Deutschland — Rede über Marine-Offizier-Vereinigung und Deutsche Marine 2008

Flagge Deutschland

Dieser Artikel wird mit fre­undlich­er Genehmi­gung der “Marine­Fo­rum — Zeitschrift für mar­itime Fra­gen” veröf­fentlicht.

Marineforum

Marine-Offizier-Vere­ini­gung und Deutsche Marine 2008

Ansprache des Inspek­teurs der Marine, Vizead­mi­ral Wolf­gang E. Nolt­ing zum 90-jähri­gen Beste­hen der MOV

Mit großer Zufrieden­heit und mit Stolz kann die Marine-Offizier-Vere­ini­gung, kön­nen wir heute auf 90 Jahre erfol­gre­iche Arbeit zurück­blick­en.

Die »Jubi­lar­in MOV« hat damit die Deutschen Mari­nen und ihre Vorgänger, die dieses Jahr den 160. Jahrestag der Grün­dung der ersten Deutschen Marine feiern, weit über die Hälfte ihres Lebens begleit­et. Ent­standen und auch wieder belebt nach den trau­ma­tis­chen Erleb­nis­sen der bei­den Weltkriege, hat sich – in guten wie auch in schlecht­en Zeit­en – eine erstaunliche Tra­di­tion der Ver­bun­den­heit zu den Sol­dat­en entwick­elt. Der Weg war – ger­ade vor dem Hin­ter­grund der deutschen Geschichte – für bei­de sich­er nicht immer bruch­frei aber stets treu.

Dafür danke ich und grat­uliere recht her­zlich. Ein Mot­to der MOV lautet »Neue Wege und zeit­lose Werte«! Diesem Mot­to füh­le auch ich mich sehr ver­bun­den; weil es sich her­vor­ra­gend in die mod­erne Ori­en­tierung der Marine und in die Trans­for­ma­tion der Bun­deswehr ein­fügt.

So wie wir als Deutsche Marine den zeit­losen Werten unser­er demokratis­chen Gesellschaft dienen, so geht auch die MOV auf dem sicheren Fun­da­ment unser­er Wer­te­ord­nung als Tra­di­tion­s­ge­mein­schaft den Weg in die Zukun­ft. Dies alles geschieht jedoch in einem dynamis­chen Umfeld mit sich rapi­de ändern­den tech­nol­o­gis­chen und sicher­heit­spoli­tis­chen Rah­menbe­din­gun­gen.

Die MOV agiert seit Jahrzehn­ten als Net­zw­erk see­be­zo­gen­er Aspek­te, als Vertreter mar­itimer Belange und als Förder­er des mar­iti­men Bewusst­seins unser­er Gesellschaft. Als Inspek­teur der Marine erfüllt es mich mit Stolz, ein Net­zw­erk an unser­er Seite zu wis­sen, das sehr viel mehr ist als nur ein Fre­und­schaft­skreis. Wir segeln gemein­sam vor dem Wind – und ich möchte die Gele­gen­heit nutzen, die Bedeu­tung unser­er Part­ner­schaft zu unter­stre­ichen und zu bekräfti­gen.

Die Ehre gebührt jedoch nicht der Jubi­lar­in MOV allein. Unbe­d­ingter Erwäh­nung bedür­fen auch die kar­i­ta­tive Unter­stützung und die kam­er­ad­schaftliche Hil­fe der Marine-Offizier-Hil­fe MOH, die fach­liche Begleitung durch das Deutsche Marine Insti­tut DMI und die mod­erne Präsenz des Deutschen Mar­iti­men Kom­pe­tenz Net­zes DMKN.

Die Arbeit der MOV ist weit über den Kreis der aktiv­en und ehe­ma­li­gen Marineange­höri­gen hin­aus geschätzt, und dies nicht nur durch Lek­türe des Marine­Fo­rum. Die »Dreifaltigkeit« von MOV, MOH und DMI deckt ein bre­ites mar­itimes Cur­ricu­lum ab. Diskus­sio­nen und Veröf­fentlichun­gen, Begeg­nun­gen und Erneuerun­gen, ob auf his­torischen, ökonomis­chen, tech­nol­o­gis­chen oder sicher­heit­spoli­tis­chen Feldern, sind für die Deutsche Marine und ihre Frauen und Män­ner eine wertvolle Stütze beim Vertreten mar­itimer Fra­gen und dem Verdeut­lichen mar­itimer Abhängigkeit­en. Sie schaf­fen Kon­tak­te und Anknüpf­punk­te, die auch in Wirtschaft und Poli­tik hinein­re­ichen. Und auch in der Bindung und Moti­va­tion unseres Nach­wuch­ses erfüllt die MOV eine wichtige Funk­tion durch das Aus­loben von Best­preisen.

Für das Erre­ichte und für die geleis­tete Arbeit danke ich Ihnen allen. Ihr Engage­ment sowie die in den Jahren gewach­se­nen Struk­turen ste­hen dafür ein, dass die Exis­tenz der Deutschen Marine zunehmend ver­stärkt wahrgenom­men wird. Ihre Arbeit ist ein Teil mein­er Hoff­nung, dass das Bewusst­sein über die Abhängigkeit­en von der See, aber auch über die Chan­cen und Möglichkeit­en der See nicht nur z.B. an der Jade oder an der schö­nen Kiel­er Bucht gestärkt wird.

Für mich als Inspek­teur der Marine ist es daher eine Verpflich­tung, Ihnen einen kurzen Ein­blick in die aktuellen Geschehnisse und Entwick­lun­gen der Deutschen Marine zu geben.

Marineforum - OPZ Fregatte HESSEN (Foto: PIZ Marine) Es würde bedeuten, Eulen nach Athen zu tra­gen, würde ich nun meine Aus­führun­gen mit dem eben erwäh­n­ten Gedankengut ein­leit­en, denn die Quan­tität unser­er Rohstof­fim­porte auf dem Seeweg ist bekan­nt, wie auch die Umfänge der Pro­duk­te, die Deutsch­land als Exportwelt­meis­ter mit Schif­f­en im Rah­men unser­er weltweit­en Han­dels­beziehun­gen aus­führt.

Der Schutz der See­verbindungswege, die die Lebenslin­ien unser­er Wirtschaft bedeuten, ist für uns und für Europa von vitalem Inter­esse. Die Rah­menbe­din­gun­gen und Abhängigkeit­en sind uns geläu­fig. Lei­der ist dies, genau­so wie eine all­ge­meine sicher­heit­spoli­tis­che Diskus­sion, trotz aller Bemühun­gen, nicht in für uns befriedi­gen­dem Maße in allen Bere­ichen unser­er Gesellschaft präsent. Bun­de­spräsi­dent Köh­ler hat dies fol­gen­der­maßen beschrieben: »Gewiss, die Bun­deswehr ist all­ge­mein anerkan­nt, aber was heißt das eigentlich genau? Die Deutschen ver­trauen der Bun­deswehr, mit Recht, aber ein wirk­lich­es Inter­esse an ihr oder gar Stolz auf sie sind eher sel­ten. Noch sel­tener sind anscheinend der Wun­sch und das Bemühen, den außen- und sicher­heit­spoli­tis­chen Wan­del zu ver­ste­hen und zu bew­erten, …!«

Vor dieser Erken­nt­nis ist die Arbeit, die die MOV täglich leis­tet, umso wertvoller. Ich möchte Ihnen eine kurze Tour d´Horizon durch die Marine geben, dabei konzen­triere ich mich auf drei Schw­er­punk­te:

  • Per­son­elle Entwick­lung und Attrak­tiv­ität

  • Rüs­tungsin­vesti­tio­nen, MatEr­halt, Schwächen der Indus­trie

  • Mar­itime Sicher­heit.

Bildquelle: PIZ Marine