Marinen aus aller Welt

AUSTRALIEN

Mit Umrüs­tung der Fre­gat­te „Stu­art“ ist das vor sieben Jahren begonnene Pro­jekt SEA 1448 abgeschlossen.

ANZAC-Fregatte nach Proj. SEA 1448 (Foto: US Navy)
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PEARL HARBOR (June 28, 2016) The Roy­al Aus­tralian Navy frigate HMAS War­ra­munga (FFH 152) arrives at Joint Base Pearl Har­bor-Hick­am for Rim of the Pacif­ic (RIMPAC) 2016. Twen­ty-six nations, more than 40 ships and sub­marines, more than 200 air­craft and 25,000 per­son­nel are par­tic­i­pat­ing in RIMPAC from June 30 to Aug. 4, in and around the Hawai­ian Islands and South­ern Cal­i­for­nia. The world’s largest inter­na­tion­al mar­itime exer­cise, RIMPAC pro­vides a unique train­ing oppor­tu­ni­ty that helps par­tic­i­pants fos­ter and sus­tain the coop­er­a­tive rela­tion­ships that are crit­i­cal to ensur­ing the safe­ty of sea lanes and secu­ri­ty on the world’s oceans. RIMPAC 2016 is the 25th exer­cise in the series that began in 1971. (U.S. Navy Pho­to By Mass Com­mu­ni­ca­tion Spe­cial­ist 1st Class Phillip Pavlovich/Released)

Noch in diesem Jahr soll sie als let­zte der acht zwis­chen 1996 und 2006 in Dienst gestell­ten Fre­gat­ten der ANZAC-Klasse (deutsches Designs MEKO-200 ANZ) zur oper­a­tiv­en Flotte zurück­kehren. Für die Schiffe gab es schon mehrere Kampfw­ert­steigerun­gen: sie wur­den mit Seeziel-FK Har­poon nachgerüstet, erhiel­ten Minen-Mei­des­onar und schließlich neue Infrared Search & Track (IRST) Sys­teme.

Dieser Artikel wird mit fre­undlich­er Genehmi­gung der „Marine­Fo­rum – Zeitschrift für mar­itime Fra­gen“ veröf­fentlicht.
Marineforum

Pro­jekt SEA 1448 zielte auf die Schließung ein­er mit Aus­musterung älter­er Zer­stör­er der PERTH-Klasse (US-Typ CHARLES F. ADAMS) ent­standene Fähigkeit­slücke in der Flu­gab­wehr. Dazu wurde für die Schiffe ein Anti-Ship Mis­sile Defence Sys­tem (ASMDS) entwick­elt, das ihnen mit Flugkör­pern Evolved Sea Spar­row (ESSM) nicht nur Selb­stvertei­dung gegen z.B. tief fliegen­der Seeziel-FK ermöglicht, son­dern auch zu effek­tiv­er Ver­bands­flu­gab­wehr befähigt. Ein CEA Active Phased Array Radar (in einem neuen, inte­gri­erten Mast) erlaubt im Ver­bund mit einem neuen Gefechts­führungssys­tem gle­ichzeit­ige Bekämp­fung von bis zu zehn Luftzie­len.

Pro­jekt Sea 1448 (auch ANZAC ASDMS genan­nt) sollte zunächst ein­mal nur für ein Schiff, die „Perth“, durchge­führt wer­den. Erst nach mit dieser gemacht­en prak­tis­chen Erfahrun­gen sollte über die recht teure (ca. 500 Mio Euro) Umrüs­tung auch der anderen Schiffe entsch­ieden wer­den. Die etwas mehr als ein­jähri­gen Arbeit­en an der „Perth“ wur­den 2011 abgeschlossen, und schon erste Erprobun­gen hin­ter­ließen einen so nach­haltig Ein­druck, dass vorzeit­ig entsch­ieden wurde, Project SEA 1448 auch für die anderen sieben Schiffe durchzuführen.

Nun ist das Vorhaben abgeschlossen, aber den Fre­gat­ten der ANZAC-Klasse ste­hen weit­ere län­gere Werftliegezeit­en bevor. Im des fast 1,5 Mrd Euro teuren „ANZAC Midlife Capa­bil­i­ty Upgrade“ sollen schiff­stech­nis­che Anla­gen und ein Teil der Waf­fen­sys­teme und Führung­sein­rich­tun­gen in den kom­menden sechs Jahren nach und nach grundüber­holt und mod­ernisiert wer­den. Als erstes Schiff soll im Sep­tem­ber die „Arun­ta“ bei der BAe-Sys­tems-Werft in Hen­der­son ihre 12-monatige Werftliegezeit begin­nen.

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INDIEN

Nach fast 30 Jahren Flug­be­trieb hat die indis­chen Marine ihre alten U-Jagdflugzeuge vom Typ Tupolew T-142 Bear-F aus­ge­mustert.

Die riesi­gen Flugzeuge mit den vier Dop­pel-Pro­peller Tur­bo­prop-Trieb­w­erken stam­men aus der ehe­ma­li­gen Sow­je­tu­nion. Diese sah sich in den 1960er Jahren vor der Notwendigkeit, der neuen Bedro­hung durch mit Polaris-Atom­raketen bestück­te amerikanis­che U-Booten begeg­nen zu müssen. Bei Reich­weite der US-Raketen von fast 2.000 km mussten sow­jetis­che U-Jagd-Flugzeuge die US-U-Boote schon weit von der Sow­je­tu­nion ent­fer­nt im offe­nen Atlantik und Paz­i­fik abfan­gen kön­nen. Gefragt waren also vor allem lange Flu­gaus­dauer und große Reich­weite.

indisches U-Jagdflugzeug Tu-142 Bear-F (Foto: Michael Nitz)
Pres­i­dents Fleet Review of the Indi­an Navy, Mum­bai, 20. Decem­ber 2011

Basis dafür bot der strate­gis­che Bomber Tu-95, aus dem die für U-Jagd opti­mierte und bewaffnete Tu-142 entwick­elt wurde — mit ein­er Flu­gaus­dauer von 13 Stun­den und ein­er Reich­weite von bis zu 6.500 km. 1970 führte die sow­jetis­che Marine die in der NATO als Bear-F beze­ich­neten Flugzeuge ein. Gut zehn Jahre später fand die Tu-142 auch das Inter­esse der befre­un­de­ten indis­chen Marine, die eine möglichst lück­en­lose Überwachung der riesi­gen Seege­bi­ete um den indis­chen Sub­kon­ti­nent, bis weit hinein in das Ara­bis­che Meer, den Indis­chen Ozean und den Golf von Ben­galen wollte.

Ende 1984 wur­den acht Bear-F in Moskau bestellt, die – nach leicht­en Mod­i­fizierun­gen für den spez­i­fis­chen Bedarf der indis­chen Marine sowie Aus­bil­dung von Piloten, Ein­satzper­son­al und Tech­nikern – 1988 in Indi­en ein­trafen.

Im April 2000 wur­den Pläne zur Beschaf­fung weit­er­er sechs, dies­mal sog­ar mit Seeziel-FK zu bestück­enden Tu-142 bekan­nt. Bei weit auseinan­der liegen­den preis­lichen Vorstel­lun­gen zogen sich die Ver­hand­lun­gen über Jahre hin. 2008 entsch­ied Indi­en schließlich, auf weit­ere Bear-F zu verzicht­en und auch die acht trotz zwis­chen­zeitlich­er Grundüber­hol­un­gen und Mod­ernisierun­gen tech­nol­o­gisch ver­al­teten, vor allem aber auch „Kraft­stoff fressenden“ Maschi­nen durch ein mod­ernes Flugzeug­muster zu erset­zen. Den Zuschlag für das inter­na­tion­al aus­geschriebene Pro­jekt erhielt der US Her­steller Boe­ing, bei dem zunächst acht, dann weit­ere vier mod­erne Mar­itime Mis­sion Air­craft P-8I Nep­tune – eine Vari­ante der P-8A Posei­don der US Navy – bestellt wur­den. Nach Indi­en­st­stel­lung der ersten dieser mod­er­nen Flugzeuge war Ende März der Zeit­punkt gekom­men, sich formell von den alten Tu-142 Bear-F zu ver­ab­schieden.

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RUSSLAND

Foto: Deutsche Marine
Foto: Deutsche Marine

Gerüchte gab es schon seit mehr als zwei Jahren. Nun wurde offiziell bestätigt, dass die rus­sis­che Marine weit­ere Lan­dungs­boote der POMORNIK-Klasse (Project 1232–2 Zubr) erhal­ten soll. Der

Bauauf­trag kön­nte an die More-Werft in Feo­dosia (Krim) gehen.

Die Fahrzeuge der POMORNIK-Klasse sind mit 550ts (57m) die weltweit größten Luftkissen-Lan­dungs­boote (zum Ver­gle­ich: LCAC der US-Navy 170ts, 25m).

 

 

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SINGAPUR

Nach nur 19 Dien­st­jahren hat die Repub­lic of Sin­ga­pore Navy (RSN) mit der „Fear­less“ das Typ­boot ihrer FEAR­LESS-Klasse außer Dienst gestellt.

Boot der FEARLESS-Klasse (Foto: RSN)
Boot der FEAR­LESS-Klasse (Foto: RSN)

Von 1996 bis 1998 hat­te die RSN ins­ge­samt 12 dieser bei der Sin­ga­pore Ship­build­ing & Engi­neer­ing gebaut­en 55-m-Boote beschafft. Die ersten sechs waren für U-Jagd-Auf­gaben opti­miert; das zweite Los sollte dann neben dem auf allen Booten vorhan­de­nen 76-mm-Geschütz israelis­che Seeziel-FK Gabriel als Haupt­waf­fen­sys­tem erhal­ten; diese Pla­nung wurde jedoch fal­l­en­ge­lassen. Zunächst instal­lierte Tor­pe­dos wur­den 2009 abgerüstet, und alle Boote (eines musste nach ein­er Kol­li­sion aus­ge­mustert wer­den) waren zulet­zt bei Mar­itime Secu­ri­ty Oper­a­tions u.a. zur Bekämp­fung regionaler Pira­terie im Küsten­vor­feld und den Wirtschaft­szo­nen einge­set­zt.

Die Aus­musterung der „Fear­less“ markiert den Über­gang von der FEAR­LESS-Klasse zu acht bei der örtlichen ST Marine bestell­ten, größeren (80m) Lit­toral Mis­sion Ves­sel (LMV) der INDE­PEN­DENCE-Klasse. Auch diese sollen nur mit Rohrwaf­fen bestückt (ggf. Nah­bere­ichs-Flu­gab­wehr-FK zur Selb­stvertei­di­gung) primär Mar­itime Secu­ri­ty Oper­a­tions durch­führen, aber eine Plat­tform für Starts/Landungen eines Hub­schraubers

erweit­ert ihren Aktion­sra­dius und ermöglicht zusät­zliche Ein­sat­zop­tio­nen. Darüber hin­aus ist auch eine “mod­u­lare Kon­fig­u­ra­tion” geplant; mit vorge­fer­tigten Bausteinen (Mod­ulen) sollen die Boote flex­i­bel und kurzfristig für beson­dere oper­a­tive Ein­satzer­fordernisse (u.a. auch Minen­ab­wehr) opti­miert wer­den kön­nen. Typ­schiff „Inde­pen­dence“ ist bere­its übergeben, das fün­fte LMV auf Kiel gelegt. Alle acht sollen bis 2020 geliefert sein.