Terrorismus — eine Einleitung

Ter­ror­is­mus. Ein bedrohlich­es Phänomen. Ein Phänomen, das ein­schüchtert und Angst macht.
Ein Phänomen, das ger­ade nach den schlim­men Anschlä­gen von 9/11 in der Öffentlichkeit großes Inter­esse, aber auch große Furcht her­vor­ruft.
Doch was hat es wirk­lich auf sich mit dem Ter­ror. Ist jen­er so neu als Waffe?
Gebrauchen nur gefährliche Islamis­ten diese Waffe der Neuzeit oder wo liegen die wirk­lichen Wurzeln dieser “Kamp­fart”?

Ter­ror als Waffe gegen den Geg­n­er ist so alt wie der Krieg selb­st. Nur die For­men und die Ein­satzarten unter­la­gen his­torischen Wech­seln und Änderun­gen.
In der Geschichte war es dur­chaus usus die Zivil­bevölkerung des Geg­n­ers mit­tels Gewal­tan­wen­dung und Plün­derung zu tre­f­fen und zu “ter­ror­isieren”, also zu erschreck­en und zu ängsti­gen. Denn das ist die ursprüngliche Wortbe­deu­tung bzw. der ety­mol­o­gis­che Ursprung des Wortes Ter­ror ( lat. ter­rare).
In der Antike, wie auch im Mit­te­lal­ter geschah dies. Allerd­ings ging damals der Ter­ror allein von reg­ulären bzw. hal­breg­ulären Ein­heit­en aus. 
Wobei — dies muss man ein­räu­men — damals eine echte Tren­nung zwis­chen reg­ulären Ein­heit­en (“ Kom­bat­tan­ten”) und Zivilis­ten ( “Nicht-Kom­bat­tan­ten”) so nicht getrof­fen wurde und auch nicht völk­er­rechtlich bestand.
Dem Geg­n­er zu schaden hieß damals auch seine Län­der zu ver­heeren und seine Bevölkerung zu mor­den.
Ins­beson­dere während des Dreißigjähri­gen Krieges erre­ichte diese Bru­tal­isierung des Krieges einen trau­ri­gen Höhep­unkt.
Damals kann man beinah von einem geziel­ten Krieg der Sol­dat­en gegen die Zivil­bevölkerung sprechen. Aber auch hier war dieser Ter­ror keine eigen­ständi­ge “Waffe”. Es war der reg­ulären Kriegs­führung unter­ge­ord­net bzw. ein großer und wesentlich­er Teil davon. Die Hauptzahl mil­itärisch­er Aktio­nen richtet sich damals nicht gezielt gegen den Feind und seine Trup­pen, son­dern gegen die “feindliche” Zivil­bevölkerung.
Nicht umson­st waren weite Land­striche nach Beendi­gung des Dreißigjähri­gen Krieges extrem entvölk­ert ( Bevölkerungsver­luste von bis zu 70% im Ver­gle­ich zu vor dem Krieg).

Doch der Krieg zivil­isierte sich allmäh­lich und mit dem West­fälis­chen Frieden (1648) ent­stand zumin­d­est in Europa ein kod­i­fiziertes Völk­er­recht bzw. zunächst Staaten­recht, das die Umgangsart bei mil­itärischen Aktio­nen regelte. Von da an war die Bevölkerung allmäh­lich nicht mehr das Hauptziel mil­itärisch­er Aktio­nen.
Man unter­schied nun in reg­uläre Kampf­führung, die dem Mil­itär von Staat­en vor­be­hal­ten war und in die geächtete irreg­uläre Kampf­führung. In diese zweite Sparte passt der sich allmäh­lich entwick­el­nde Ter­ror­is­mus als eigen­ständi­ge Waffe.
Zunächst bedi­en­ten sich jedoch nur paramil­itärische Ein­heit­en und Par­ti­sa­nen dieser Kampfweise. Man griff rück­wär­tige Anla­gen des Geg­n­ers an, verübte Sab­o­tage, ver­suchte hoch ste­hende Per­sön­lichkeit­en der Gegen­seite zu liq­ui­dieren. All dies macht auch noch heute den Begriff des Ter­ror­is­ten aus zum Teil. Allerd­ings wen­det sich diese mil­itärische Seite des Ter­ror­is­mus haupt­säch­lich gegen mil­itärische Ein­rich­tun­gen des Geg­n­ers bzw. gegen her­aus­ra­gende Per­sön­lichkeit­en Nicht umson­st wur­den und wer­den Mor­dan­schläge auf hohe Per­sön­lichkeit­en als ter­ror­is­tis­ch­er Akt beze­ich­net. Man kann also sehen, dass die Band­bre­ite recht groß ist beim Ter­ror­is­mus und zahlre­iche dif­fuse Vorstel­lun­gen diesen Begriff bilden bzw. darunter sub­sum­iert wer­den.
Aber ihnen ist gemein, dass sie mit ihren geziel­ten Aktio­nen immer ein beson­deres poli­tis­ches Ziel ver­fol­gten, dass mit reg­ulären mil­itärischen Mit­teln nicht zu erre­ichen war. Weil eben jene auch so so gut wie nie zur Ver­fü­gung standen.
Für diese ter­ror­is­tis­chen Akte und diese Vorge­hensweise kann man diverse Beispiele find­en. Cas­tros Gefol­gsleute gin­gen auf Kuba so vor um das Batista-Regime zu stürzen. Die IRA in Nordir­land hat vor­wiegend die in Nordir­land sta­tion­ierte Britis­che Armee ange­grif­f­en mit­tels Auto­bomben und kleiner­er Fall­en und Hin­ter­halte und auch Anschläge.
Diese rein mil­itärische Seite des Ter­ror­is­mus entspringt der Par­ti­sa­nen­tak­tik und daher üben auch poli­tis­che und mil­itärische Unter­grun­dor­gan­i­sa­tio­nen und Par­ti­sa­nen­grup­pen diese Kampfweise aus, um einen weitaus stärk­eren Geg­n­er zu bezwin­gen oder ihn eben zu schwächen ( gegebe­nen­falls für spätere Ver­hand­lun­gen. Daher auch der Aus­druck: an den Ver­hand­lungstisch bomben).
Aber neu war an diesem Ein­satz von Gewalt, dass er eben asym­metrisch durchge­führt wurde: also der ver­meintlich schwache Geg­n­er macht sich seine Klein­heit und Schwäche zu nutze und ver­sucht den über­mächti­gen Geg­n­er mit­tels beständi­ger Nadel­stiche zu besiegen.
Dabei gab es immer aber immer eine klaren poli­tis­chen Zweck, hin­ter dem alles zurück­stand. Ein ganz neuer Aspekt bei der Entwick­lung aber ist, dass sich diese Nadel­stiche sich nicht mehr nur gegen mil­itärische Ziele richt­en. Neu ist und dies ins­beson­dere durch den aufleben­den islamistis­chen Ter­ror, dass nun auch Zivilis­ten wie früher Opfer der Nadel­stiche wer­den.
Woll­ten Organ­i­sa­tio­nen wie die IRA, die ETA oder auch die ganzen Link­sex­trem­is­ten gezielte Schläge gegen den Geg­n­er aus­brin­gen um ihn so zu schwächen und auch ihren Willen zum weit­eren Wider­stand zum Aus­druck zu brin­gen, so geht es vor allem den Islamis­ten darum so viel wie möglich an Schreck­en und zivilen Toten zu verur­sachen.
Dies ist die neue schreck­liche Dimen­sion des Ter­rors. Man macht sich die Offen­heit der west­lichen Gesellschaften zu nutze und ver­sucht sie so an ihren weichen empfind­lichen Stellen zu tre­f­fen, ganz gewiss der Tat­sache, dass die west­lichen Demokra­tien keine hohe Anzahl an zivilen Opfern ver­tra­gen kön­nen. Allein schon durch die immense Medi­en­re­ich­weite dieser Schreck­en, die sich die Islamis­ten eben­so zu nutze machen. Diese “soft tar­gets” wur­den früher von den klas­sis­chen Unter­grun­dor­gan­i­sa­tio­nen eher geschont. Nicht zulet­zt da ihr Oper­a­tions­ge­bi­et auch immer begren­zt war und sie immer direkt im Kon­flik­t­ge­bi­et agierten.
Anders wiederum die Islamis­ten. Die tra­gen den Kon­flikt in das Land ihrer Feinde.  Wieder eine neue Entwick­lung.

Star­ben auch früher bei solchen Anschlä­gen unbeteiligte und unschuldige, so war dies aber gän­zlich unbe­ab­sichtigt oder zumin­d­est nicht gewollt. Heute sind die zivilen Opfer ger­ade das Mit­tel wom­it jene ihre Entschlossen­heit und ihren Hass zum Aus­druck brin­gen. Von daher kann man sich­er nicht von dem einen Ter­ror­is­mus sprechen. Man muss dif­feren­zieren zwis­chen den Grup­pen und ihren Zie­len und dann dazu ihre gebraucht­en Mit­tel betra­cht­en. Allein daher ist ein all­ge­mein aus­gerufen­er Krieg gegen den Ter­ror­is­mus nicht zu gewin­nen. Denn Ter­ror ist nur eine Waffe, die von jeman­dem benutzt wird und die nach Benutzer ganz unter­schiedlich angewen­det wird.

Team GlobDef

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