen, wie wir unsere Fähigkeit­en ziel­gerichtet weit­er entwick­eln, sie noch effek­tiv­er machen, sie noch effizien­ter machen, sie noch mehr stre­itkräftege­mein­sam und ein­sat­zori­en­tiert aus­richt­en. Auch, um in Zukun­ft rel­e­vant zu sein.