ANO – Abu Nidal Organisation – (Fatah-Revolutionsrat – Fatah al-Qiyadah al-Thawriyyah)


In dem Maße, wie die Gruppe von ihrer Söldnerrolle profitierte, hat sie fortschreitend ihre ursprüngliche revolutionäre und politische Motivierung zugunsten von Aktivitäten fallengelassen, die ausschließlich dem Gelderwerb dienen. Die ANO hat dementsprechend ein beträchtliches Vermögen angehäuft. Ursprünglich durch ihre Aktivitäten auf dem Gebiet des „bezahlten“ Terrorismus, aber dann auch durch Einsatz ihrer Gewinn aus diesen Geschäften in geschickten Unternehmens- und Grundstücksinvestitionen. Unter den eigenen Unternehmen befindet sich eine höchst profitable multinationale Waffenhandelsgesellschaft, die ihren Sitz in Polen hat.

Bereits 1988 sollen die Vermögenswerte der ANO schätzungsweise 400 Mio. US-Dollar betragen haben.

Nach eigenen Angaben soll Abu Nidal geplant haben den ägyptischen Staatschefs Anwar el-Sadat bei dessen geplantem Österreich-Besuch zu ermorden. Doch angeblich soll der PLO-Chef Jassir Arafat den damaligen österreichischen Bundeskanzler Kreisky und Sadat gewarnt haben. Die Schlappe schreibt die ANO dem Verrat eines gewissen Abu Daud zu, jenes Terroristen, der für das Massaker bei den Olympischen Spielen 1972 in München verantwortlich war. Auf Abu Daud wurde in Warschau 1981 ein Anschlag verübt. Daud überlebte diesen aber. Daraufhin verurteilte PLO-Chef Jassir Arafat den Extremisten Abu Nidal zum Tode.

Aktionen der ANO:

  • September 1973 – Besetzung der saudischen Botschaft in Paris.

  • Dezember 1973 – Anschlag auf ein Passagierflugzeug der US-Fluggesellschaft PanAm auf dem Fiumicino International Airport in Rom. (Foto) 

  • September 1976 – Besetzung des Semiramis Hotels in Damaskus. Zwei der Terroristen werden später öffentlich gehängt.

  • Oktober 1976 – Anschläge auf syrischen Botschaften in Islamabad (Pakistan) und Rom (Italien). 

  • November 1976 – Anschlag auf das Intercontinental Hotel in Amman (Jordanien). 

  • Dezember 1976 – Fehlgeschlagene Ermordung des syrischen Außenministers Khadam in Damaskus und fehlgeschlagener Anschlag auf die syrische Botschaft in Istanbul (Türkei). 

  • Oktober 1976 – Erneuter fehlgeschlagenes Attentat auf den syrischen Außenminister Khadam während des Auslandsaufenthaltes in Abu Dhabi (V.A.E. – Vereinigte Arabische Emirate). Der Außenminister der V.A.E wird bei dem Anschlag getötet. 

  • Januar 1978 – Attentat auf den PLO-Repräsentanten in London. 

  • Februar 1978 – Der Präsident der Konferenz der Organisation für Solidarität der Völker Afrikas, Asiens und Lateinamerikas, der ägyptische Journalist Youssef al-Seba’i wird ermordet. 

  • Juni 1978 – Attentat auf den PLO-Vertreter in Kuwait City. 

  • August 1978 – Attentat auf den PLO-Repräsentanten Izz al-Din al-Kalak in Paris und Anschlag auf das PLO-Büro in Islamabad (Pakistan). 

  • Juli 1980 – Anschlag auf eine jüdische Schule in Antwerpen (Belgien). 

  • Mai 1981 – Attentat auf of Heinz Nittel, Leiter der österreichisch-israelischen Freundschaftsvereinigung in Wien. 

  • Juni 1981 – Attentat auf den PLO-Vertreter Naim Khader in Brüssel (Belgien). 

  • August 1981 – Anschlag auf eine Synagoge in Wien tötet 2 Menschen und verletzt 17 weitere Personen. 

  • Juni 1982 – Versuchtes Attentat auf Shlomo Argov den israelischen Botschafter in London. 

  • August 1982 – Anschlag mit Maschinengewehren auf das jüdische Restaurant „Goldberg“ in Paris. 

  • August 1982 – Versuchte Anschläge auf den Konsul der Vereinigten Arabischen Emirate in Bombay (Indien) und auf einen kuwaitischen Diplomaten in Karatschi (Pakistan). 

  • September 1982 – Attentat auf einen kuwaitischen Diplomaten in Madrid und Anschlag auf eine Synagoge in Brüssel. 

  • Oktober 1982 – Terroristen mit Maschinengewehren und Handgranaten bewaffnet überfallen die Synagoge in Rom und töten 1 Kind und 10 Personen werden verletzt. 

  • April 1983 – Attentat auf den PLO-Vertreter Issam Sartawi der als Beobachter an der Konferenz der Sozialistischen Internationale in Lissabon (Portugal) teilnahm. In der Lobby des Hotel Montchoro in Albufeira, Portugal wurde Sartawi getötet. (Foto) 

  • Oktober 1983 – Ermordung des jordanischen Botschafters in Neu-Delhi (Indien) und des Botschafters in Rom (Italien). 

  • Dezember 1983 – Attentat auf den jordanischen Botschafter in Madrid (Spanien). 

  • Februar 1984 – Attentat auf den Botschafter der Vereinigten Arabischen Emirate in Paris. 

  • März 1984 – Attentat auf einen britischen Diplomaten in Athen. 

  • März 1984 – Versuchter Bombenanschlag auf das Intercontinental Hotel in Amman, während des Besuchs der britischen Königen Elisabeth II. in Jordanien. 

  • Oktober 1984 – Versuchtes Attentat auf einen Diplomaten der Vereinigten Arabischen Emirate in Rom. 

  • November 1984 – Bombenanschlag auf ein Büro der Fluggesellschaft British Airways in Beirut (Libanon). 

  • Dezember 1984 – Attentat auf einen jordanischen Diplomaten in Bukarest (Rumänien). 

  • Dezember 1984 – Bombenanschlag und Attentate auf die PLO-Vertreter Hani al-Hassan und Fahed Kawasmeh in Amman (Jordanien)., 

  • März 1985 – Bombenanschläge auf die Büros der jordanischen Fluggesellschaft ALIA in Rom (Italien), Athen (Griechenland) und Nikosia (Zypern). 

  • April 1985 – Raketenangriff auf ein Passagierflugzeug der jordanischen Fluggesellschaft ALIA beim Start in Athen. Die Rakete explodiert nicht, hinterläßt aber ein Loch im Flugzeugrumpf. Auch auf die jordanische Botschaft in Rom wird ein Raketenangriff verübt. 

  • Juli 1985 – Versuchter Bombenanschlag auf die US-Botschaft in Kairo. 

  • Juli 1985 – Bombenanschlag auf die Büros der Fluggesellschaft British Airways und ALIA in Madrid. Bei den Anschlägen stirbt eine Person und 29 werden verletzt. 

  • Juli 1985 – Handgranatenanschlag auf das Café de Paris in Rom, dabei werden 38 Personen verletzt. 

  • November 1985 – Ein Passagierflugzeug der Egypt Air wird von arabischen Terroristen entführt. Auf dem Flughafen Valetta auf Malta erstürmt eine Sondereinheit der ägyptischen Sicherheitskräfte das Flugzeug. Dabei sterben 66 Menschen. Verantwortlich für den Anschlag wird die ANO gemacht.

  • Ende Dezember 1985 – Libyen unterstützt die Terroristen der ANO – Abu Nidal Organisation logistisch bei den Anschlägen auf den Flughäfen von Wien und Rom (Leonardo da Vinci). Bei den fast zeitgleiche Anschläge auf die Schalter der israelischen Fluggesellschaft El Al werden 20 Personen getötet, darunter 5 US-Amerikaner und 120 zum Teil schwer verletzt. Die 4 Terroristen sterben ebenfalls. (Foto) 
    Zusatzinformationen zur Beziehung Abu Nidal und Muammar el Gaddafi: Der Spiegel – „Krieg ohne Ende“ Terroristen-Schutzherr Gaddafi (Ausgabe vom 6. Januar 1986, Seite 84 bis 91) 

  • April 1986 – Sprengstoffanschlag auf ein US-Passagierflugzeug des Typs Boeing 727 der Fluggesellschaft TWA mit 111 Fluggästen auf dem Flug von Rom über Athen nach Kairo. Zwischen Korfu und Korinth explodiert eine Bombe an Bord und reißt ein Loch in der Maschine. 4 Passagiere werden dadurch herausgeschleudert. Der Pilot kann das Flugzeug in Athen notlanden. 

  • September 1986 -Anschlag auf die Besucher der türkisch-jüdischen Synagoge Neve-Shalom in Istanbul mit Maschinengewehren und Handgranaten, dabei sterben 22 Menschen. Der Anschlag war ein Racheakt für die israelische Aktion in einem Miliz-Lager im Südlibanon.

  • November 1987 – Entführung einer Jacht und deren 8 belgischen Bürgern an Bord nach Libyen. 

  • Mai 1988 – Zeitgleiche Anschläge auf das Acropole Hotel und das Hotel Sudan Club in Khartum (Sudan), dabei werden 8 Personen getötet und 21 verletzt. 

  • Januar 1991 – Attentat auf den stellvertretenden PLO-Chef Abu Iyad und den Fatah-Kommandeuer Abu el-Hol in Tunis (Tunesien). 

  • Dezember 1998. Verlegung des Hauptquartiers der ANO in die irakische Hauptstadt Bagdad. 

  • August 2002 – Abu Nidal (geb. 1939) wird in Bagdad, Irak, in einem Appartement tot aufgefunden. Er soll unter einer schweren Krankheit gelitten haben, einem Rundfunkbericht zufolge an Leukämie. Schussverletzungen deuteten aber darauf hin, dass Nidal in seinem Appartement Selbstmord begangen habe. Auch der Fernsehsender Al Dschasira aus Katar berichtete über den Tod, allerdings ist nach Angaben des Senders ein Mord nicht auszuschließen.