Asien — Die Marine der Republik China (Taiwan)

Taiwan Republik China Republic of

Dieser Artikel wird mit fre­undlich­er Genehmi­gung der “Marine­Fo­rum — Zeitschrift für mar­itime Fra­gen” veröf­fentlicht.

Marineforum

Die Repub­lik Chi­na wurde im Jahre 1912 als Nach­fol­gerin des chi­ne­sis­chen Kaiser­re­ich­es unter der Qing-Dynas­tie gegrün­det. Nach inter­nen und exter­nen Kämpfen wurde die Repub­lik Chi­na ab 1928 zu einem von der Kuom­intang (KMT Nation­al­is­tis­che Partei Chi­nas) beherrscht­en autoritären Ein­parteien­staat. Die Partei wurde mit ihrer Grün­dung von Tschi­ang Kaischek geführt.

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Mit dem Ende des Bürg­erkrieges in Chi­na 1949 ent­standen prak­tisch 2 chi­ne­sis­che Staat­en – die Volk­sre­pub­lik Chi­na (heute 1,3 Mrd. Ein­wohn­er) und die Repub­lik Chi­na (heute 23 Mio. Ein­wohn­er): Tai­wan bildete den Rück­zug­sort für 2 Mil­lio­nen Anhänger der Kuom­intang unter Gen­er­al Tschi­ang Kaischek nach­dem die Kuom­intang gegen die Kom­mu­nis­ten unter Führung Mao Zedong den Bürg­erkrieg ver­loren hat­ten. Mao rief die Volk­sre­pub­lik Chi­na aus.

Tai­wan wurde zusam­men mit zahlre­ichen kleineren Inseln zur Repub­lik Chi­na (ROC), das Fes­t­land zur Volk­sre­pub­lik Chi­na (PRC).

Bei­jing hat nie die Sou­veränität über Tai­wan oder die anderen Inseln unter der Ver­wal­tung der Regierung der Repub­lik Chi­na in Taipeh aus­geübt. Unter den Bürg­ern der Repub­lik Chi­na gibt es ver­schiedene Mei­n­un­gen darüber, ob es am besten wäre, den Sta­tus quo unbe­gren­zt beizube­hal­ten oder ein anderes Ver­hält­nis mit dem chi­ne­sis­chen Fes­t­land anzus­treben. In jedem Fall teilen sie die Überzeu­gung, dass ihre Zukun­ft auf der Grund­lage von Frei­heit, Demokratie, Men­schen­recht­en und Rechtsstaatlichkeit beruhen muss, und dass nur sie das Recht haben, über ihre Zukun­ft zu entschei­den.

Die Marine der Repub­lik Chi­na (ROCN) sieht sich in der Tra­di­tion der chi­ne­sis­chen Marine, die bere­its im Chi­ne­sisch-Japanis­chen Krieg 1894–1895 gegen Japan gekämpft hat. Der Wieder­auf­bau ein­er Marine erfol­gte nach dem Zweit­en Weltkrieg mit Unter­stützung durch Großbri­tan­nien und die USA, ins­beson­dere durch die Aus­bil­dung der Offiziere und Unterof­fiziere in diesen Län­dern.

Die ersten Auf­gaben der Marine dieses kleinen neuen Staates war die Ver­legung der Mit­glieder der Kuom­intang unter deren Führer Tschi­ang Kaischek vom Fes­t­land nach For­mosa sowie die Sicherung der Küstengewäss­er durch Patrouille im Süd­chi­ne­sis­chen und Ostchi­ne­sis­chen Meer ein­schließlich der Straße von Tai­wan.

Geografie

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Die Tai­wanstraße ist die 180 Kilo­me­ter bre­ite Meerenge zwis­chen der chi­ne­sis­chen Prov­inz Fujian im West­en und der Insel Tai­wan im Osten, die das Ostchi­ne­sis­che Meer im Nor­den und das Süd­chi­ne­sis­che Meer im Süden verbindet. Sie ist heute eine der am dicht­esten befahre­nen Wasser­straßen der Welt.

Geostrate­gisch ist die Tai­wanstraße von Bedeu­tung, da sie die Repub­lik Chi­na von der Volk­sre­pub­lik Chi­na tren­nt. In den 1950er Jahren bestand hier die Gefahr ein­er mil­itärischen Auseinan­der­set­zung zwis­chen der Volk­sre­pub­lik Chi­na auf der einen Seite und der Repub­lik Chi­na im Bünd­nis mit den Vere­inigten Staat­en auf der anderen Seite. Mao Zedong ließ die in Sichtweite vor der Küste Fujians liegende, aber von Tai­wan aus ver­wal­tete Insel Que­moy bom­bardieren.

Die Insel Tai­wan erstreckt sich über eine Fläche von 35.801 km² (wie Baden-Würt­tem­berg). Die Insel ist 394 km lang, die max­i­male Bre­ite beträgt 144 km. Sie wird im West­en durch die Tai­wanstraße vom Fes­t­land getren­nt, im Süden tren­nt die Straße von Luzon Tai­wan von den Philip­pinen. Östlich begren­zt das Philip­pinen­beck­en Tai­wan. Im Nor­dosten schließt sich Tai­wan an die zu Japan gehörende Inselkette der Ryukyu-Inseln an, die das flache Ostchi­ne­sis­che Meer vom übri­gen Paz­i­fik abgren­zt. Tai­wan liegt in der Nähe von noch nicht erforscht­en Erdöl- und Erdgas­feldern des Süd­chi­ne­sis­chen Meeres.

Die Straße von Tai­wan ist ein wichtiger Schutzschild in der Vertei­di­gung des Lan­des.

Bedro­hung

Unab­hängig von der Reduzierung bish­eriger Span­nung über die Tai­wanstraße, hat die Volk­sre­pub­lik Chi­na immer noch nicht dem Ein­satz mil­itärisch­er Kräfte gegen Tai­wan abgeschworen und bleibt daher die Hauptbedro­hung für den Insel­staat.

Die Aufrüs­tung der chi­ne­sis­chen Volks­be­freiungsarmee in den let­zten 20 Jahren ist beein­druck­end und basiert auf zweis­tel­li­gen jährlichen Wach­s­tum­srat­en im chi­ne­sis­chen Vertei­di­gung­shaushalt. Nach ein­hel­liger Analyse west­lich­er Stu­di­enein­rich­tun­gen über­schre­it­et die chi­ne­sis­che Aufrüs­tung die zur eige­nen Vertei­di­gung notwendi­gen Fähigkeit­en bei Weit­em.

Zudem sieht man in der ROC die Entwick­lung in den let­zten 60 Jahren, in denen es eine Serie von Krisen zwis­chen den bei­den Teilen bei­der­seits der Straße von Tai­wan gab. Mehr als 700 bal­lis­tis­che Flugkör­p­er auf dem Fes­t­land, die unmit­tel­bar an der Straße von Tai­wan auf den Insel­staat gerichtet sind, unter­stre­ichen die tai­wane­sis­che Sicht.

Die Regierung in Bei­jing betra­chtet Tai­wan als einen Teil der Volk­sre­pub­lik und hat im Jahre 2005 ein Gesetz ver­ab­schiedet, das dieses festschreibt. Daher gilt für die Repub­lik Chi­na Peking als die größte Bedro­hung der Sou­veränität und Exis­tenz des Lan­des.

Sprat­ly-Inseln

Die über 100 weit ver­streuten Riffe, Atolle und kleinen Inseln sind zwis­chen sechs Staat­en umstrit­ten und ein poli­tis­ch­er Unsicher­heits­fak­tor für Südostasien. Die Repub­lik Chi­na, Viet­nam und die Volk­sre­pub­lik Chi­na erheben Anspruch auf die gesamte Insel­gruppe, während Brunei, Malaysia und die Philip­pinen jew­eils einen Teil der Inseln für sich beanspruchen. Alle diese Staat­en mit Aus­nahme Bruneis hal­ten einige der Inseln beset­zt, auf über 40 der anson­sten unbe­wohn­ten Inseln gibt es Mil­itär­gar­niso­nen. Die größte der Inseln, Itu Aba, ist von der Repub­lik Chi­na beset­zt.

Das Inter­esse an den Sprat­ly-Inseln erk­lärt sich aus ihrer strate­gis­chen Lage an ein­er der weltweit wichtig­sten Schiff­fahrt­srouten wie auch beson­ders an der Tat­sache, dass hier einige größere Erdöl- und Erdgasvorkom­men ver­mutet wer­den.

Admiral Kao Kung-Chi (Foto: ROCN)
Admi­ral Kao Kung-Chi
ROCN

Auf­trag der Marine

Der primäre Auf­trag der Marine von Tai­wan (ROCN) liegt in der Vertei­di­gung der Inseln gegen eine Block­ade durch die Volk­sre­pub­lik Chi­na sowie in dem Schutz der See­verbindungswege. Zudem gehört die Kon­trolle über die Seege­bi­ete, die die Insel umgeben, zu dem Auf­trag der ROCN. In Erfül­lung dieses Auf­trages nimmt sie an gemein­samen Oper­a­tio­nen mit den Land­stre­itkräften und den Luft­stre­itkräften des Lan­des teil.

Im Frieden hat die Marine die Auf­gaben, Überwachung der Ter­ri­to­ri­al­gewäss­er durchzuführen, die Ein­satzbere­itschaft ihrer Ein­heit­en sicherzustellen und in Katas­tro­phen Unter­stützung zu leis­ten.

Struk­tur

In der inzwis­chen demokratis­chen Repub­lik Chi­na ist die par­la­men­tarische Kon­trolle über die Stre­itkräfte fest­geschrieben. Dem zivilen Min­is­ter für Nationale Vertei­di­gung unter­ste­hen der Gen­er­al­stab­schef und die Ober­be­fehlshaber der Teil­stre­itkräfte, also auch Admi­ral Kao als Chef der Marine. Die Struk­tur der Marinestützpunk­te entspricht der strate­gis­chen Aus­rich­tung der Marine, ihrem Auf­trag und der perzep­tiv­en Bedro­hung. Die Marine konzen­tri­ert sich mit ihrer Flotte daher vornehm­lich auf Häfen ent­lang der Straße von Tai­wan mit Tsoy­ing und Kent­ing bei Kaoh­si­ung im Süden, Hsinchu im Nord­west­en und Keelung bei Taipeh im Nor­den. Eine wichtige strate­gis­che Lage nimmt dabei der Marinestützpunkt Makung auf Penghu, den Pescadores Inseln in der Straße von Tai­wan ein. Ein weit­er­er Stützpunkt befind­et sich an der Ostküste.