Deutschland — Unsere Marine im Einsatz

Wir haben auch eine materielle Über­beanspruchung

Aber wir dür­fen uns natür­lich nicht nur die per­son­ellen Belas­tun­gen anschauen. Wir müssen genau­so den materiellen Aus­las­tun­gen und Über­las­tun­gen unser­er Ein­heit­en gegen­s­teuern. Wenn wir den Sum­men­strich ziehen, dann stellen wir fest, dass wir mit der Beteili­gung an den Ein­sätzen unser­er Flotte unsere schwim­menden und fliegen­den Seekriegsmit­tel über­pro­por­tion­al aus­las­ten und zwar im Durch­schnitt zu 108 Prozent der vorgegebe­nen Betrieb­sstun­den.

Das hört sich vielle­icht nicht drama­tisch an, aber wenn Sie berück­sichti­gen, dass dies nur der Durch­schnittswert ist, bedeutet das, dass sich dieses bei den einzel­nen Schiffs- und Boot­sklassen und bei den Marine­fliegern dur­chaus unter­schiedlich darstellt. Anhand eines ekla­tan­ten Beispiels wird dieser Umstand beson­ders deut­lich: Der Ein­satz­grup­pen­ver­sorg­er kam dadurch, dass wir nur über zwei Ein­heit­en ver­fü­gen, und er auch ständig für Ein­sätze gebraucht wird, in 2006 auf eine Ein­satz­be­las­tung von 209 Prozent. Unsere Fre­gat­ten liegen bei 148 Prozent und die Schnell­boote bei 135 Prozent.

Das heißt also: hier müssen wir investieren. Denn bei ein­er geplanten Nutzungs­dauer von etwa 30 Jahren lägen wir zum Beispiel berech­net auf den EGV etwa 17 Jahre nach Indi­en­st­stel­lung in ein­er Phase, wo wir eigentlich den geplanten Fahrstun­den­vor­rat aufge­braucht haben. Ähn­lich­es gilt im Übri­gen für die Flot­ten­di­en­st­boote, die bei 56 Prozent der geplanten Betrieb­s­dauer heute schon 75 Prozent ihrer vorge­se­henen Betrieb­sstun­den ver­braucht haben.

Ich will damit kein Schreck­ens­bild unser­er Ein­satz­be­las­tung und unser­er Ein­satzaus­las­tung zeich­nen, son­dern nur deut­lich machen, dass wir hier gegen­s­teuern müssen. So froh wir sind, dass wir Fähigkeit­en bere­it­stellen, die mil­itärisch und poli­tisch notwendig sind, so müssen wir doch auf­passen, dass wir diese Fähigkeit­en auch erhal­ten, um zukun­fts­fähig zu bleiben.

Die hohe Inanspruch­nahme wirkt sich auf den Bun­deswehrplan, ins­beson­dere auf die Mit­tel für Mate­ri­aler­halt und Betrieb aus

Wir haben im Bun­deswehrplan 2008, und das gilt eigentlich für die let­zten Jahre, per­ma­nent eine Unter­deck­ung im Bere­ich des Mate­ri­aler­halts und des Betriebes gehabt. Diese geplante Unter­deck­ung sollte Druck auf­bauen, wirtschaftlich zu agieren, gegebe­nen­falls auch Meth­o­d­en und Wege zu find­en, im Bere­ich Mate­ri­aler­halt und Betrieb einzus­paren. Auf der anderen Seite sollte das ver­füg­bare Finanz- und Pla­nungsvol­u­men in erster Lin­ie zur Erhöhung des Inves­ti­van­teiles dienen. Das ist auch gelun­gen. Wir haben seit Beginn der Trans­for­ma­tion den Inves­ti­van­teil im Bun­deswehrplan sig­nifikant steigern kön­nen. Wir liegen heute etwa bei 25 Prozent und damit drei bis vier Prozent­punk­te über dem Stand zu Beginn der Trans­for­ma­tion.

Das kommt allen Teil­stre­itkräften zugute, aber es wurde auch mit steigen­den Prob­le­men im Mate­ri­aler­halt und ‑betrieb erkauft. Dies führte zu ein­er Sit­u­a­tion, die so nicht mehr hin­nehm­bar war. Mit dem Bun­deswehrplan 2008 wurde daher durch den Gen­er­alin­spek­teur zu Las­ten Invest umges­teuert, um Mate­ri­aler­halt und Betrieb zu stärken. Allerd­ings längst nicht in dem Aus­maß und in der Größenord­nung, wie das von den Teil­stre­itkräften, auch der Marine, angemeldet wor­den war. Wir stellen fest, dass im Pla­nungszeitraum 2008 bis 2012 im Durch­schnitt bei der Marine, gemessen an den für erforder­lich erachteten Mit­teln, etwa 52 Mio. Euro pro Jahr fehlen.

Wodurch kommt das zus­tande? Da gibt es viele Gründe. Zum einen liegt das daran, dass wir auf Grund der Ein­satz­be­las­tun­gen einen erhöht­en Instand­set­zungsaufwand betreiben müssen. Zum anderen stellen wir fest, dass neu einge­führte Waf­fen­sys­teme in Mate­ri­aler­halt und Betrieb vielfach um den Fak­tor Zwei bis Drei teur­er sind, als abgelöste Waf­fen­sys­teme. Und ein weit­er­er Grund: so pos­i­tiv die Werftkon­so­li­dierung nation­al in Deutsch­land ist, sie verän­dert doch auch die Wet­tbe­werb­ssi­t­u­a­tion und führt zu steigen­den Preisen der Indus­trie.

Im FüM II hat man deshalb sehr frühzeit­ig begonnen zu prüfen, mit welchen Maß­nah­men diese Effek­te zu begren­zen sind. Wie kön­nen wir diese Schere mit unseren Mit­teln wieder schließen? Es sind eine Rei­he von Maß­nah­men zur Betrieb­skosten­be­gren­zung unter­sucht wor­den. Etliche wur­den ver­wor­fen, einige andere haben dur­chaus das Poten­zial, auch sig­nifikante Einsparun­gen zu erzie­len. Zum Beispiel erwarten wir durch Änderung der Sys­tem­atik der Betrieb­spe­ri­o­den- und Erhal­tungsnorm deut­liche Einsparun­gen. Ich will hier nicht auf Einzel­heit­en einge­hen, aber wir sind guter Hoff­nung, dass wir mit den Eigen­maß­nah­men, die die Marine gefun­den hat, dur­chaus einen erhe­blichen Beitrag leis­ten kön­nen, um diese Kosten­steigerung zu begren­zen.