Deutschland — Quo Vadis Deutsche Marine — Zielvorstellung Marine 2025+

Anforderun­gen an den Mari­neschiff­bau

Damit stellt sich die span­nende Frage, welche Anforderun­gen daraus an den Mari­neschiff­bau abzuleit­en sind: Welche Kon­se­quen­zen ergeben sich für die Marine als Bedarf­sträger, die Haupt­abteilung Rüs­tung als Bedarfs­deck­er und die Mari­neschiff­bauin­dus­trie und ihrer Zulief­er­er als dem Auf­trag­nehmer? Auch hierzu gibt die Zielvorstel­lung Marine 2025 erste Grob­skizzen. Kün­ftig wird es noch stärk­er darauf ankom­men, der zunehmenden Ein­satzaus­las­tung der Schiffe und Boote und ganz beson­ders den Ein­satz­be­las­tun­gen der Besatzun­gen Rech­nung zu tra­gen, indem die Las­ten gle­ich­mäßiger und auf mehr Schul­tern verteilt wer­den. Mehrbe­satzungskonzepte, also eine Tren­nung von Plat­tform und Besatzung, wer­den in diesem Zusam­men­hang in Zukun­ft eine wichtigere Rolle spie­len. Eben­so wer­den zukün­ftig Plat­tfor­men stärk­er als bish­er von den auf ihnen abzu­bilden­den Fähigkeit­en zu tren­nen sein. Mod­u­lare Sub­sys­teme – beman­nt wie unbe­man­nt – bieten dazu vielfältige und flex­i­ble Ein­satzmöglichkeit­en.

Marineforum - Fregatte Klasse 124 HESSEN (Foto: FlottenKdo)
Fre­gat­te Klasse 124 HESSEN
Bildquelle: Flot­tenK­do

Bei der Real­isierung von Plat­tform­typen ist der Aspekt der zur Ver­fü­gung ste­hen­den Haushaltsmit­tel von zen­traler Bedeu­tung. Es ist grund­sät­zlich nicht zu erwarten, dass für die Marine zukün­ftig – trotz der gestiege­nen Wahrnehmung der Bedeu­tung der Seewege in der Öffentlichkeit – wesentlich mehr Finanzmit­tel bere­it­gestellt wer­den. Insofern lautet die erste, ver­gle­ich­sweise schlichte Fol­gerung: Mari­neschiff­bau muss für den öffentlichen Auf­tragge­ber betreib­bar und bezahlbar sein. Dazu ist es erforder­lich, dass ein­er­seits die Marine sich in Bezug auf oper­a­tive Forderun­gen diszi­plin­ieren muss, denn diese stellen einen maßge­blichen Kosten­fak­tor dar. Ander­er­seits kann die Marine von der Haupt­abteilung Rüs­tung und der Werftin­dus­trie die Bere­itschaft zur Suche nach inno­v­a­tiv­en, kostengün­sti­gen Lösun­gen für die Fähigkeits­forderun­gen der Marine erwarten. Schließlich gilt auch in Zukun­ft, dass jed­er Fähigkeit­saufwuchs sich am dafür zu treiben­den Aufwand gemessen wer­den muss.

Aus­bil­dungs- und Rüs­tung­sun­ter­stützung

Es zeigt sich par­al­lel zu den laufend­en Ein­sätzen, dass zunehmend auch Aus­bil­dung­sun­ter­stützung von Part­ner­na­tio­nen Teil der mil­itärischen Auf­tragser­fül­lung ist. Das ist sin­nvoll und dient der langfristi­gen Sta­bil­isierung ein­er Krisen­re­gion. Das Gle­iche gilt für die Unter­stützung von Rüs­tung­sex­porten durch den Auf­bau beson­der­er bilat­eraler Beziehun­gen zwis­chen der Deutschen und Empfänger­mari­nen. Auch damit lassen sich Koop­er­a­tion, Ver­trauen und Sta­bil­ität­strans­fer erre­ichen. Insofern gewin­nt die Aus­bil­dungs- und Rüs­tung­sun­ter­stützung eine dem Ein­satz dur­chaus nahe kom­mende Wer­tigkeit.

Diese Auf­gabe wird aber derzeit durch die Stre­itkräfte im Rah­men sog. freier Kapaz­itäten erfüllt. So jeden­falls die The­o­rie. Die Prax­is zeigt jedoch, dass die Marine diese freien Kapaz­itäten schon seit län­ger­er Zeit gar nicht mehr hat. De fac­to gehen diese Unter­stüt­zleis­tun­gen zulas­ten des laufend­en Betriebes. Diesen Spa­gat kann keine Marine lange durch­hal­ten. Es wird daher darauf ankom­men, den – ins­beson­dere poli­tisch – als notwendig und sin­nvoll erachteten Auf­gaben auch die entsprechen­den Ressourcen zuzuweisen und dabei auch den wirtschaftlichen Nutznießer dieser Leis­tun­gen – also die Rüs­tungsin­dus­trie – angemessen in die Pflicht zu nehmen.