Allgemein — Arktis Wird Eisfrei — Und das bedeutet

Für diese ark­tis­che Pas­sage ste­hen vier grund­sät­zliche Routen zur Ver­fü­gung:

  • Die »Cana­di­an Arch­i­pel­ago Pas­sage« – auch als Nord­west-Pas­sage bekan­nt – ver­läuft ent­lang der kanadis­chen Nord­küste und deren Insel­welt.

  • Die »Arc­tic Bridge« verbindet Mur­man­sk und nordeu­ropäis­che Häfen über die Pas­sage südlich von Grön­land mit Nord­kana­da bzw. den USA.

  • Die »North­ern Sea Route« – oder Nor­dost­pas­sage – bildet den Link zwis­chen Atlantik und Paz­i­fik ent­lang der russisch/sibirischen Küste.

  • Die »Polar Route« von Island, die östlich Grön­land fast genau über den Pol nach Alas­ka ver­läuft und auf abse­hbare Zeit nur von Flugzeu­gen genutzt wer­den kann.

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Die Nutzung dieser Routen hätte fol­gende Auswirkun­gen: Die Pas­sage eines Schiffes von Ham­burg nach Yoko­hama via die North­ern Sea Route dauert anstatt 24 nur rund 14 Tage und spart etwa 5.000 Seemeilen ein. Der Tanker von Venezuela nach Chi­na kön­nte bei der Reise über den Nord­pol im Ver­gle­ich zur Pas­sage rund Südameri­ka etwa 7.000 Seemeilen und fast 20 Tage eins­paren. Gle­ich­wohl sieht die Schiff­fahrtin­dus­trie zzt. eine Pas­sage durch den Ark­tis­chen Ozean früh­estens in 10 bis 20 Jahren als echte Alter­na­tive, da erst dann die Investi­tio­nen für die beson­deren schiff­baulichen Maß­nah­men und notwendi­ge Begleitschiffe als kalkulier­bar erscheinen.

Der zweite Aspekt, den es zu betra­cht­en gilt, sind die Ressourcen des Ark­tis­chen Ozeans, sowohl auf dem Meeres­grund als auch im Wass­er. So ver­schiebt sich bere­its heute der Leben­sraum von Fis­charten wegen zunehmender Wassertem­per­a­turen nach Nor­den. Berichte rus­sis­ch­er und nor­wegis­ch­er Fis­ch­er bele­gen diese Beobach­tun­gen am Beispiel des Lachs, der inzwis­chen wesentlich weit­er nördlich gefan­gen wird, als das vor eini­gen Jahren noch der Fall war.

Iro­nis­cher­weise wird das Ver­bren­nen fos­siler Energi­eträger den Zugang zu großen Lagern fos­siler Brennstoffe unter­halb der Polkappe zunehmend erle­ichtern, was den Kli­mawan­del aller Voraus­sicht nach noch weit­er beschle­u­ni­gen dürfte. Schätzun­gen gehen davon aus, dass etwa ein Vier­tel aller glob­alen Öl- und Gasvorkom­men unter­halb der ark­tis­chen Polkappe liegen.

Marineforum - 'brennendes Eis'
‘bren­nen­des Eis’

GAZPROM erschließt derzeit vor der ark­tis­chen Küste das Shtok­man Gas­feld, was aktuell als das abso­lut größte Gasvorkom­men der Welt eingeschätzt wird. Nor­we­gens STATOIL ASA fördert in der Bar­entssee seit Anfang 2007 Gas aus dem Snoe­hvit-Feld.

Darüber hin­aus herrschen im ark­tis­chen Beck­en hin­sichtlich Tem­per­atur und Druck ide­ale Bedin­gun­gen, um Methanhy­drat wirtschaftlich abbauen zu kön­nen. Auch bekan­nt als Gashy­drat han­delt es sich bei diesem Stoff um festes Wass­er mit ein­er hohen Konzen­tra­tion von gelöstem Methan in kristalliner Struk­tur. Die Kristalle wer­den auch »Bren­nen­des Eis« genan­nt und sind nach der Förderung an die Ober­fläche ein zu Erdöl und Erdgas ver­gle­ich­bar­er Brennstoff, wen­ngle­ich auch mit der Emis­sion des wahrschein­lich gefährlich­sten »Green­house Gas«.

Eben­falls gehen viele Wis­senschaftler davon aus, dass im ark­tis­chen Ozean­bo­den große Vorkom­men an Man­gan, Nick­el, Kupfer und Kobalt zu find­en sind, die nach dem Wegschmelzen der Polkappe wirtschaftlich erschlossen wer­den kön­nen.

Der dritte Aspekt, der vor ein­er Nutzung des Ark­tis­chen Ozeans zu klären wäre, bet­rifft ver­schiedene ter­ri­to­ri­ale Forderun­gen der Ark­tikan­rain­er. Trotz in der Mehrheit grund­sät­zlich­er Anerken­nung der Con­ven­tion on the Law of the Seas (UNCLOS) von 1982, beste­hen heute jedoch zahlre­iche unter­schiedliche Recht­sausle­gun­gen bei Gren­zver­läufen, Durchfahrtsrechten,Nutzung des See­bo­dens und der 200 Seemeilen bre­it­en Anschlusszone (Exclu­sive Eco­nom­ic Zone – EEZ). Vor dem Hin­ter­grund von UNCLOSIII (1994) kann eine Nation ihre Rechte dann bis weit über die EEZ hin­aus ausweit­en, wenn inner­halb von 10 Jahren nach Rat­i­fizierung des Ver­trags seit­ens der Nation nachgewiesen wird, dass der Ozean­bo­den bis hin zu 350 Seemeilen geografisch dem Kon­ti­nen­talschelf zuzuord­nen ist.

Rus­s­land und Nor­we­gen haben bere­its entsprechende Anträge an die »Com­mis­sion on the Lim­its of the Con­ti­nen­tal Shelf (CLCS)« der Vere­in­ten Natio­nen gestellt. Rus­s­land hat­te 1997 UNCLOS-III rat­i­fiziert und 2001 seinen Antrag auf Erweiterung der EEZ ein­gere­icht. Der Antrag wurde auf­grund fehlen­der wis­senschaftlich­er Begrün­dung seit­ens der UN zurück­gewiesen. Wenn auch der weit­ere Bear­beitungs­gang der Anträge seit­ens der UN nicht öffentlich gemacht wurde, so ist davon auszuge­hen, dass Rus­s­land weit­ere wis­senschaftliche Begrün­dun­gen zur Unter­stützung seines Antrags ein­gere­icht hat – insofern war das Auf­stellen der rus­sis­chen Flagge auf dem Meeres­bo­den im Dezem­ber 2007 als ein konkreter Hin­weis auf diese aus Sicht Rus­s­lands noch ausste­hende Bestä­ti­gung des Antrags einzuord­nen.