Asien – SENKAKU – DIAOYU-Inseln


Noch bis in das 19. Jahrhundert hinein war die Inselgruppe aus 8 Inseln und Riffen mit etwas über 6 qkm Fläche – zwischen China, Taiwan und Okinawa gelegen – allenfalls für Fischer von Interesse, die bei stürmischer See auf den Inseln – selbst ohne Wasservorkommen und daher unbewohnbar – Zuflucht suchten. China übte eine mehr lockere Hoheit über das Seegebiet aus, bis die europäischen Kolonialmächte mit ihren überlegenen Flotten nicht nur einzelne Hafenstädte wie Kanton und Shanghai, sondern auch die Seeherrschaft an sich rissen.

1895 hatte Japan diese Inseln (in China als Diaoyu- Inseln bezeichnet) wie Taiwan auch zu seinem Hoheitsgebiet erklärt. Nach dem 2. Weltkrieg kamen die Senkakus mit Taiwan vorübergehend unter US-Besatzung. 

Japan möchte die Grenze zwischen den beiden "exclusiven wirtschaftlichen Einflussbereichen" an eine Mittellinie zwischen den (japanischen) Ryukyu-Inseln und dem chinesischen Festland bilden. Da sich dann die Senkaku-Inseln im japanischen Einflussbereich befänden würde die Grenzziehung zwischen dieser (dann japanischen) Insel und dem chinesischen Festland weit nach Westen ausgedehnt werden. Japan begründet seinen Anspruch damit, dass die Inseln nur 150 km von den Ryukyu-Inseln entfernt liegen und 1895 in japanisches Territorium eingegliedert und von der Siegermacht USA mit den Ryukuyu-Inseln an Japan zurück gegeben worden seien. Als die USA nach dem Weltkrieg die nationale Souveränität in den besetzten Gebieten wieder herstellten und Okinawa (1972) an Japan zurück gaben beeilte sich Japan, die Inseln als Bestandteil des Gebietes von Okinawa unter japanische Hoheit zu stellen. Kurz vorher wurden dort Öl- und Gasvorkommen entdeckt, und sowohl China als auch das etwa 150 km entfernte Taiwan erhoben postwendend Anspruch auf die Inselgruppe. SENKAKU - DIAOYU-Inseln
Tatsächlich gingen die USA bei den Verhandlungen über die Rückgabe der Ryukyu-Inseln nicht auf den Wunsch Japans ein, die Senkaku-Inseln ausdrücklich mit zu erwähnen, da die Kontroverse ausschließlich eine Angelegenheit zwischen China und Japan sei.

China beansprucht den Festlandssockel für sich, der erst kurz vor den Ryukuyu-Inseln am Okinawa Tiefseegraben endet. Die Senkaku-Inseln befinden sich noch auf dem Festlandssockel und sind damit nach chinesischer Auffassung auch chinesisches Territorium.  China beruft sich zudem auf alte Karten aus der Ming-Zeit im frühen 16. Jahrhundert sowie die historische Zugehörigkeit zu Taiwan. Die Inseln seien 1894 nach dem Sieg Japans im Vertrag von Shimonoseki – gemeinsam mit Taiwan – von Japan okkupiert worden. Da Japan nach dem Willen der Siegermächte (Proklamation von Kairo 1943, Potsdamer Erklärung 1945) alle durch Gewalt eroberten Territorien wieder freigeben musste seien die Inseln wieder chinesisches Territorium geworden.

Aus diesen Ansprüchen heraus begründen sich heute jeweils deutlich voneinander abweichende Wirtschaftsgrenzen im Ostchinesischen Meer.

"Aktivisten" aus Hongkong, Taiwan und China einerseits sowie Japan andererseits versuchten immer wieder, auf der Inselgruppe einen Leuchtturm, Seezeichen und andere Markierungen zu errichten. Meist von japanischer Küstenwache abgefangen oder verdrängt gelang es dennoch immer wieder, die Inseln zu betreten und diese Vorhaben zu verwirklichen, wobei die Anlagen dann auch immer wieder von den japanischen Sicherheitskräften demontiert wurden.

Chinesische wie auch japanische Militäreinheiten – Flugzeuge und Marineschiffe – stoßen immer wieder in den Raum um die Inseln vor, vermieden aber bisher eine offene Konfrontation. Erst im November 2004 war es bei den Senkaku-Inseln zu einem Zwischenfall gekommen, als ein chinesisches nukleargetriebenes U-Boot (wohl ein Jagd-U-Boot der HAN-Klasse) in die von Japan beanspruchten Territorialgewässer eingedrungen und schließlich zwei Tage lang durch das Ostchinesische Meer von japanischen Zerstörern und U-Jagdflugzeugen verfolgt worden war.

Angeheizt wird der Konflik durch Erdgasfelder, die sich ziemlich genau entlang der von Japan gezogenen "Meridian-Linie" auf halber Strecke zwischen Korea und Taiwan befinden. Zwischen Okinawa und Shanghai folgen auf dieser Linie das Shirakaba (chinesisch Chunxiao-) Gasfeld mit vermuteten Gasemengen, die etwa 64 Mio. Barrel Öl entsprechen, etwas nach Westen versetzt das Duanquiao (japanisch Kusunaki-) Gasfeld, dann wieder auf der Line das Kashi (chinesisch Taiwaitian-) Gasfeld dcht aufeinander und – etwas abgsetzt nach Norden – das Loongjing (japanisch Asunara-) Gasfeld. Während das Chunxiao nach der japanischen Trennungslinie mehr auf der chinesischen Seite liegt soll sich das nördlichste Gasfeld, Asunaro, überwiegend auf de japanischen Seite befinden. Dieser seit mehr als 30 Jahren schwelender Streit um Öl- und Gasvorkommen im Ostchinesischen Meer droht immer wieder zu eskalieren – obwohl die Größe der Lagerstätten noch nicht einmal eindeutig erkundet wurde. Energievorräte von etwa 90 Mio. Fass (Barrel) Öl sind nachgewiesen, etwa die doppelte Menge wird vermutet.

Bereits 1970 hatte die taiwanesische "National China Petroleoum Corporation" Förderlizenzen für mögliche Erdölvorkommen vergeben. Aufgrund des japanischen Protestes bildeten Japan, Taiwan und Südkorea dann – jetzt wieder gegen den Protest Chinas – ein Komitee, das die vermuteten Bodenschätze gemeinsam fördern sollte. Anfang 2004 hat China in "seinem Gebiet" mit der Erschießung von Erdgasvorkommen begonnen. Das Gasfeld Chunxiao (japanisch Shirakaba) wird seit 2005 auch von China (Cnooc Ltd.) ausgebeutet. Japan hatte "ultimativ" die sofortige Einstellung dieser Arbeiten gefordert und wurde – bei fehlender Reaktion Pekings – jetzt seinerseits im umstrittenen Gebiet aktiv. Das Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie in Tokio hat seinerseits japanischen Firmen den Auftrag zu Probebohrungen im Gebiet nördlich der zwischen Japan und China territorial umstritten Senkaku-Inseln erteilt.

Diese japanischen Probebohrungen führten zu antijapanischen Ausschreitungen in China und belasteten die Beziehungen beider Länder deutlich. Die Auflage neuer japanischer Schulbücher, in denen japanische Kriegsverbrechen des zweiten Weltkriegs verharmlost werden, haben im April 2005 ernet zu anti-japanischen Massenprotesten in mehreren chinesischen Städten geführt. Chinas Regierung erhielt damit auch ein Ventil für die Verlierer des Wirtschaftsaufschwungs, und nutzte die Proteste, um Japans Ambitionen auf einen Sitz im Sicherheitsrat der UN abzulehnen. 

Zwischenzeitlich schien sich aber eine Einigung in den seit 2004 laufenden Verhandlungen anzubahnen. Nach Berichten japanischer und chinesischer Medien vom Juni 2008 soll auch Japan von China das Recht zugestanden erhalten, im Gebiet des Shirakaba-/Chunxiao Gasfeldes zu investieren. Die Erträge aus den Förderungen sollen dann im Verhältnis der jeweiligen Investitionen geteilt werden. Ein etwa 2700 km² großes Gebiet südlich der Öl- und Gasfelder von Longjing (Asunaro) und dieses Feld sollen gemeinsam prosperiet, erschlossen und zu gleichen Teilen ausgebeuet weren. 

Über die gegenseitigen Ansprüche in den anderen Feldern, die sich auch entlang der von Japan beanspruchten Mittellinie befinden, scheint aber bisher noch keine Einigung erreicht worden zu sein – und auch die Territorialansprüche bleiben nach den vorliegenden Erklärungen noch offen. 

Die Versenkung eines taiwanesischen Fischerbootes durch ein japanisches Schiff hat aber die Einigung wieder ausgesetzt.
Beobachter gehen davon aus, dass sowohl Japan als auch China Einheiten ihrer Seestreitkräfte in die Region beordern werden, um ihre jeweiligen Ansprüche zu unterstreichen. Die Spannungen könnten damit weiter ansteigen.

Externer Link:
Senkaku (pdf) – (www.ruhr-uni-bochum.de)